Das fiel uns auf beim Lesen:


Wolfram Hänel lässt im Weihnachtsmänner-Krimi die 11-jährige Charlotte erzählen.
Er/sie  benutzen häufig die "Jugendsprache":

 Ich bin echt sauer...
 Voll cool wirklich...
 Mann...
 Hey, was soll das, spinnst du?
 Mann, du kapierst es echt nicht...
 Okay...
 Ich glaube es einfach nicht...
 Alles klar...
Diese "lockere" Sprache hat uns Spaß gemacht und hat vielen das Lesen oder Zuhören erleichtert; allerdings können die herrlichen "Sprüche" schnell wieder "out" sein, ob das dann die Leser noch als "ihre" Sprache annehmen?


 Paul spricht meistens im Dialekt (sächsisch-thüringisch?):

          „ Baul", sagt der Irre und nimmt seine Sonnenbrille ab.
             Dann streckt er dem Bröger die Hand entgegen: „ Baul aus
             NauendorfbeiGrosenschdeinbeiAldenburch. In Diringen."      (Seite 37)

Als Sebastian ihn deshalb hänselt, setzt Paul sich durch, und zwar in perfektem Deutsch:

"Ich will mal was klarstellen hier. Also da, wo ich herkomme, da sprechen sie alle so wie ich. Und das versteht jeder, kapiert?"       (Seite 38)
Das macht Mut. Also: Nicht gleich kneifen, wenn jemand lästert...
Joaquin / S. Röhrbein

Charlottes Zimmer früh am Morgen

Jules hat gezeichnet, wie Charlotte jeden Morgen von ihrer Mutter geweckt wird:
..."und dann fängt sie an zu singen! Eine Mathematiklehrerin, die singt. Aber das Schlimmste ist noch nicht mal, wie sie singt, sondern WAS sie singt: "Aufstehn, aufstehn, zur Schule gehn, ein neuer Tag beginnt, für mein liebes Kind, aufstehn, aufstehn..."
 (Seite 29)
"So weckt mich meine Mutter auch immer!", hörte man bei uns gleich bei dieser Stelle.

Eine halbe Stunde später, Mutter muss zum Dienst, klingt es schon weniger lieblich:

..."Trödel nicht so lange rum. Und nimm nicht zu viel Nutella. Und mach keinen Quatsch auf dem Schulweg und quatsch im Unterricht nicht dauernd mit Sophie und prügel dich nicht schon wieder mit Sebastian."          (Seite 30)
Die genauen Schilderungen aus Charlottes Familie und Schule waren den Kindern teils vertraut, teils neu und spannend, so dass sie es schafften, sich über ein Vierteljahr hin mit dem Krimi zu beschäftigen, ohne das Buch selbst zu besitzen.
Die letzten 50 Seiten habe ich erst Ende April vorgelesen, nachdem die "Erzähle-Weiter-Geschichten" und die anderen Arbeiten fertig waren.

Über weite Strecken erzählt Charlotte im "inneren Monolog". Das erleichtert das Einfühlen in die Stimmungslage der Hauptperson.

"Als ich am nächsten Morgen wach werde, fühle ich mich zwar immer noch ziemlich mies, aber wenigstens scheine ich kein Fieber mehr zu haben. Und weil ich auch keins haben will, lasse ich das neue Fieberthermometer schön da liegen, wo es liegt (auf dem Stuhl neben dem Bett) und mache erst mal kurz Kopfstand. Um den Kreislauf ein bisschen auf Trab zu bringen. Na ja, zugegeben, das war vielleicht nicht gerade meine beste Idee. Mir ist jedenfalls schon nach fünf Sekunden so schwindlig, dass ich lieber wieder aufhöre und stattdessen den Zettel lese, den ich gerade auf dem Fußboden entdeckt habe. Wobei ich allerdings einen Moment warten muss, bis die leuchtenden Ringe und Punkte vor meinen Augen verschwunden sind. So, jetzt geht es. Jetzt kann ich den schwierigen Versuch unternehmen, die Krakelschrift von meinem Vater zu entziffern. (Ich glaube, er versucht immer noch den Stift so zu halten wie einen Trommelstock und so sieht eben auch seine Schrift aus!)..."
(Anfang des 8. Kapitels; Seite 92)
Die Schüler/innen erfahren, dass eine Erzählung auch ohne die Wiedergabe dramatischer Ereignisse sehr spannend sein kann.
 
Sonnhild Röhrbein, Klassen- und Deutschlehrerin