Raabedenkmal vor dem Schulzentrum
 
"Es lebe vor allem die stille Heiterkeit, welche bei besserem Nachdenken allen wirren, krausen Ärgernissen des Lebens abgerungen wird."

Ausspruch Wilhelm Raabes

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Das Standbild aus Bronze, das Raabes Geburtsstadt Eschershausen ihrem großen Ehrenbürger zum 100. Geburtstag errichtet hat, ist wohl das eindrucksvollste aller Raabe-Denkmäler, da es den Dichter selbst -- in überlebensgroßer Gestalt -- darstellt. Er steht vor dem Wilhelm-Raabe-Schulzentrum auf einer Böschung und blickt auf die Straße hinunter, auf der die Jungs und Mädchen zur Schule gehen. Der Meister trägt einen hochgeschlossenen Mantel und hat die Hände in den Taschen vergraben. Wir erinnern uns beim Anblick dieser Gestalt an den Bericht der Frau Käte Tappe-Vernon, einer Nichte Raabes, in einem Brief an Wilhelm Brandes: "Ich sehe meinen Onkel Raabe noch in der schöngefegten Haselnussallee unseres Pfarrgartens auf- und abgehen und hatte damals keine Idee was für ein berühmter Mann er war, aber von jeher hatten wir ihn innig lieb. Ach, bitte, wenn man ihm ein Denkmal setzt in Braunschweig, tun Sie doch, was in ihren Kräften steht, dass er 'in diesem ollen Schlafrock in Bronze gegossen' wird -- denn das ist eine von meinen herzlichen Jugenderinnerungen, dass er uns oft erwiderte, mit seinem unvergesslichen lieben Zwinkern, wenn wir sagten: "Aber Onkel, immer noch in dem alten scheußlichen Schlafrock?" "Was, in diesem ollen scheußlichen Schlafrock werdet ihr mich noch dereinst in Bronze gegossen auf dem Markt stehen sehen!"

 

Es ist nun kein Schlafrock, der Raabe umschließt, sondern ein langer Mantel, wie er ihn auf Spaziergängen zu einem großen Schlapphut trug. Als im Jahre 1941 die Gefahr des Einschmelzens bestand, hat Bürgermeister Elsner in Eschershausen es davor bewahrt, indem er folgende Erklärung abgab: "Ich kann mich nicht entschließen, das Denkmal der Metallspende zur Verfügung zu stellen. Das Denkmal soll erhalten bleiben."

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Das Denkmal verdankt seine Entstehung einem Preisausschreiben der Gesellschaft der Freunde Wilhelm Raabes zur Schaffung eines Raabe-Denkmals für die Stadt Braunschweig aus Anlaß des 100.Geburtstages des Dichters. Der Entwurf des Braunschweiger Bildhauers Sagebiel gehörte mit zu den wenigen auf die engere Wahl gestellten Arbeiten von 17 eingereichten Werken namhafter und berühmter Künstler. Da mit Rücksicht auf den dafür vorgesehenen Platz für die Stadt Braunschweig ein anderer Entwurf (Brunnen) gewählt wurde, bot sich bei der Erbauung der Wilhelm-Raabe-Schule in Eschershausen, der Geburtsstadt des Dichters, die Möglichkeit, diesem Standbilde, das dem Wesen Wilhelm Raabes als eines stillen Wegweisers und Mahners des deutschen Volkes sehr gerecht wird, eine würdige Aufstellung vor der auf der Anhöhe gelegenen Schule zu geben. Die vom Architekten Herlé erbaute Schule wurde am 09.09.1931 eingeweiht und bildet seitdem eine Wallfahrtsstätte für die vielen Freunde des Dichters, die alljährlich das Wesergebirge besuchen.

 

Bei der Einweihung dieses Denkmals wurde Raabe vor allem als der deutsche Dichter gefeiert. Dafür sei das Wort von Dr. Konstantin Bauer ein Zeichen: "Welcher deutsche Dichter hat deutschen Geistes innerstes Wesen so tief erfasst, wer deutsches Leben so echt und wahr gestaltet, wer die Liebe zu Heimat und Vaterland so eindringlich gelehrt wie Wilhelm Raabe?"

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Wie aber bei Raabe hinter allem das rein Menschliche steht, so wurde an den Schluß der Feier ein Wort des Meisters selbst gestellt, das für alle menschlichen Probleme eines der tröstlichsten ist.  Es ist seinem Roman "Die Leute aus dem Walde" entnommen:
"Arbeiten und schaffen soll jeder nach seiner Art; denn darin liegt sein Heil: bauen soll er in sich und außer sich, und was ihm in der Seele, was ihm im Umkreis seines Seins von feindlichen Kräften zerstört wurde, das soll er immer geduldig von neuem aufrichten, -- denn darin liegt sein Glück. Wer die Arme sinken lässt, ist überall verloren; wer aber jeden Schritt zum Grabe verteidigt und würdig auch die lichtesten Höhen verlassen kann, um in die dunkleTiefe hinabzusteigen, der hat gewonnen, der schreitet als Sieger in die Gruft."