Interview

Nach der Autorenlesung am 22.März 2000 haben wir Herrn Hänel viele Fragen gestellt.
Eine ganze Stunde lang hat er eine nach der anderen bereitwillig und ausführlich beantwortet. Bei der Wiedergabe mussten wir etwas kürzen und straffen. Wir hoffen, dass die Zusammenfassung den Kern seiner Aussagen richtig wiedergibt.
Grün gedruckte Fragen stammen vom Interview-Team der Klasse 521 (Tiemo, Christian, Joaquin, Martin und Jan);
orange gedruckte Fragen stammen von Schülerinnen und Schülern der Klasse 623.
Zwischenrufe oder Äußerungen aus dem Plenum sind rot geschrieben.
 
Tiemo fragt:
Wolfram Hänel antwortet:
Wie alt sind Sie? 43
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Schriftsteller zu
 werden?
Tiemo hat mit dem Interview-Team die Fragen zusammengestellt.
Für diesen Beruf gibt es keine direkte Ausbildung. Fast alle
Schriftsteller hatten vorher einen ganz anderen Beruf. Man  lernt eine Menge, wenn man selbst gern liest. 
Ich habe mit dem Schreiben begonnen, als ich am Theater als  Fotograf gearbeitet habe und ein neues"Weihnachtsmärchen"  schreiben wollte. Das hat mir solchen Spaß gemacht, dass ich danach ein Kinderbuch geschrieben habe, nämlich "Willi Wolle", 
es handelt von einem Hund, der allein am Meer lebt.Seitdem schreibe ich Kinderbücher. Wenn mir jemand vor 20 Jahren gesagt hätte, dass ich mal Kinderbücher schreibe, hätte ich das nicht geglaubt!
Was ist Ihrer Meinung nach Ihr bestes Buch, das Sie bisher geschrieben haben?
Foto von Tiemo, aufgenommen am 22.März
Das ist ganz schwierig zu beantworten, weil ich ganz verschiedene Arten von Büchern schreibe. 
Bei den Romanen ist es mit Sicherheit der "Geheimpirat Herr Holtermann", den ich unheimlich gerne mag; dann mag ich auch meinen ersten Krimi "Die Sache mit den Weihnachtsmännern". 
Eine Menge von mir selbst steckt auch in dem Roman "Giftiges Gold oder Großvaters Esel", die irische Insel, von der dort die Rede ist, kenne ich gut, dort leben unsere Freunde. 
Bei den Erzählungen ist mein Lieblingsbuch meine Version von "Romeo liebt Julia" und spielt bei mir unter Hunden und Katzen.
Und bei den Bilderbüchern liebe ich besonders: "Wie der Zauberlehrling die Pommes Frites erfand".

 

Arbeiten Sie gerade an einem neuen Buch? Ja, ich schreibe gerade an der Fortsetzung zu den "Weihnachtsmännern", eigentlich müsste ich das Buch Ende März beim Verlag abliefern, aber ich werde es wohl nicht ganz schaffen, obwohl ich in letzter Zeit keine Lesung außer dieser hier bei euch gehalten habe. Dieses neue Buch, an dem ich jeden Tag schreibe, wird heißen: "Der Tag, an dem der Lehrer verschwand".
Zwischenruf: "Cool!"
 
Wovon handelt das denn? So was sage ich vorweg ja nie - na, ein bisschen merkst du es ja am Titel!
Das ist 'ne Landheimfahrt und morgens zum Frühstück erscheint der Lehrer nicht mehr, aber mehr sage ich nicht...
Ja, o.k.
Die Sechstklässler fragen:

In Ihrem Buch "Giftiges Gold" vorn haben Sie etwas unterstrichen: Krankenbahre?

