Zwei Rezensionen zu Driests Bericht "Die Verrohung des Franz Blum"

 

 

"Der Text, obwohl von der Sache her so bekannt, liest sich mit Spannung. Man spürt, hier schreibt ein Anfänger, aber keineswegs ein Dilettant.

Im Grunde ist der Text ein perfektes Filmszenarium. Wenigstens in den ersten sechs Kapiteln fällt der hohe Grad an Sachlichkeit auf und daß hier weder wehleidig gejammert noch anklägerisch dramatisiert wird.

Ob er wirklich verroht, möchte ich in Zweifel ziehen. Er wird cleverer, raffinierter, geschickter in der Ausnutzung sozialer Mechanismen. Bis hierher ist alles immerhin akzeptabel. Leider aber läßt es der Autor nicht dabei. Die Herrschaftsmechanismen des Zuchthauses werden plötzlich zur Parabel erhöht und verfeinert. Hier löst sich der an sich so präzise Report in sauren Kitsch auf - schade. Es wird nur noch denunziert, aber nichts mehr belegt."

Horst Krüger in: FAZ von 06.03.1974

 

 

 

"Die dokumentarische Methode im allgemeinen und im besonderen die Lebensberichte der Schützlinge von Martin Walser, Ursula Trautberg und Wolfgang Werner, haben Probleme sozialer Randgruppen wieder in die Literatur eingebracht.

Driests Schilderungen aus dem Knast sind größtenteils von erschreckender Glätte, er setzt den Gefangenen- Slang sowie die Beschreibungen von Gewalt und Brutalität mit Kalkül ein. Die formale Glätte, die Driest wie eine Folie über seiner Stoff spannt, raubt dem Leser weitgehend die Möglichkeit der Beteiligung. Dem Strafvollzug und seinen Opfern hat Driest damit keinen Gefallen getan."

Frankf. Rundschau vom 27.07.1974