Das Leben des Burkhard Driest

                             

Am 28. April 1939, als Sohn eines Diplom-Volkswirtes und einer Klavierpädagogin in Stettin geboren. 1945 flieht die Mutter mit ihm und den zwei Jahre jüngeren Schwestern nach Prenzlau, von dort holt sie der Vater nach Peine.

1950: Scheidung der Ehe, die Kinder bleiben bei der Mutter. Driest leidet stark unter der Trennung; er empfand es oft als Makel, keinen Vater zu haben. 

 

 

1950: Umzug nach Göttingen. 1950-1957: Felix-Klein-Gymnasium. Nach anfänglichen guten Erfolgen, erhebliche Disziplinarschwierigkeiten. Die Mutter ist mit der Erziehung überfordert, die Eltern vereinbarten deshalb, den Sohn für den Rest seiner Schulzeit zum strengeren Vater nach Peine zu geben, der inzwischen wieder geheiratet hatte.

1957-1958: Ratsgymnasium in Peine, wo er wegen mehrfachem ernsten Verstoß gegen "Zucht und Ordnung" verwiesen wurde.

1960 Abitur in Braunschweig als Drittbester.

 

"Ich lehne alle autoritären Methoden strikt ab. Es gab keine Perspektive für mein Leben. Einziges Ziel der Menschen damals war es, Geld zu verdienen und eine Position zu erringen. Das kotzte mich an."

(Ouick, 24.07.1980)

 

 

Berufsziele waren Schauspieler, Soziologe, Psychologe oder Journalist.

Auf Wunsch des Vaters studiert er Jura in Kiel, Westberlin und dann in Göttingen, weil der Vater ihn in seiner Nähe haben wollte. Driest beugte sich dem Druck der finanziellen Abhängigkeit und leidet unter der Autorität des Vaters.

 

 

Bekannte beschrieben ihn als flotten Student und Lebemann, der viele Mädchenbekanntschaften hatte und viel trank. Er galt als leichtsinnig und großzügig, als Prahler, der gern im Mittelpunkt stehen wollte.

(Anklageschrift des B. Driest)

 

 

Sein großzügiger Lebenswandel kostet viel Geld-Driest häuft Schulden an. Driest  schwimmt, spielt Fussball, boxt und fährt gern Auto. Während seiner Studienzeit schrieb er Gedichte und den Entwurf zu einem Buch.

Was ich gemacht habe, war, mich zu inszenieren, auch der Bankraub gehört dazu, ich bin da ja schließlich nicht als Bewußtloser hineingetaumelt. Ich habe viele Geschichten inszeniert, bin immer reingefallen." Burkhard Driest

Interview in: petra Nr.12 1983

 

Seit 1959 laufen mehrere Straf- bzw. Ermittlungsverfahren, u.a. wegen Trunkenheit am Steuer, Körperverletzung, Hausfriedensbruch, Betrugs und Diebstahls.

petra: "Dieses Brutal-Image hat Ihrer Karriere eher geholfen?"

B.D.: "Es war absolut hilfreich, was da das öffentliche Interesse an mir betraf."

Interview in: petra Nr.12 1983

 

11.Mai 1965, drei Wochen vor seinem mündlichen Examen: Bewaffneter Raubüberfall auf die Stadtsparkasse Burgdorf bei Hannover, Beute: 5.670 DM. Festnahme am 18.Mai. Driest leidet nach eigenen Angaben zur Tatzeit unter Zwangsvorstellungen, die aus einer angeblichen Preludin-Sucht resultieren. Das Gericht ist anderer Ansicht.

Die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Göttingen verurteilt ihn am 1.Juli 1966 zu fünf Jahren Zuchthaus.

Der Überfall auf die Stadtsparkasse Minden, Hauptzweigstelle Dransfeld, am 29.Januar 1965, mit der Driest ebenfalls in Verbindung gebracht wurde, konnte ihm nicht nachgewiesen werden.

 

30.08. - 07.10.1965: Aufenthalt im Anstaltskrankenhaus der Strafanstalt Lingen, wo er Fluchtpläne schmiedet. Bis 09.06.1966 U-Haft im Landgerichts- gefängnis Göttingen, danach in der Strafanstalt Celle.  

Transportschein

Beurteilungsbogen

 

 

Auf Grund seiner Bildung, vor allem mit dem Wissen aus seinem Jura-Studium war er in dieser Zeit ein Exot in der Anstalt. Den Durchschnitt der Gefangenen behandelte er mit Herablassung. Einige der heute in der JVA Celle einsitzenden Gefangenen können sich noch recht gut an Driest erinnern, halten sich aber mit Kommentaren zurück. Der Verhaltenskodex verbietet es, schlecht über Mitgefangene zu reden. Driest kannte seine Rechte als Strafgefangener und schöpfte diese mit einer Flut von Anträgen und wohlformulierten und begründeten Schreiben an die Anstaltsleitung aus.

 

"Driest wurde eindringlichst über die Verhaltensvorschriften belehrt und ermahnt, sich nicht als 'Star' zu fühlen, keine Schreiben für Mitgefangene zu fertigen. Ihm wurde gesagt, dass er sich zurückhalten und nicht ein 'heimlicher Anwalt' in der Anstalt werden soll, auch wenn man ihm dafür alle möglichen Angebote machen sollte."

(Gefangenen-Akte B. Driest)

 

Brief an den Anstaltsleiter

 

 

1968: Vorzeitige Entlassung nach drei Jahren, vier Monaten wegen guter Führung. Die Fortsetzung seiner akademischen Laufbahn war ihm wegen seiner Vorstrafen verwehrt. Zeitungsredaktionen lehnten ihn aus dem gleichen Grund ab.