Ja, da ist mir der alte Fehler unterlaufen, den auch die Leute vom Verlag übersehen haben. Es müsste heißen: Krankentrage. Bahre nennt man es nur, wenn Tote transportiert werden.
Machen Sie auch die Deckblätter selber, also die Titelseiten der Bücher? Nein, die Illustrationen - richtig - werden von Leuten gemacht, die diesen Beruf meistens an einer Kunsthochschule gelernt haben. Meistens besprechen die Leute vom Verlag mit mir, welche Illustratorin oder Illustrator zu meinem Text passend die besten Bilder zeichnen könnte. Inzwischen kenne ich aber schon viele von den Künstlern, so dass ich sie selbst fragen kann.
Christian fragt:

Was muss man können, um Schriftsteller zu werden ?

                                               Christian 
 (am Ende der Veranstaltung)
Versuchen wir mal, alles Wichtige zusammenzutragen: Schreiben muss man können, die Sprache, in der ich schreibe, muss ich natürlich beherrschen. Wenn ich allerdings mal einen Fehler mache, dann gibt es im Verlag noch die 'Lektoren' (hat nichts mit Lecken zu tun), die 'Leser', die vorher mit mir besprechen, ob mein Text auch ins Programm des Verlages passt. Diese Leute machen mich dann auch darauf aufmerksam, wenn ich mal einen Spannungsbogen verloren habe oder ob es am Anfang zu langweilig ist oder so...
Ich muss also die Rechtschreibung beherrschen und was viel wichtiger ist, ich muss Spaß daran haben, Geschichten zu erzählen. Ich muss aber auch Freude daran haben, wenn andere Geschichten erzählen!
Sehe ich oder höre ich etwas Interessantes, das kann hier in Hannover oder anderswo sein, dann schreibe ich mir das auch manchmal gleich auf, wenn mir dazu etwas einfällt.
Man muss sich sehr, sehr viel merken, um eine Idee mit vielen Kleinigkeiten zu einem spannenden Roman auszubauen. 
Der Schritt vom mündlichen Erzählen zum Aufschreiben ist ja noch mal ganz gewaltig - das wisst ihr selbst sicher auch genau. Sätze oder Wörter, die mir doch nicht so gefallen, müssen oft geändert werden, bis alles richtig 'passt'. Eine Erzählung kann ich wohl in zwei, drei Tagen fertig haben, aber ich brauche dann mindestens noch zwei, drei Wochen, bis mir jedes Wort und jeder Satz gefallen.
Dann braucht man einen Verlag; schließlich lebt der Schriftsteller davon, dass jemand im Buchladen ein Buch von ihm kauft. Der Verlag sorgt dafür, dass wirklich in ganz Deutschland in den Buchläden Bücher von ihm zu haben sind.
Bei Ihrem Buch "Die Sache mit den Weihnachtsmännern", haben Sie sich da die IGS Roderbruch, also das Gebäude, vorgestellt?
Später zeigen wir noch ein schöneres Foto von der Roderbruch-Schule!
Klar! Eines der schlimmsten Schulgebäude, das ich kenne!
Ich verstehe wirklich nicht, wie man so etwas als Schule bauen konnte...
Wie fanden Sie damals Ihre Lehrer und die Schulen dazu? Oh, jetzt geht's aber sehr weit...
Erst bin ich in der Rehmer-Feld-Schule gewesen, das ist in Buchholz draußen, ist jetzt 'ne Orientierungsstufe und war damals 'ne Grundschule.Da hat's mir ganz gut gefallen und da fand ich auch die Lehrer insgesamt ganz nett. Dann bin ich zur Leibnizschule gegangen und habe keinen Spaß gehabt, ich muss das einfach mal so sagen, dass manche Schüler dort bei einigen Lehrern schrecklich gelitten haben. Fächer, die ich geliebt habe, waren Deutsch, Englisch und Kunst. Und wegen Mathe und Latein habe ich zwei Jahre wiederholen müssen.
Haben Sie denn nicht gewusst, dass auf der Leibnizschule mehr Wert auf Mathe, Bio und so gelegt wird als auf Sprachen? Warum sind Sie nicht auf die Ricarda-Huch-Schule gegangen? Ach, das war damals so, dass es reine Mädchen- und Jungen-Gymnasien gab und die Schule, die für mich in Frage kam, war eben die Leibnizschule.
Haben Sie Geschwister? Nein!   -  Die Frage ist schnell beantwortet.
