Das Land Hadeln: Hort des Liberalismus

   Warum hielt sich Hoffmann von Fallersleben des öfteren im Land Hadeln auf? Warum fand er gerade hier, abseits der großen Weltgeschichte, Menschen, denen er sich verbunden fühlte, die ihm, dem Liberalen, gegenüber der Polizei halfen, die ihn aufnahmen und sogar finanziell unterstützten? Eine Erklärung dafür sehen wir in den Besonderheiten der Hadler Geschichte, die deshalb hier kurz vorgestellt werden sollen.

   Das historische Hadeln ist eine der im Mittelalter entstandenen Bauernrepubliken an den Mündungen von Weser und Elbe. Es kommt im 13. Jahrhundert an die Herzöge von Sachsen-Lauenburg, nach ihrem Aussterben (1689) 1731 an Kurhannover.
   Eine für unser Thema interessante Quelle ist der Reisebericht des Schotten Thomas Hodgskin, der im  Jahre 1818 Nordwestdeutschland bereiste. Sein ,,Travels in the North of Germany" (2 Bände, Edinburg 1820) ist bisher nicht auf Deutsch erschienen und deshalb hierzulande kaum bekannt.
   Hodgskin sieht grundlegende Unterschiede zwischen den Bewohnern des Elbe-Weser-Raumes und denen im übrigen Deutschland. Im Kapitel ,,Freies Land an der Elbe" vertritt er die Ansicht, dass die Menschen hier eine Entwicklung durchgemacht hätten, welche sie den übrigen Deutschen gegenüber überlegen mache. Sie liebten ihre Freiheit leidenschaftlich und hätten sich ihre Unabhängigkeit lange bewahren können.. Sie hätten ihre eigenen Beamten gewählt, sogar eine Art Parlament, und seien frei von Adelsherrschaft geblieben und damit auch von jenen bäuerlichen Abhängigkeiten, welche auf das übrige Deutschland so negative Auswirkungen hätten.
Die Linde auf dem Warningsacker, Stätte der Hadler LandesversammlungAls Briten interessieren Hodgskin besonders die historischen Verbindungen zwischen seiner Heimat und Hadeln, sprich die Landnahme der Angeln und Sachsen in England: ,,Ohne jeglichen Einfluß auf die großen europäischen Staaten und ohne romantische Schönheit ist Hadeln nur deshalb bemerkenswert, weil es noch die letzten Reste jener Freiheiten besitzt, die einmal aus diesem Land nach Britannien gelangten." Eine Folge davon sei, dass die Hadeler komfortabel lebten. Der Reisende schreibt, er habe keinen Ort auf dem Kontinent gesehen, mit Ausnahme der näheren Umgebung Hamburgs, der dem Land Hadeln in dem Glück und offensichtlichen Wohlstand seiner Bewohner gleiche.

Das Bild zeigt die Linde auf dem Warningsacker im Altenbrucher Osterende. Es ist die Stätte der Hadler Landesversammlung, wo schon seit Mitte des 13. Jahrhunderts die Einwohner zusammenkamen.
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