Driest verdingte sich in Hamburg als Hafenarbeiter und in London zwei Monate als Kellner und Taxifahrer.

 

 

1974: Zwei Ereignisse machten Driest über Nacht prominent.

Die Veröffentlichung seines ersten Buches "Die Verrohung des Franz Blum", indem er die Erfahrungen seiner Haft beschreibt. Driest schreibt es, als er 1972 nach einem Autounfall vier Wochen in einem Baseler Krankenhaus verbringen muß. Die Medien werden aufmerksam.

Der Talkshow-Auftritt (Je schöner der Abend...) zusammen mit Romy Schneider, die, ihre Hand auf sein Knie gelegt, bekennt: "Sie gefallen mir. Sie gefallen mir sehr." Fortan spekuliert die Nation über das Verhältnis zwischen der "schönen Sissy und dem Brutalo."

 

 

Noch vor Erscheinen wird das Buch fürs Fernsehen verfilmt (Regie Reinhard Hauff), mit Jürgen Prochnow in der Hauptrolle und B. Driest als Schläger Kuul.

 

 

 

 

 

Die Verbindung zum Film ist hergestellt. Driest schreibt in den folgenden Jahren eine Reihe von Drehbüchern und bleibt auch als Schauspieler aktiv, so in R.W. Fassbinders letztem Film "Querelle" (1982), wo er einen Polizisten spielt.

 

"Einen Bullen zu spielen, stand schon lange auf meiner Wareteliste. Ich wurde vorher ausschließlich als Verbrecher besetzt, was auch gut so ist."

(Interview)

 

 

1979/80: Driest wird von seiner Kollegin Monika Lundi in den USA wegen Vergewaltigung angezeigt. Beide nahmen in Santa Monica an einem Schauspielkurs der renommierten Schule von Lee Strasberg teil. Der Prozess endete mit einem Freispruch und einer Geldstrafe wegen Körperverletzung. Trotz des Freispruchs wird er das Image des Vergewaltigers lange nicht los.

Legendär und berühmt-berüchtigt ist Driests Auseinandersetzung mit Alice Schwarzer und ihrer Zeitschrift "Emma", die seine Karriere begleiten.

 

1982: Übersiedlung nach Hollywood. Driest versteht es immer wieder, sich mit mehr oder weniger spektakülären Projekten ins Gespräch zu bringen.

1984 verfilmt er sein eigenes Drehbuch über den Fall Bachmeier. Interessanter als der Film selbst ist der Wettstreit um den Premierentermin mit dem Regiesseur Hark Bohm, der zeitgleich denselben Stoff fürs Kino bearbeitet. Driests Film ("Annas Mutter") kommt bei der Kritik schlecht weg, Marianne Bachmeier selbst will wegen seiner Klischeehaftigkeit gegen ihn kämpft.

 

Marianne Bachmeier zitiert "Emma" und nannte Driest 

"den dampfenden Hirsch".

 

1987 wendet sich Driest dem Musical zu.Mit Peter Zadek (Regie) schreibt er den Text zu "Andi" das im Deutschen Schauspielhaus uraufgeführt wird.

Ebenfalls in dieser Zeit fällt seine Phase als Maler. Seine Bilder, meist Acryl auf Leinwand, werden im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg gezeigt.

 

Der Spiegel bezeichnet Driest als ein 

"Hätschelkind der literarischen Linken".

Spiegel Nr.46 vom 14.11.1983

 

1991: Rückkehr nach Europa.

1995 sorgt sein Auftritt zusammen mit dem Pornostar Dolly Buster in der Private-Life-Show in einer Bearbeitung für die ARD für einen kleinen Skandal. Dennoch wird Driest 1996 für diese Rolle in Monte Carlo als bester Filmschauspieler mit der Silbernen Nymphe ausgezeichnet.

 

       

 

 

1997: Im gleichen Jahr wird das Stück "Judit" am Hessischen Staatstheater Wiesbaden uraufgeführt.

1999 wird das Fernsehspiel "Schande" mit dem Prix Italia ausgezeichnet. Einen ersten Kontakt mit dem Thema "Kindesmißbrauch" hatte Driest während seiner Haftzeit. Ein Zellengenosse war wegen dieses Deliktes verurteilt worden.

 

Driest schreibt meistens im Liegen: "Dabei spreche ich den Text auf Band, ich kann druckreif reden. Aber mich darf dabei nichts ablenken."

Berliner Illustrierte Zeitung v. 25.04.1999

 

Driests jüngstes Projekt ist das Musical "FALCO meets AMADEUS", zudem er das Libretto schrieb und das im September 2000 mit Erfolg im Theater des Westens in Berlin uraufgeführt wurde. "Seit ich 18 bin, seit ich 'Der Wendekreis des Krebses' von Henry Miller gelesen habe, träume ich von dem EINEN Buch, das ich schreiben möchte. Wenn ich den Mut aufbringe, es zu erzählen, muß ich mich zwei bis drei Jahre zurückziehen. In ein schönes Haus mit Pool und großem Garten."  Burkhard Driest

 

In seinen kreativen Pausen gibt er Kurse in der Drehbuchklasse an der Berliner Deutschen Film- und Fernsehakademie.

Driest war dreimal verheiratet und lebt seit 1997  in Dublin. Seine Kinder, Sohn Julian (13) und Tochter Johanna (11), leben bei ihrer Mutter in Hamburg und verbringen einige Monate im Jahr bei ihrem Vater.

 

petra: "Ein Zusammenleben mit Ihnen ginge folglich nur mit absoluter Anpassung an Ihre Bedürfnisse?"

B.D.: Ich glaube, es geht gar nicht"

Interview in: petra Nr.12 1983