Lebt man gut als Schriftsteller? (Herr Hänel lacht laut auf.) Die Frage heben wir bis ganz zum Schluss auf, ja?
Haben Sie Vorbilder unter anderen Schriftstellern? Jaaa, Vorbilder habe ich schon, wenn es auch nicht so ist, das ich mir einen Menschen mit allen seinen Eigenheiten zum Vorbild nehmen würde. Erich Kästner ist zum Beispiel vorbildlich für mich wegen seiner politischen Haltung. Er ist nämlich jemand, der immer gegen Krieg und Gewalt gewesen ist; das finde ich vorbildlich. Dabei würde ich aber nie versuchen, so zu schreiben wie Kästner, das ist wieder was ganz anderes.
Vom Schreibstil her sind für mich  zwei englische Schriftsteller sehr wichtig: Bruce Chatwin und Dylan Thomas, deren Art zu schreiben ich gut fand. Sonst habe ich eigentlich keine direkten "Vorbilder".
Mögen Sie den Namen "Charlotte" gerne? Ist euch aufgefallen, dass der häufiger auftaucht? Ja! So...
Bei den "Weihnachtsmännern", ja, und wo noch? Bei Anna Nass! Ja, richtig, oh, da muss ich direkt aufpassen... Also, meine Tochter heißt mit dem zweiten Namen Charlotte und ich mag ihn, weil er ja ein richtig hannoverscher Name ist. Es gibt ja viele berühmte Charlotten in Hannover. 
Personen in meinen Stücken, die ich mag oder weniger mag, haben bei mir übrigens oft auch entsprechende Vornamen von Leuten, die ich kenne...
Wie lange leben Sie in Hannover? Seit 1959. Also eigentlich bin ich ein Hannoveraner inzwischen!
Joaquin fragt:
Wie lange dauert es, ein Buch zu schreiben?
Jetzt sitzt Joaquin mit vorn und fragt.
Für eine Erzählung brauche ich im Ganzen etwa einen Monat, für einen Roman wie das "Giftige Gold" mindestens drei bis vier Monate.
Eine Erzählung kann ich nach einigen Tagen Unterbrechung, z.B. durch eine Lesereise, problemlos weiterschreiben. Das gelingt mir bei einem Roman aber nicht; da muss ich möglichst jeden Tag "dranbleiben".
Wie finden Sie Interviews? In Schulen, so wie hier, finde ich das meistens ganz toll, wenn sich auch die Fragen manchmal wiederholen. Aber es sind immer mal wieder ganz neue Fragen dabei.
Wenn man aber manche Fragen in Zeitungsinterviews beantworten soll, da findet man oft bei Fünftklässlern sinnvollere Fragen. Schade, dass die Kollegen von der HAZ heute nicht da sind.
Haben Sie Lieblingsbücher? Ja, von Bruce Chatwin:"Auf dem schwarzen Berg". Für euer Alter gibt es einen norwegischen Schriftsteller, der jetzt in Hamburg lebt, Ingvar Ambjörnsen. Der hat eine Art Krimiserie geschrieben: "Peter und der Prof", das sind zehn Bände inzwischen und  richtig tolle Bücher.
Reisen Sie viel herum, um Eindrücke zu sammeln? Gar nicht mal, man muss nicht bis ans Ende der Welt fahren, aber man sieht und erlebt natürlich immer wieder etwas. Wir fahren gern nach Schweden, Dänemark und Norwegen, weil wir da Freunde haben und gern sind und ich bin sehr oft in Irland. Ich rede gern mit Leuten und weil ich Englisch studiert habe, kann ich mich dort recht gut verständigen. Inzwischen kann ich auch ganz gut dänisch sprechen und mich in dieser Sprache auch gut mit Norwegern unterhalten. In Irland kenne ich die Insel aus "Giftiges Gold" sehr gut, aber ich bin zum Beispiel noch nie mit dem Flugzeug nach Australien oder Thailand geflogen.
Martin fragt:
In welchem Alter haben Sie Ihr erstes Buch geschrieben?
Martin in der Lesepause
Martin 
(mit dem 'Giftigen Gold' unterm Arm)
Mit 29 oder 30 Jahren, rausgekommen ist es dann, als ich 31 war.
Haben Sie einen zweiten Vornamen? Ja, Helmut!!
Fühlen Sie sich wohl in Hannover? 
     Nicht wie Charlotte?
