KNAST

Damals - Heute

 

In den 36 Jahren, die seit Burkhard Driests Inhaftierung vergangen sind, hat sich im deutschen Strafvollzug vieles geändert, einiges ist noch so wie damals.

Der Knast heißt nicht mehr Zuchthaus, sondern Justizvollzugsanstalt (JVA), und auch in anderen Bereichen gibt es Fortschritte: Die Arbeit und der Verdienst, das Freizeitangebot und die hygienischen Bedingungen. Recht und Pflichten der Gefangenen sind im Strafvollzugsgesetz von 1976 geregelt. Aber es gibt immer noch die ungeschriebenen Gesetze der Knastwelt, auf der einen wie auf der anderen Seite der Gitterstäbe.

 

Wir wollen einen kurzen Überblick über die wichtigsten Lebensbereiche einer Justizvollzugsanstalt geben und dabei die Unterschiede zwischen der Driest-Zeit (1965) und heute aufzeigen.

Dazu muß allerdings gesagt werden, dass es auch heute noch ganz erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Vollzugsanstalten gibt, die bestimmt werden von der Haftart (z.B. Untersuchungshaft oder Langstrafenvollzug) und von den politischen Vorgaben (Nord-Süd-Gefälle).

 

1.Arbeit

 

Die Arbeiten zu der seiner Zeit die Gefangenen angehalten waren, haben sich bis heute kaum geändert. Immer noch herrschen Pensum-Arbeiten (Akkord-Arbeiten) vor.

Immer noch ist der Gefangene zur Arbeit laut Strafvollzugsgesetz verpflichtet (§ 41 StVollzG)

Außenlager Lührsbockel um 1960

 

Unternehmerbetrieb der JVA Celle um 2000

 

2. Anwalt

 

Zur damaligen Zeit musste der Gefangene jeden Anwaltskontakt vorher beantragen und genehmigen lassen.

Mittlerweile ist es so, dass der Anwalt frei gewählt werden kann und auch eine tägliche Korrespondenz möglich ist. Ebenso kann jederzeit mit dem Anwalt telefonisch und unkontrolliert gesprochen werden.

 

3. Besuch/Außenkontakte

 

Die Besuche zu Zuchthauszeiten, die monatlich 30 Minuten betrugen, wären mit dem heutigen Verständnis von Resozialisierung nicht mehr zu vereinbaren.

Somit sieht es heute hier so aus, dass die Besuchszeiten relativ großzügig gehandhabt werden, obwohl das Gesetz immer noch eine Stunde im Monat vorsieht.

 

4. Frauen

 

Was zu Driests Zeiten nahezu unmöglich war, ist zwischenzeitlich Realität geworden. Weibliche Bedienstete sieht man immer öfter in den Vollzugsanstalten, wie auch bei der Polizei und beim Bund. Der Einsatz der weiblichen Bediensteten wird von vielen Gefangenen als kritisch, von anderen auch als angenehm empfunden. Fest steht, dass sich manch ein Gefangener mehr "Platzhirschverhalten" zulegt und manch anderer sich eher zurückzieht und sich belästigt fühlt.

 

5. Zelleneinrichtung

 

Die Zelleneinrichtung der 60er Jahre war sehr kärglich. Das gesamte Inventar setzte sich zusammen aus einem kleinen Wandhängeschrank, einem kleinen Tisch, einem Bettgestell und einem Hocker. Die Waschgelegenheiten beschränkten sich auf eine Kanne Wasser und eine Schüssel. Die Notdurft wurde auf einem sogenannten "Kübel" verrichtet, der dann am nächsten Morgen von einem dafür abgestellten Gefangenen geleert wurde.

Heute dagegen ist fließendes Wasser, sowie eine Spültoilette der Standard. Man hat die Möglichkeit ein Fernsehgerät zu besitzen, sowie auch ein Rundfunkgerät. Teilweise sind Kaffeemaschinen bzw. Tauchsieder, Wasserkocher erlaubt. Rundum soll es wohl dahingehen, dass der heutige Gefangene auf seinem Haftraum völlig autark ist, auch nachdem die Türe zur Nacht verschlossen ist. Dies dann aber in der Hauptsache aus ökonomischen und personellen Gründen.

Haftraum der JVA Celle um 1965

Haftraum der JVA Celle 1998

 

6. Intimsphäre

 Sexualität (Hengstgeflüster)

Die sogenannte Intimsphäre war in Strafanstalten noch nie vorhanden. Es steht immer die Sicherheit im Vordergrund. Eine eigene Intimsphäre gibt es praktisch nicht. Jederzeit ist man gläsern. Es ist immer bekannt, mit welchen Dingen man sich umgibt und auch was man besitzt. Es existiert auch kein Brief- und Postgeheimnis, denn Briefe werden ausschließlich aus sicherheitsrelevanten Gründen zensiert.

 

7. Freizeitangebot/Privatkleidung

 

Das Freizeitangebot ist gegenüber damaligen Zeiten breit gefächert. Sport jeglicher Art wird angeboten: Von Fußball, Volleyball, Tisch-Tennis, Fitneßtraining, Joggen, bishin zum Kraftsport und Darten. Der heute noch fungierende, von Driest gegründete Verein, ASVC 68 eV., bietet diese Sportarten an.

Weiterhin gibt es verschiedene Gesprächsgruppen, sowie Holz- und Tonarbeiten für Gefangene mit künstlerischer Neigung. Zu Driests Zeiten gab es weder Freizeit- noch Sportbekleidung. Es ist heute zur Normalität geworden, dass man Freizeit- sowie Sportbekleidung besitzt.

Sportplatz der JVA Celle

Keramik-Werkstatt der JVA Celle

 

8.Die Sprache

 

In dem Buch " Die Verrohung des Franz Blum " verwendet Burkhard Driest einige knastspezifische Ausdrücke, die zu jener Zeit authentisch waren. Wegen der veränderten Sozialstruktur (steigender Ausländeranteil), der verstärkten schulischen Bildungsmaßnahmen sowie wegen der veränderten Freizeitgewohnheiten (zunehmende Vereinzelung durch ständigen Medienkonsum) wird dieser Knastjargon heute immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Nur die älteren, hafterfahrenen Gefangenen gebrauchen diese Wendungen gelegentlich.

 

Beispiele aus "Die Verrohung des Franz Blum":

Bambule Aufstand, Meuterei
Bunker   Arrestraum, jemanden in den Arrestraum schließen
Lollibruder Säufer, Penner
Klappe werfen Notklingel im Haftraum betätigen

                                                :                                       

Weitere gebräuchliche Bezeichnungen:

Acht Handfessel
Bello Toilette
Blankmachen Ausziehen
Blubber Eintopf/Suppe
Bombe Glas Kaffee
Fischbox Radio in der Wand/Gegensprechanlage
Kifi kurz für: Kinderficker
Koffer Päckchen Tabak
Sittich Sittenstraftäter