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St. Bonifatiusgemeinde

Als Bekenntnisschule haben wir natürlich eine besondere Beziehung zu unserer Kirchengemeinde. Sie rührt auch besonders daher, dass unsere Schule in ihren Anfängen und viele Jahre und Jahrzehnte hindurch von dieser Kirchengemeinde begründet und sogar unterhalten wurde. Bis zum Ausbruch des Nationalsozialismus hatten auch die Geistlichen die Schulaufsicht inne, die sie - wenn man die Chronik unserer Schule liest - in liebevoller und hingebungsvoller Weise ausübten.

Deshalb ist es vielleicht auch nicht verwunderlich, dass unsere Schule sich hier an dieser Stelle zur Geschichte unserer Gemeinde verbreitet.

 

St. Bonifatius ist die Innenstadtgemeinde, deren Geschichte eng mit der Geschichte unserer Schule verflochten ist. Ebenso hat sie zu tun mit dem Entstehen der Stadt sowie der Burg, dem Castell, nach dem unsere Schule benannt ist.

Die Geschichte unserer Kirchengemeinde reicht so bis in das Mittelalter zurück. Im Jahre 1250 wird die Pfarrei Lingen erstmals erwähnt, als sie unter dem Schutz des Landesherren von Tecklenburg stand. Schon da gab es vermutlich mehrere Kirchengebäude, eines in direkter Nähe zu unserem heutigen Schulstandort am Alten Friedhof, ein weiteres mitten auf dem heutigen Marktplatz, nach der heiligen Walburga benannt. Ein drittes Gebäude in Form vielleicht auch einer Kapelle soll sich am Standort der Burg in der Nähe des Pulverturmes befunden haben, geweiht dem heiligen Andreas.

In der Zeit der Reformation wechselten die Herrscher Lingens recht schnell und häufig und - wie es damals so Brauch war - die Herrscher bestimmten auch die Religionszugehörigkeit ihrer Untertanen. Zuerst wurde ca. 1540 unter der Herrschaft des protestantischen Grafen Konrad von Tecklenburg die Marktkirche abgerissen, weil man die Festungsanlagen der Stadt ausbaute. Für dieses Kirchengebäude gab es als Ersatz eine Minikirche in der heutigen Kirchstraße, die dann - je nachdem, wer gerade Lingen beherrschte - langsam ausgebaut wurde. 

1674 wurde die Ausübung katholischer Gottesdienste in der Grafschaft Lingen verboten, zumal schon vorher die Kirche an die reformierte Gemeinde abgegeben worden war. Die Katholiken gingen daraufhin sonntags nach Darme, (heute ein Lingener Stadtteil, früher Ausland!) um dort in der Notkirche auf dem Möddel-Hof Gottesdienst zu feiern. Das Gebäude existiert auch heute noch.

Erst als Lingen unter preußischer Herrschaft stand, gab es die Erlaubnis zur Errichtung einer Behelfskirche und der Glaubensausübung. Erst mit dem Bau der heutigen Kirche in den Jahren 1833 - 1836 wurde die Behelfskirche nicht mehr benötigt. In den Jahren von 1904 bis 1906 wurde der Turm mit einer Höhe von 64 Metern errichtet, im Jahre 1907 entstand der Chorraum.

Das Kirchengebäude war damals das größte in der gesamten Grafschaft Lingen, musste es doch auch nicht nur für das Stadtgebiet, sondern auch für das Lingener Umland reichen. Später entstanden daraus eigenständige Gemeinden, so wie 1924 Biene, 1953 Laxten, 1955 Maria-Königin, 1963 Lingen-Brögbern. 1969 entstand im Gemeindegebiet in Reuschberge die Kirche St. Michael, die ursprünglich für die Militärseelsorge in der benachbarten Kaserne gebaut wurde.

An dieser Stelle folgt jetzt ein Artikel, den ich anlässlich des Kivelingsfestes 1987 für die Kivelingszeitschrift erstellte und der in seiner Aussage auch heute noch aktuell und richtig ist.