Ja! Ich habe ja in Berlin studiert, damals habe ich gesagt: Ich möchte nie woanders hingehen, ich möchte wieder nach Hannover zurück. Ich fand immer, dass Hannover alles hat, was eine Großstadt ausmacht und gleichzeitig ist es  eine relativ stille Großstadt, nicht so riesig groß wie Berlin oder Frankfurt. Ich habe den Wald in der Stadt, das finde ich alles gut. In letzter Zeit allerdings geht mir hier manches quer, die Expo, die Üstra, die Zeitung ärgern mich...Manchmal denke ich, dass ich auch woanders leben und arbeiten könnte.
Verraten Sie uns eine Ihrer besten Eigenschaften? Ich glaube, das hat mich noch nie jemand gefragt!
Ich unterhalte mich gern mit Leuten, die etwas ganz anderes machen als ich; über die etwas rauszukriegen, Kontakt aufzunehmen, das finde ich eine ganz schöne Eigenschaft.
Was finden Sie an Irland so toll?
Klasse 623
Diese interessierte Klasse hat sich beim Lesen einiger
Kapitel aus "Giftiges Gold" vorbereitet (Deutschlehrerin ist Frau Hartke).
Ihr wisst alle, wo es liegt? Links von England! Es sind eigentlich mehr die Leute, die ich dort so toll finde. Die besten Freunde, die wir haben, sind Iren. Besonders die Leute, die an der Südwestküste leben, haben eine sehr große Freundlichkeit, eine sehr, sehr große Offenheit. Sie sind sehr tolerant, lassen andere gelten, auch wenn sie ganz anders sind. Auch andere empfinden es so, dass in dieser Gegend jeder so genommen wird, wie er ist. Man sagt zum Beispiel nicht: Der passt nicht zu uns. - Das gefällt mir.
Bei welchen Verlagen erscheinen Ihre Bücher? Für die verschiedenen Arten habe ich verschiedene Verlage. Die Erzählungen sind fast alle beim Nord-Süd-Verlag erschienen, ich schreibe manchmal etwas für Arena; die Romane sind bisher alle erschienen bei Aare/Sauerländer. 
Ich fange jetzt an beim Verlag Gerstenberg, da sind auch schon die "Weihnachtsmänner" erschienen. "Giftiges Gold" ist im Anrich Verlag herausgekommen, der gehört zu Beltz und Gelberg, ihr kennt vielleicht die orange-farbenen Umschläge. Dort kommt auch im Herbst jetzt das nächste Buch, auch eine irische Geschichte, heraus.
Wenn ein Lektor aber sagt, dass ich irgendetwas an einem
Buch ändern soll, dann tue ich das, wenn ich finde, dass er Recht hat, oder ich ändere nichts, muss mir aber dann einen anderen Verlag suchen. Da es 20 bis 30 Verlage gibt, habe ich bisher immer einen Verlag für meine Bücher gefunden.
Können Sie gälisch? Neulich habe ich mit meiner Tochter zusammen so 50 Wörter
aufgeschrieben, ich kann aber keinen Satz. Die wenigen gälischen Sätze in "Giftiges Gold" haben mir unsere irischen Freunde aufgeschrieben. So was wie Strand und Abfall
(komischerweise) weiß ich aber.
Jan fragt:
Was ist Ihr größter Fehler?
Jan stellt jetzt die Fragen.
Oh--- Das weiß ich nicht, da müsstest du wohl lieber meine Tochter oder meine Frau fragen. 
Ich habe lange gedacht, das sei mein größter Fehler, dass ich Leuten zu deutlich gezeigt habe, dass ich sie nicht mag. Auf irgendwelchen Partys zum Beispiel sieht man mir bestimmt manchmal an, dass ich nicht sehr interessiert bin, inzwischen finde ich das gar nicht mehr schlimm, ich komme damit ganz gut klar.
Haben Sie ein Lieblingstier? Jaaa, wenn Tiere, dann Hunde, bei Hunden dann Boarder-Collies, kleine Lassies mit eher kurzen Nasen und schwarz-weiß gefleckt. Jeder irische Bauer hat einen dieser intelligenten Boarder-Collies und wir haben einen seit vier Jahren, diese Hunde haben sehr ausgeprägte Ideen, auch um Mist zu machen...
Wenn Sie nicht Schriftsteller wären, was würde dann Ihr
Traumberuf sein?
Theaterdirektor! Ich würde gern mein eigenes Theater haben mit Leuten, mit denen ich gut zusammenarbeiten kann; ich bräuchte dazu natürlich genügend Geld vom Staat oder vom Land Niedersachsen, damit ich all die tollen Theaterleute zusammenholen könnte, um mit ihnen prima Stücke aufzuführen.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich
wünschen?

