Interview mit Herrn Reinhard Krebs

1. Vorsitzender der Wilhelm-Raabe-Gesellschaft Holzminden

 

Die Vorstufe Technik des FGs interviewt im Rahmen des Projektes

"Literaturatlas" zu Wilhelm Raabe einen engagierten Bürger in Holzminden.

 

 

Seit wann gibt es die Wilhelm-Raabe-Gesellschaft ?

"Die Wilhelm-Raabe-Gesellschaft Braunschweig gibt es seit 1910,

sie wurde unmittelbar nach W. Raabes Tod gegründet.

In Holzminden gibt es die Wilhelm-Raabe-Gesellschaft seit 1978. Hier riefen

M. Göhmann und ich die Wilhelm-Raabe-Ortsvereinigung ins Leben."

 

Welche Ziele hat die Wilhelm-Raabe-Gesellschaft?

Wir müssen unterscheiden zwischen den Standorten Braunschweig und Holzminden.

In Braunschweig geht es darum "Das Werk Wilhelm Raabes lebendig zu halten."

"Es werden Jahrbücher herausgebracht, darin befinden sich wissenschaftliche Veröffentlichungen

von Professoren der Germanistik aus aller Welt, in den letzten Jahren besonders aus Japan,

England und Amerika, sie schreiben Artikel, die hier zu finden sind.

Die Wilhelm-Raabe-Gesellschaft Braunschweig ist die Muttergesellschaft, sie hält alles zusammen.

Menschen, die sich langzeitig mit Wilhelm Raabe beschäftigen, werden unterstützt, außerdem

werden Raabe-Preise verliehen. Im letzen Jahr wurden Preise verliehen im Wert von 50.000 DM."

 

"Die W.R. Gesellschaft in Holzminden verfolgt andere Ziele, z.B. die Erhaltung der verschiedenen

Schauplätze wie Eschershausen (das Geburtshaus Raabes), Boffzen, Fürstenberg, Corvey,

Höxter,... u.s.w. Wir wollen ein Forum sein. Es wird in der Gesellschaft über die Werke Raabes

gesprochen und diskutiert, aber auch über die Werke anderer Autoren, die zeitgleich mit Raabe

gelebt haben. Sie werden gelesen und besprochen, natürlich immer angelehnt an Raabes Werke.

In dieser Gesprächsrunde tauschen wir Meinungen und Empfindungen ausgetauscht, um Raabe

ein Stückchen näher zu kommen."

 

Wie viele Mitglieder sind in der Wilhelm-Raabe-Gesellschaft?

"Momentan sind wir 45 eingetragene Mitglieder. Davon ist regelmäßig die Hälfte aktiv und beschäftigt

sich mit Wilhelm Raabe."

 

Kann jeder der W. R. Gesellschaft beitreten?

"Wir sind ganz offen. Jeder kann der Wilhelm-Raabe-Gesellschaft beitreten.

Der Jahresbeitrag beträgt 60,- DM. Man muss nicht gleich Mietglied sein. Wenn jemand Interesse hat,

kann er ein paar Mal teilnehmen und sich orientieren, ob er beitreten möchte. Die meisten kommen

zweimal und überlegen dann. Die Treffen sind regelmäßig an jedem dritten Freitag im Monat."

 

Wie ist die Resonanz in Holzminden?

"Die Resonanz ist befriedigend! Würde es mehr Mitglieder geben, ständen auch mehr Gelder zur

Verfügung um weitere Exkursionen zu unternehmen. Wir erleben immer ein angenehmes Miteinander,

und der Aktivierungsgrad ist hoch. Fast immer trifft gut die Hälfte der Mitglieder zusammen.

Die W.R. Gesellschaft gehört mit zum Kulturbetrieb Holzminden, doch viele Leute wissen nicht,

dass es sie gibt. Der TAH schreibt des Öfteren kleine Berichte, so dass mittlerweile auch auf diesem

Weg schon so einige Mitglieder gewonnen werden konnten."

 

Was schätzen Sie an Wilhelm Raabe?

"Ein weites Spektrum der Literatur spiegelt sich in ihm wider. Er ist kein leichter Autor. Es macht den

Reiz aus, inwiefern man angeregt wird, er ist zeitkritisch. Er setzt sich mit Erscheinungen des

19. Jahrhunderts auseinander, er machte bestimmte Zeitkreisströmungen mit, z.B. die Industrialisierung,

wobei er auch seelische Tiefgänge durchmachte und das macht das Lesen schwer. Ich trau mich gar

nicht, heute noch im Unterricht vorzuschlagen, Raabe zu lesen , die Jugend empfindet es als zu langweilig,

weil keine Aktion da ist und es einfach zu schwer geschrieben ist. Raabe war der erste Schriftsteller im

19. Jahrhundert, der auf Umweltgeschichten hingewiesen hat, z.B. Pfisters Mühle, dem ersten Umweltschutzroman,

und man kann ihn heute noch gut lesen. Er bereitet intellektuelles Lesevergnügen. Man liest die Bücher nicht

einfach durch und hat alles vergessen, es bringt Gewinn, man ringt mit."

 

Welche Wirkung hatte Wilhelm-Raabe auf die Region Weserbergland/Solling ?

"Er hat sehr viele Bücher über diese Gegend geschrieben, z.B. die Novelle "Das Odfeld". Er ist in

Eschershausen geboren, wo man heute noch Gedenkstätten besichtigen kann. Er hat über die Gegend

geschrieben, in der er aufgewachsen ist. Touristen werden angezogen. Exkursionen von Universitäten

werden durchgeführt. Einige Straßen sind noch heute nach ihm benannt. Vieles erinnert sich an ihn."

 

Was kann uns Wilhelm-Raabe heute noch sagen?

Wenn man bestimmte Einstellungen nicht ändert, können diese zum Krieg führen. Viele Dinge müssen wir

mit anderen Augen sehen, so wie er es getan hat."

 

Lieber Herr Krebs, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

 

by Christine Timmermann