Symposium an der Uni für deutschen Afrikaforscher

 

Ein Bericht von Erich Heinemann

„ Friedrich Konrad Hornemann hat die Pforte zu Inner-Afrika erschlossen; denn mit ihm beginnt das neue Wissen vom mittleren Teile des Sudans.“

    Oskar Peschel; Geograph

 

Afrikaforscher war kein Beruf , den man von der Pike auf erlernte. Friedrich Konrad Hornemann kam vor 200 Jahren auf Umwegen dazu. Er hatte Theologie studiert und wollte nach der Familientradition evangelischer Geistlicher werden. Aber es drängte ihn nicht nach der Kanzel in St. Andreas, auf der viele Jahre sein Vater gestanden hatte. Sein Inneres zog ihn vielmehr nach Afrika, dem noch weithin unerforschten Erdteil. Endlich in Kairo angelangt, mußte er sein Ungestüm noch zügeln. Erst verzögerte der Ausbruch der Pest, dann die Landung Napoleons mit seinem Eypeditionheer den Aufbruch. Und so verging fast ein Jahr des Wartens. „Wir verließen den 5ten September 1798 Kardaffi, ein Dorf in der Nähe von Kairo, welches man zum Sammelplatz der Kaufleute von Augila bestimmt hatte und vereinigten uns nach ungefähr einer Stunde mit der Karawane, die jährlich von Mekka über Kairo und Fessan, in die westlichen Länder Afrikas zurückkehrt...“. So beginnt das 1802 in Weimar erschienene    „ Tagebuch einer Reise von Kairo nach Mursuk...“ ( Heute als Reprint neu erschienen im Georg Olms Verlag, Hildesheim.)

Mursuk war eine Stadt von 4000 Einwohnern, in der libyschen Wüste gelegen, an der Karawanenstraße nach dem Tschad. Das Tagebuch umfaßt mithin nur einen Teil seiner großen Reise, die weiter nach Tripolis, wieder nach Mursuk

und dann, vorbei an den Gestaden  des Tschadsees, nach Kuka, Katsena und Sokoto führen sollte, an der Niger. Dort lag das Hauptziel seiner Reise, das jenes aus dem Altertum überkommene Rätzel lösen sollte, ob Niger und Nil in der Mitte Afrikas zusammenfließen.

Am Niger ereilte Hornemann das Schicksal der meisten Forscher. Im Frühjahr 1801 soll er dort, wo fünf Jahre später auch Mungo Park umkam, am Fieber gestorben sein. Nach Ewald Banse, dem bekannten Geographen, beruht Hornemanns Leistung zur Hauptsache „in der Entschleierung eines gewaltigen Stücks Nordafrika, das vorher nie ein Weißer gesehen hatte. Die Schilderung der Wegstrecke von Kairo bis Mursuk wird in diesem Sinne stets denkwürdig bleiben...

(Er gab) die erste Vorstellung vom Innern der Sahara, und durch die Bestimmung der geographischen Breite von Mursuk brachte er einen festen Punkt in die unendliche Weite des nordafrikanischen Raumes.“ Auch sei er der Erste gewesen, der Siwah als die Oase des Jupiter Ammon erkannt hätte. „Man muß Hornemanns zu frühen Tod als einen bedeutenden Verlust nicht nur für die Afrikaforscung, sondern auch für das geographische Schrifttum überhaupt auffassen.“ Im Heer der Karawane begleitete ihn ein Deutscher, der zum Islam übertreten und auch äußerlich ein Muselmane geworden war. Hornemann sah auch ein das auch er nicht als Christreisen durfte. Er nannte sich jetzt Musa ben Jussuf, kleidete sich nach der Landessitteund rit auf dem Kamel wie ein echter

Sohn Allahs. Dennoch verriet er sich, als er den Tempel des Jupiter Ammon in der Oase Siwah so auffällig durchsuchte.

Dieser Leichtsinn hätte ihn und seinen Begleiter fast das Leben gekostet. Dreihundert schwer bewaffnete Einwohner Siwahs waren der Karawane nachgeeilt und verlangten drohend die Herausgabe der „Ungläubigen“, die sie für französische Spione hielten. Als sein Begleiter verzagte, trat Hornemann berherzt in den Kreis der heulenden Derwische- und seiner diplomatischen Beredsamkeit, seinem mutigen Auftreten gelang es tatsächlich, das drohende Unheil abzuwenden. Er hat diese Szene in seinem Tagebuch lebendig beschrieben- so spannend fast wie bei Karl May. In Mursuk angekommen, erkrankten die beiden Deutschen. Nur Hornemann kam durch. Er reiste zunächst nordwärts nach Tripolis, wo er sein Tagebuch fertigstellte und nach London sandte. Wieder zurück in Mursuk, schloß er sich einer Karawane an, die nach Bornu zog. Die Briefe vom 6.April 1800, geschrieben am Vorabend der Abreise an die Afrikanische Gesellschaft und an seine Mutter in Hildesheim , waren sein letztes Lebenszeichen. Erst 1819 trafen in London Nachrichten über sein weiteres Schicksal ein. Wenn er noch den Tschadsee erreicht hat, von dem er in seinem Tagebuch als ZAD erste Kunde übermittelt, wird sich ihm bereits dort das „Geheimnis zwischen Niger und Nil“ entschleiert  haben, und vollends wird er beim Erreichen des Nigers, wo er sein Grab fand, erkannt haben, daß dieser Fluß schließlich doch in eine andere Richtung floß, es mithin keine Vereinigung mit den Nil gab. Indessen sind keine Aufzeichnungen aus seiner Hand, diesen letzten Teil der Reise betreffend, gerettet. Abergläubische Eingeborene sollen alles verbrannt haben, was der weiße Mann besessen hatte. Sein Los war es, Schrittmacher zu sein und Wege zu gehen, bevor andere sie gingen- Reisende wie Barth, Vogel, Nachtigal, die 50, 60 Jahre nach ihm kamen und an seiner Stelle Ruhm und Ehre ernteten. In den Annalen der Wissenschaft jedoch steht sein Name als derjenige, der die Pforte zu Innerafrika erschlossen hat. Hildesheim gedenkt seines bedeutenden Sohnes zum erstemal in der Form eines wissenschaftlichen Symposiums, zu dem auch die Bevölkerung der Stadt eingeladen ist. Über Hornemann gibt es inzwischen einer breite Literatur. In allen einschlägigen Nachschlage- und geographischen Werken ist über ihn zu lesen. Selbst in die Romanliteratur ist er eingegangen, und er steht auch im Internet. Eine Straße erinnert an ihn. Und zur Expo2000 wird Hildesheim mit einem „Hornemann-Institut“ antreten. Könnte nicht bis dahin am Gemeindehaus ST. Andreas eine Tafel angebracht werden. Mit dem schlichten Hinweis, daß an dieser Stelle das Geburtshaus des Afrikaforschers Friedrich Konrad Hornemann gestanden hat.

 

Friedrich Hornemann

Tagebuch seiner Reise nach Mursuk Weimar 1802. Reprint Hildesheim 1997. 342 Seiten mit Karten und Kupfern. Leinen mit Schutzumschlag. Einleitung ( 42 Seiten ) von Erich Heinemann. GEORG OLMS VERLAG, HILDESHEIM.