Zum Anhören:  Eine wav-Datei...
Das sind ja Fragen, die ihr mir stellt! 
Was würde ich mir wünschen?---
Dass Hannover am Meer liegen würde! (Lautes Lachen) 
Ich würde gern jeden Tag für eine halbe Stunde am Meer
entlanglaufen, gucken, was so angespült worden ist - das wär so ein Wunsch...
Haben Sie auch ein Buch über Ihre Tochter geschrieben? Nein, aber in ganz vielen Büchern kommen Situationen vor, die ich mit meiner Tochter erlebt habe oder die etwas mit ihr zu tun haben oder die ich von meiner Tochter erzählt
bekommen habe.
Mögen Sie Fußball? Nein, mag ich überhaupt nicht. Ich interessiere mich dafür so wenig, dass ich eigentlich gar keine Lust habe, darüber zu
schreiben.
Welche Sportarten mögen Sie denn? Ich fahre sehr gerne Kanu und  laufe gerne Ski. Ich schwimme gern, aber lieber im Meer oder im See, als im Schwimmbad.
In den Alpen fahre ich nicht so gerne Ski, weil ich es zu teuer
finde und weil dort zu viel Betrieb ist.
Aber in Norwegen bin ich mal vier Stunden lang auf einen Berg gestiegen, weil der Lift nicht in Betrieb war. Dann bin ich nur einmal runtergefahren und fand das ganz toll, so ganz allein! 
Tiemo fragt:
Was wäre für Sie das größte Unglück?
Wenn meiner Familie etwas zustoßen würde oder wenn es Krieg gäbe. Schlimm wäre  auch, wenn es ein Unglück mit einem Atomkraftwerk gäbe oder wenn eine andere Umweltkatastrophe sich ereignen würde.
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen? Oh,...Da muss ich erst mal passen...
Welchen Rat würden Sie uns zum Schluss mitgeben? Versucht, viel zu hören, zu sehen und zu erleben und euch möglichst viel zu merken.Euer Kopf ist viel größer als ihr denkt! Manche kriegen nur die Hälfte von allem mit, auch Kleinigkeiten sind wichtig. 
Und mischt euch ein!! Wenn andere ungerecht behandelt werden, steht ihnen bei. 
Wenn ihr euch einmischt, dann äußert euch gegen manche A...löcher, die andere klein machen, aber nicht gerade gegen diejenigen, die es sowieso schon schwer genug haben.
Das Interview-Team aus 521 hat zunächst keine Fragen mehr...
Ich fand eure Fragen ganz toll - ihr habt ja gemerkt, dass ich manchmal ganz schön nachdenken musste!
Klasse 623 will noch vieles wissen:
Rauchen Sie? Ja!
Trinken Sie? Ja, aber wirklich ganz, ganz wenig
Sind Sie in einer Stadt oder auf dem Dorf aufgewachsen? Hier in Hannover, allerdings in Buchholz, das damals fast noch ein Dorf war. Also- ich bin jeden Morgen durchs Kornfeld zur Schule gelaufen.
Waren Sie reich oder eher so mittelmäßig? Eher so mittelmäßig.
Jetzt versuche ich die zurückgestellte  Frage zu beantworten:
Wie lebt man so als Schriftsteller...?
Wie lebt man so als Schriftsteller?
    Ja, mit "Kohle" und so...?
  Wie lebt man so als Schriftsteller?
(Verdienst, Arbeitsbedingungen...)
 