 

Reiner Stroink, Lingen

Die katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius Lingen

Im Jahre 1986 feierte die Pfarrgemeinde St. Bonifatius ein Jubiläum besonderer Art: sie beging die 150-Jahrfeier der Konsekration ihrer Pfarrkirche. Gemessen an der über sechshundertjährigen Geschichte der Kivelinge und der fast zweitausendjährigen Geschichte des Christentums ein bescheidener Zeitraum. Dennoch ist es durchaus lohnend, über dieses Ereignis zu berichten. Die Geschichte unserer Stadt Lingen zeigt uns nämlich, dass es katholische Christen nicht erst seit 150 Jahren gibt, sondern bereits vor den Zeiten der Kivelinge, als diese noch tatkräftig unsere Heimat gegen äußere Feinde verteidigten. Blicken wir also zunächst zurück. Vermutlich seit 750 bis 800 n. Chr., der Zeit Karls des Großen also, wurde das Emsland christianisiert. 1250 wird Lingen eine Pfarre; als Kirche diente eine Muttergotteskapelle an der Stelle, wo sich heute der Alte Friedhof befindet. Diese lag zu jener Zeit außerhalb der Stadtmauern. Gleichzeitig stand wahrscheinlich auf dem Marktplatz in der Nähe der Burg, von dem heute - durch die Kivelinge wieder aufgebaut - nur der Pulverturm existiert, eine große und schöne Kirche. Außer dem Pfarrer wirkten an ihr mehrere Kapläne, die - den damaligen Gepflogenheiten entsprechend - von den jeweiligen weltlichen Herrschern ernannt wurden.

Politische Wirrnisse des 16. Jahrhunderts und der Folgezeiten gingen auch an Lingen nicht spurlos vorüber. Die weltlichen Herrscher wechselten in kurzer Reihenfolge. Dabei machten sich ebenfalls die Auswirkungen der Reformation bemerkbar, als deren Folge Herrscherhäuser für ihre Untertanen den jeweiligen Glauben bestimmten. Kirchliche Güter und Besitztümer wurden in solchen Fällen enteignet, katholische, lutherische oder reformierte Geistliche je nach der Glaubensrichtung des im Augenblick bestimmenden Herrschers vertrieben, neue Priester eingesetzt und ihnen die vorher beschlagnahmten Güter und Kirchen zur Verwaltung übergeben.

Ende 1717, unter der Herrschaft des Königreiches Preußen, wurde den Katholiken der Stadt Lingen auf mehrmaliges Bitten hin die freie Religionsausübung erlaubt. Zunächst fand der Gottesdienst in Ermangelung einer Kirche in Privathäusern statt. Dann entstand an der Stelle, wo heute Kolpinghaus und Pfarrzentrum St. Bonifatius stehen, eine Kirche, die vom Äußeren her allerdings mehr Ähnlichkeit mit einer Scheune aufwies. Schon bald bemühten sich die Katholiken Lingens um eine neue, würdige Kirche. Erst 1827 nahmen die Planungen konkrete Formen an. Größtes Problem dabei war die Finanzierung dieses Bauvorhabens, das nach verschiedenen Schätzungen etwa 30.000 Taler kosten würde.

7 Jahre später, am 28. April 1834, war die feierliche Grundsteinlegung. Nach nur 2jähriger Bauzeit, am 5. Juli 1836, weihte Weihbischof Anton Lübke aus Osnabrück die Bonifatiuskirche. Von diesem Tage an konnte die Gemeinde ihren Gottesdienst zum Lobe und zur Ehre Gottes in einem würdigen Gotteshause begehen. Damit war endlich erreicht, dass nach den Wirren der Reformation und den häufig wechselnden Herrschaftsverhältnissen in der Stadt Lingen, auch die katholischen Christen wieder eine eigene Kirche besaßen. Die Schwierigkeiten, die bis dahin zu überwinden waren und die gewaltigen finanziellen Opfer, die dafür erbracht wurden, kann man aus heutiger Sicht wohl kaum ermessen. Wer besonderes Interesse an diesem Teil der Geschichte der Kirche St. Bonifatius hat, den möchte ich an dieser Stelle auf den Aufsatz von  Walter Tenfelde hinweisen: "Sie bauten dem Herrn ein Haus", veröffentlicht in "St. Bonifatius Lingen (Ems), zur Geschichte der katholischen Kirchengemeinde", Lingen 1986.

