| Wer könnte es
gewesen sein? Wer könnte zu einer so schrecklichen Tat fähig sein? Diese Fragen stellen
sich die Spurensucher den ganzen Tag, doch zu einem Ergebnis kamen sie nicht.
Bis Menko von Melk auf eine Idee kam: Wer war der
einzige im Kloster, der Gift besitzen konnte? Wer war der einzige, der wusste, wie jedes
einzelne Gift wirkt? Wer konnte ohne aufzufallen jedes Gift mit sich herumtragen und
anderen Mönchen aushändigen? Zweifelsfrei konnte dies nur der Botanikus sein! Es konnte
nur Martin von Ameland sein.

Der Klostergarten an der Klosterstätte, wo
früher mit Sicherheit auch giftige Pflanzen zu finden waren!
Doch ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein so
liebenswürdiger Mensch zu einer so unverantwortlichen Tat fähig war. Doch Menko, ein
hoher, stattlicher Mann mit eindringlichen Augen, wirkte, als ob er keiner Fliege etwas zu
Leide tun könnte und hatte gleichzeitig doch etwas Bedrohliches an sich. Vielleicht war
es auch seine Stimme, die mir immer zu mächtig und majestätisch erschien.
Martin von Ameland war gerade dabei, einen Trunk
zu mischen, der seinen starken Husten stillen sollte, als die Spurensucher ihn
überraschten. Es kam zu einem Verhör.
Er erschrak fast zu Tode, denn im Kloster Ihlow
war es ihm nicht mehr ganz geheuer, seitdem ein Mord geschehen war (wie er mir später im
Stillen anvertraute). Bei dem Verhör soll Martin sehr nervös gewesen sein, so hörte
ich, Er habe schlimmer als sonst gestottert - er stotterte, seitdem seine Familie bei
einem Brand ums Leben gekommen war. Das war auch der Grund, warum er ins Kloster gegangen
war. Die ersten Jahre im Kloster ließ er niemanden an sich heran, und nun, da er mit Gott
und der Welt Frieden geschlossen hatte, sollte er einen Mönch ermordet haben? So
erklärte er es auch unseren Spurensuchern, die ihm allerdings keinen Glauben schenkten.
Erst als er ganz nebenbei erzählte, er habe vor Jahren vielen Mönchen Gifte ausgeliehen,
wurden die Spurensucher hellhörig und nahmen noch andere mögliche Täter in Betracht. Er
musste erzählen, welche Gifte er wem gegeben hatte, dabei stellte sich heraus, dass jene
Gifte, die er anderen ausgehändigt hatte, nach kurzer Zeit ihre Wirksamkeit verlieren.
Man musste wieder bei Null anfangen. Martin von Ameland wurde von den Spurensuchern in
Gewahrsam genommen und in eine Zelle gesperrt.
Erst als ein Laienbruder Martin von Ameland spät
am Abend etwas zu essen brachte, verlangte Martin nach Menko von Melk und Wolfgang de
Broem. Er hatte sich daran erinnert, dass er vor fünf Tagen dem Bibliothekar eine Lösung
gegen Farbflecken gegeben hatte... |