(Lacht) Ja, wir haben keine Kohle!
Zwischenrufe: Ja, Sie wissen schon: Geld,"Kies",Schotter"...
Bevor wir das besprechen-was meint ihr, wo arbeite ich?
Zu Hause!
Aus welchem Grund?
Weniger Stress!
Das ist ein Vorteil davon, aber nicht der Grund dafür.
Als Schriftsteller kann man nicht im Büro arbeiten.
Ich könnte mir ja eins mieten. Das müsste ich aber selbst bezahlen, denn kein Schriftsteller ist bei einem Verlag angestellt, sie sind alle selbständig!
Ihr wisst ja von vorhin, dass ich meine Bücher in ganz verschiedenen Verlagen herausbringe. Wenn ein Verlag mich fest angestellt hätte, würde er also riskieren, dass ich auch für fremde Verlage schreibe.
Wir Schriftsteller schreiben also zu Hause, selbständig, und suchen dann einen Verlag für das Buch.
Das hat Vorteile, aber auch einen ganz großen Nachteil, welchen wohl? --- Ich muss arbeiten; ich kriege aber nicht jeden Monat mein Geld, und es geht sogar noch weiter, ich weiß nie, wieviel Geld ich überhaupt kriege.
Ich kriege mein Geld einmal im Jahr, die Verlage rechnen aus, was im letzten Jahr von meinen Büchern verkauft worden ist, erst, wenn jemand mein Buch kauft, verdiene ich etwas daran.
Den Batzen Geld, den ich also am Anfang des Jahres bekomme, muss ich auf 12 Monate verteilen. 
Aber ich weiß nie, wieviel Geld da Anfang des Jahres bei mir ankommt.
Weil niemand weiß, wieviel Bücher verkauft werden.
Genau! In einem Jahr, in dem viele Leute meine Bücher gekauft haben, geht's mir gut. Haben aber wenige ein Buch von mir gekauft, dann geht's mir schlecht. Das sind die Nachteile!
Was sind die riesengroßen Vorteile, wenn man nirgends fest angestellt ist?
Man kann nicht entlassen werden!
Gut!
Man hat keine festen Arbeitszeiten.
Das heißt: Ich habe auch keinen Chef! Keiner schreibt mir vor, wie lange ich am Tag an meinem Schreibtisch zu sitzen habe!
Das finde ich ganz toll.
Ich kann selbst entscheiden, wann ich arbeite, ich kann das in meiner Alltagskluft tun und ich kann auch mal einen Tag frei nehmen, wenn das Wetter schön ist, dafür schreibe ich am Wochenende oder nachts - ich kann's entscheiden.
Umgekehrt kann ich natürlich nicht ewig Ferien machen; ich weiß ganz genau, wenn ich zu wenig arbeite, verdiene ich zu wenig. Manchmal, wenn ich gerade gar keine Lust habe, hätte ich ganz gern jemanden, der mir sagen würde: So, jetzt musst du aber wieder was tun!
Aber ich finde es gut, dass ich selbst entscheiden kann. Im Urlaub schreibe ich zum Beispiel auch, obwohl man da ja eigentlich sich ausruhen soll, aber mein Beruf macht mir eben auch meistens Spaß, so dass ich gern auch was tue, wenn wir gerade nichts unternehmen.
Zwei Fragen noch!  (Die Zeit ist schon um.) Soll ich noch beantworten, wieviel Geld bei so einem Buch rauskommt? 