Was macht nun die Gemeinde St. Bonifatius aus? Rein äußerlich in erster Linie das Kirchengebäude, das wie früher der inner noch weithin sichtbare Mittelpunkt der Gemeinde ist. Dazu trägt der 64 m hohe Turm bei, der im romanischen Stil im Jahre 1904 erbaut wurde und 5 Glocken beherbergt, die weithin über die Stadt schallen, um die Gläubigen zum Gottesdienst zu rufen. Das allein allerdings kann es nicht sein, das Wesen einer Gemeinde. Was dann? Entscheidend sind die Menschen, die an ihrer Gemeinde Anteil haben und durch ihr Mittun, ihr Mitfeiern und Mitmachen die Kirche Gottes lebendig werden lassen. Leider muss an dieser Stelle gesagt werden, dass viele Gläubige - aus welchen Gründen auch immer - nicht mehr den rechten Zugang zum Glauben haben wie einst unsere Vorfahren. Das zeigt sich in den in jedem Jahr erneut ermittelten Zahlen der Gottesdienstbesucher an den Sonntagen. Wenn zwar im statistischen Durchschnitt etwa 55 Prozent (das liegt über dem Durchschnitt des Bistums Osnabrück) sonntags in unserer Kirche die Liturgie mitfeiern, so sind es etwa 40 Prozent weniger als noch vor 30 Jahren. Ich würde mir wünschen, wenn sich diese Entwicklung stoppen ließe und der Gottesdienstbesuch nicht als eine lästige Pflicht, sondern als die Möglichkeit des Erfahrens der Gemeinschaft der Gläubigen mit ihrem Herrn und Gott verstanden würde. Trotz dieser mehr kritischen Gedanken ist das Leben in der St. Bonifatiusgemeinde überaus lebendig. So sind u.a. zu erwähnen die Jugendgruppen, die das neben der Kirche stehende Pfarrzentrum alltäglich mit Leben füllen. Regelmäßig treffen sich unsere Senioren, zwar reich an Jahren, aber jung im Herzen, nachmittags zu ihren gemeinsamen Veranstaltungen verschiedenster Art. Die Frauengemeinschaft verdient deshalb erwähnt zu werden, weil sie nicht nur die Geselligkeit pflegt, sondern darüber hinaus den Erlös, der durch den Verkauf ihrer Handarbeiten auf dem alljährlich stattfindenden Basar erzielt wird, der Arbeit von Kardinal Lorscheider in Brasilien zur Verfügung stellt. Dazu gehört ebenfalls die seit zwei Jahren stattfindende Kinderkleiderbörse. Hier wird nicht für die eigene Tasche oder zur persönlichen Bereicherung gewirtschaftet, sondern unentgeltlich und dennoch unermüdlich für die gute Sache. Besonders wichtig scheint mir auch zu sein, dass eine Gemeinde lernt, über den eigenen Kirchturm hinauszublicken und aktiv zu werden. Ein Beitrag in diese Richtung ist u.a. die Arbeit der Caritas, des Sozialdienstes katholischer Frauen, des Sozialdienstes katholischer Männer, die Sozialstation und die Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche. All die genannten Einrichtungen sind weder an die Konfession noch an die Zugehörigkeit zur Bonifatius-Gemeinde gebunden, sondern stehen jedem Hilfesuchenden und Hilfsbedürftigen der Stadt Lingen offen. In diesem Zusammenhang darf auch getrost das St. Bonifatius-Hospital genannt werden, das durch die Bemühungen von Dechant Diepenbrock ins Leben gerufen wurde. Bis auf den heutigen Tag ist der jeweilige Pfarrer von St. Bonifatius der Vorsitzende des Kuratoriums des Krankenhauses.

Im folgenden möchte ich den Blick ein wenig von der Gemeinde weg auf die Gesamtheit der Weltkirche lenken. Jeder von uns weiß um die Probleme der 3. Welt, um Hunger und Elend, Armut und Verfolgung aus politischen und auch religiösen Motiven. Als engagierte Christen können wir uns vor dieser Verantwortung und Aufgabe nicht drücken, sondern müssen Stellung beziehen. Gemeint ist in erster Linie nicht lautstarker Protest in Form verbaler Äußerungen, sondern das Gebet, und zur Linderung der äußeren Not finanzielle Hilfe. An dieser Stelle sei ein Wort des Dankes an alle Mitglieder unsere Gemeinde gerichtet, die in den vergangenen Jahren immerhin gut 1,2 Millionen Mark spendeten. Möge ihr Bewusstsein für die Not anderer, für das soziale Engagement auch in Zukunft immer wach bleiben.

Wer diesen Artikel nun gelesen hat, wird sich wahrscheinlich fragen: Ist das schon alles? Mehr gibt es über die Gemeinde St. Bonifatius nicht zu berichten? Sicher ist das nicht alles. Aber wer hier einen umfassenden Bericht oder gar eine Leistungsbilanz erwartet hat, den muss ich leider enttäuschen. Mit diesem Text habe ich versucht, ausgehend vom 150jährigen Jubiläum unserer Gemeinde, in Stichpunkten und Blitzlichtern gleichsam ein neues Bewusstsein für die Kirche zu schaffen. Ich würde mich freuen, wenn jeder Leser sich mal wieder mit der Kirche und dem Glauben beschäftigte. Als Abschluss möchte ich an jeden die Empfehlung aussprechen: Ein Besuch in der Kirche lohnt immer, nicht nur zur Besichtigung, sondern besonders zum Gebet.

 

 

 

Kirchenansicht St. Bonifatius im Jahre 1836

 

 

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