„Die Sache mit den Weihnachtsmännern"   von Wolfram Hänel

Erzähle weiter!   (ab Seite 89)


...
Als ich in meinem Zimmer war, dachte ich an alles, was damit vielleicht zu tun hatte. Ich dachte an den Zettel in der Stamketonne und an die Weihnachtsmannkleidung, die ebenfalls in der Stamketonne war. Ach ja!

Lynn hat diesen Garagenhof gemalt.
Dann war da ja auch noch der Müllmann, den ich gleich am ersten Tag gesehen hatte; mir war er aber nicht aufgefallen, nur dem Irren. Ob der etwas mit dem Zettel und der Weihnachtsmännerkleidung zu tun hat?
Ach Quatsch, was denk ich denn da. Obwohl - vielleicht verkleiden sich die Diebe ja auch immer, damit sie nicht erkannt werden...
Ich geh’ morgen früh gleich zum Gehaplatz. Vielleicht sollte ich den Irren fragen, ob er mitkommt? Oder besser nicht - der macht sich dann nur lustig über mich, weil er denkt, ich hätte Angst. Na ja, ein wenig Angst hab’ ich ja schon...

Das war eine gute Nacht. Jetzt bin ich richtig ausgeruht.
Schnell zog ich mich an, frühstückte und ging zum Gehaplatz. Vor der Bank stand ein Weihnachtsmann. Doch er war nicht wie die anderen Weihnachtsmänner, die in der Stadt herumliefen und Geschenke verteilten, weil Weihnachten war!
Er beobachtete die ganze Zeit die Bank. Langsam kam es mir in den Kopf: Er musste ein Dieb sein und sein Freund war irgendwo. Und der Weihnachtsmann, der vor der Tür steht, ruft ihn dann an, wenn alles o.k. ist!
Mir lief ein Schauer über den Rücken. Ich dachte, alleine die Diebe festzuhalten, das schaff’ ich nicht. Also rannte ich, so schnell ich konnte, zu Snake und klingelte Sturm. Ich rief durch die Sprechanlage, dass er runterkommen und ein Seil mitbringen solle. Das tat er auch. Ich erklärte ihm die ganze Sache - natürlich beim Laufen.
Auf halbem Weg begegnete uns der alte Stamke. Er rief uns hinterher: „Wohin lauft ihr?"
Wir riefen beide gleichzeitig: „Gehaplatz!" und liefen weiter.
Als wir am Platz vor der Bank angelangt waren, war der Weihnachtsmann nicht mehr zu sehen.
Sicherlich waren beide Gangster in der Bank!
Snake holte das Seil aus seinem Rucksack, befestigte es an beiden Seiten des Eingangs und zog mich in einen Busch. Ich fragte ihn: „Was soll das?"
Doch das wäre gar nicht nötig gewesen, denn in dem Moment kamen zwei Weihnachtsmänner mit großen Säcken herausgerannt, stolperten über das Seil und fielen hin. Paul und ich kamen aus unserem Versteck, fesselten die Diebe - und da ertönte auch schon die Alarmanlage!Der alte Stamke, gemalt von Annika
Kurz danach kam der alte Stamke auf einem alten, rostigen Fahrrad angefahren und half uns, die Diebe festzuhalten. Nun kam zum Glück auch schon die Polizei.
Ich kann gar nicht sagen, wie sehr die uns gelobt haben, denn es waren zwei Schwerverbrecher, die man jetzt festnehmen konnte.
Und der Polizist, den wir damals mit unserer Geschichte so genervt hatten, hat uns sogar zum Eis eingeladen!

Franziska