Na klar!
So ein Buch hier kostet 12 DM im Laden.(Er zeigt eines der Kinderbücher hoch.) Davon kriegen vier Leute etwas; wer sind die vier?
Der Verlag!  Richtig, Nr. 1
Sie!  Ja, der Autor ist Nr. 2
Die Buchhandlung, das Geschäft!  Genau, Nr. 3
Der Illustrator, der die Bilder gemalt hat. Ja, der ist Nr. 4.
Und nun schätzt mal, was ich als Autor an diesem Buch schließlich verdiene?    ---
Es sind  4%, also bei diesem Buch hier 48 Pfennige!!
Bei einem Roman bekomme ich 8 Prozent des Buchpreises.
Die Verträge sind bei fast allen Verlagen ähnlich. Wenn also nicht so viele Bücher verkauft werden, kann ich nicht davon leben.
Mögen Sie Büchereien? Ach, du meinst, weil man da die Bücher umsonst lesen kann?
Ja, erstens kaufen die Bibliotheken ja auch die Bücher. Ich finde das  ganz wichtig und richtig, dass auch Leute mit wenig Geld fast alle Bücher dort entleihen können. Das hat was mit Gerechtigkeit zu tun.
Außerdem bekommt man dort Lust zum Lesen und kauft sich vielleicht später auch Bücher, wenn man selbst Geld verdient.
Ich gehe ja auch  öfter in die Bücherei, wenn ich mir Informationen für meine Schreibart holen muss.
Sind Sie Alleinverdiener? Nein, meine Frau hat auch einen Beruf. Und manche Bücher, zum Beispiel Reisebeschreibungen über Irland, haben wir zusammen geschrieben, so dass sie daran mit verdient. Wir sind keine Großverdiener, aber es reicht für unser  Leben zu dritt aus.
Finden Sie, dass das Geld sehr wichtig ist? Nein, man kann sehr gut leben, auch wenn man sich nicht immer die neuesten Kleidungsstücke, Möbel oder Autos kauft.
Ich habe manchmal den Eindruck, dass gerade die, die sehr viel Geld verdienen, nie zur Ruhe kommen, weil sie wieder Stress haben beim Geldausgeben.oder weil sie nie genug bekommen können.

              Wenn ihr keine Fragen mehr habt, möchte ich zum Schluss noch ein kleines Gedicht vorlesen:
                                                                     Kurt im Zoo


Dieses lustige Gedicht können wir leider nicht wiedergeben, denn unser Kassettenrecorder nahm die letzten Minuten nicht mehr auf.
Einige aus unserer Klasse 521 waren sehr interessiert an dem "Torsten-Gedicht", das wir am Anfang der Lesung gehört hatten. Das wollten sie am liebsten auswendig lernen!
Nur den Text haben wir noch nicht, aber bald gibt's ja das Buch...
 

Herr Hänel erfüllt Autogrammwünsche...
Zeig mal...
Autogrammstunde...
Tiemo liest...
Herzlichen Dank an Herrn Hänel für zwei interessante Stunden. Sie vergingen so schnell, dass wir sogar die große Pause ignoriert haben !!! Zum Schluss gab es noch Autogramme in mitgebrachte Hänel-Bücher oder auf Autogramm-Karten.

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