"Die Sache mit den Weihnachtsmännern"

von Wolfram Hänel

Weitererzählung  (ab S. 89)

Monika malte, wie  Charlotte und Paul die Mülltonnen durchsuchen.
...
Heiligabend rückt immer näher heran. Na ja, es ist ja schon fast Weihnachten. Mit der verschlüsselten Nachricht ist es immer spannender. Langsam glaube ich auch, dass die Mülltonne vom alten Herrn Stamke wirklich ein toter Briefkasten ist. Zumindest für Weihnachtsmänner.
Heute am 24. Dezember habe ich mich um 23 Uhr mit der Klapperschlange verabredet. Ich bin richtig aufgeregt, was passieren wird, aber bis 23 Uhr ist es noch lange hin. Schließlich bin ich gerade erst aufgestanden. Trotzdem ist es schon sehr spät (jedenfalls zum Aufstehen). Aber zum Glück haben die Ferien begonnen.
Als ich dann losgehe zum Brötchen holen, springt mich Snake wie ein Außerirdischer an. Snake fragt mich: „Kommst du nachher zur Bank?“ Ich antworte darauf: „Na klar komme ich, aber ...“. „Kein aber! Ich wollte nur wissen, ob du kommst.“ Und schon ist er wieder weg.
Als ich wiederkomme vom Brötchen holen, sehe ich, dass meine Eltern den Frühstückstisch decken. Sonst haben sie erst ihren Hintern bewegt, wenn ich wiederkam. Heute ist es aber komischerweise anders. Ich frage meine Eltern, was das zu bedeuten habe, dass sie mal den Tisch fast fertig gedeckt haben.
Meine Mama meint, dass ich eine Verabredung mit einem Jungen habe, und deswegen essen wir früher. Erst weiß ich nicht, wovon meine Mama spricht, aber dann fällt mir wieder Paul ein. Als ich dann frage: „Woher weißt du das, dass ich eine Verabredung mit einem Jungen habe?“ „Dieser Paul hat eben gerade angerufen und wollte wahrscheinlich noch einmal sicher gehen, ob du heute kommst.“ 
„Volltrottel,“ denke ich, „wieso gibt der Irre zusätzlich Telefonkosten aus? Soll ich ihn noch mal anrufen? Ich weiß es nicht. Jedenfalls könnte ich  ihm so meine Frage stellen, die er vorhin abgebrochen hat.“ Ich denke: "Wieso denn nicht, wenn er mich sprechen möchte, soll er das." Als ich dann anrufe, ist keiner zu Hause. Aber wenn ich weiß, was er wollte, dann ist ja alles geregelt.
 „Es ist schon Nachmittag, Mama, Papa, ich muss bald gehen“, rufe ich ganz außer Atem, als ich wiederkomme von meinem missglückten Telefonversuch. „Aber Charlotte, du hast doch noch 7 Stunden Zeit“, sagt meine Mama ganz verblüfft (wahrscheinlich denkt sie gerade an Snake und dass ich ihn liebe!)
„So ein Quatsch, ich glaube, ich konnte eben noch hören, was du gedacht hast!“, schreie ich meine Mutter an. Wütend gehe ich in mein Zimmer, knalle die Tür zu und denke: „Was fällt meiner Mutter ein, so etwas über mich zu denken."

Die Stunde vor Mitternacht kommt immer näher. Als ich wieder auf die Uhr gucke, ist es zehn vor zehn. Anscheinend muss ich eingeschlafen sein. Aber normal schläft man nicht ein am Heiligen Abend.
Der Gehaplatz, an dem die Bank steht, ist nicht weit von hier. Plötzlich fällt mir wieder ein, was ich Paul noch fragen wollte. Ich laufe hoch und renne beinahe meinen Vater um, ich setze mich auf den Stuhl, der in der Nähe vom Telephon steht und wähle Pauls Telephonnummer.
Diesmal ist einer zu Hause, ich frage: „Ist Paul zu sprechen?“ Die Mutter ist dran und antwortet: „Ja, aber er ist noch im Bett, um sich auszuruhen. Sag mal Charlotte, was wollt ihr eigentlich heute Abend machen? Paul hat mir bisher nur erzählt, dass ihr ausgehen wollt. Wohin - möchte ich dann noch wissen?“
„Wir wollen nur Richtung Bank“, stottere ich. „Was wollt ihr denn da veranstalten?“, quetscht die Mutter vom Irren mich aus. Widerwillig antworte ich: „ Diebe ertappen. Jetzt möchte ich aber Paul sprechen.“ Als der Außerirdische am Apparat ist, frage ich: „Wo wollen wir uns treffen? Bei mir oder bei dir?“ „Ich denke, dass wir jeder einzeln zur Bank gehen. Aber wenn du möchtest, dass ich dich abhole, bin ich auch damit einverstanden. Es kann sein, dass du alleine im Dunkeln Angst hast“, neckt mich Paul. „Ha, ha“, antworte ich .  „OK, dann holst du mich ab, bis gleich, tschau.“
Um kurz vor 11 klingelt Snake bei mir an der Haustür. Ich renne runter, dabei sag ich noch  "Auf Wiedersehen" zu meinen Eltern.
Als ich dann endlich unten bin, ist Paul verschwunden! Ich denke: „Bestimmt haben die Weihnachtsmänner ihn mit- genommen...“. Ich habe noch gar nicht zu Ende gedacht, da macht es plötzlich „Buh“!
Ich erschrecke mich fürchterlich. Ich habe gedacht, dass mich die Weihnachtsmänner auch noch holen. Dabei ist es nur Paul, der sich halb schlapp lacht. Aber ich finde, das lenkt ab,  ich erzähle dann mal weiter.
Auf dem Weg zum Gehaplatz passiert uns nichts. Es gibt weiterhin keine Störungen, bis wir endlich an der Bank ankommen. „Wir müssen uns schnell verstecken, da vorne sind die Weihnachtsmänner schon“, sagt Paul. „Ich nehme sie auch wahr“, sage ich. „Zum Glück steht eine Telephonzelle auf dem Platz“, sagt Paul erleichtert. Carlos' Bankräuber !
„Wir müssen einen Plan überlegen, wie wir unauffällig in die Zelle eindringen können“, stimme ich zu. „Ich weiß was“, schreit fast Paul „wir werden so tun, als ob wir einfach nur telephonieren wollen und stattdessen rufen wir die Polizei.“

Polizeiauto, gezeichnet mit 'paint' von Tiemo
„Eine gute Idee. Lass es uns gleich vollenden“, sage ich noch hinzu. Der Polizist, der am Apparat ist, ist richtig nett, jedenfalls will er gleich mit Kollegen kommen. In gerade mal 5 Minuten ist er da, wie versprochen. Die Diebe werden samt Kostümen gefangen und müssen 7 Jahre ins Gefängnis.
Am nächsten Tag sind wir (Paul und ich) richtig gefeiert worden und wir stehen überall in den Zeitungen.
Tiemo