Christian-Wilhelm-Schneider-Schule ESENS - Klasse 5 B

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Die Herrschaft Balthasars,

des letzten Häuptlings des Harlinger Landes

Balthasar gehört sicherlich zu den umstrittensten Gestalten der Geschichte Esens' und des Harlinger Landes. Aber auch ihn können wir nur verstehen aus seinem Bemühen, die Eigenständigkeit des Harlinger Landes zu erhalten. Unter seiner Herrschaft nehmen die Spannungen zu Ostfriesland, im Vergleich zu seinem Vater, noch zu. Kaum hatte er die Regierung angetreten, schon zog Graf Edzard vor Esens und belagerte es. Lange und hart war die Belagerung. Zuletzt mußte sich Balthasar zu einem Vergleich bequemen. Er mußte die gesamten Kriegskosten in Höhe von 4000 rheinischen Gulden bezahlen. Davon waren 3000 Gulden sofort zu bezahlen, die restlichen Tausend nach einem Jahr. Ferner mußte er sich zur Heeresnachfolge bei Edzard verpflichten auf Bündnisse mit auswärtigen Fürsten und auf die Seeräuberei verzichten. Das Strandrecht sollte neu geregelt werden. Die Feststellungsanlagen von Esens sollten geschliffen werden, die Gefangenen ausgetauscht und beschlagnahmte Güter freigegeben werden. Letztere Bestimmung bezog sich vor allem auf Gebiet im Jeverland, Rüstringen, Östringen und Wangerland. Am Palmsonntag 1525 unterschrieb und besiegelte Balthasar diese Artikel, worauf der Graf sein Lager vor Esens auflöste und angeworbene Söldner entließ. Nach Abzug der gräflichen Truppen dachte Balthasar nicht daran, den Bedingungen in allen Teilen nachzukommen. Er suchte sich vielmehr an Kauffahrteischiffen schadlos zu halten und machte so die Seefahrt wieder unsicher. Daher zog Edzard anfangs des folgenden Jahres erneut vor Esens und zwang ihn, seinen Versprechungen nachzukommen.

Ruhe und Frieden schienen wieder hergestellt zu sein. Nach dem Tode Edzards' (1528) überfiel Graf Enno, gegen denRat seiner Ratgeber, Wittmund, und eroberte es. Dieser Erfolg verleitete ihn, auch Esens anzugreifen. Beim Kloster Marienkamp schlug er sein Lager auf. Im Norden, bei Nordorf, errichtete er ein Blockhaus, um die Zufuhr für die belagerte Stadt von Norden her zu unterbinden. Dieses Werk war kaum zu Stande gebracht, als der rüstige und tapfere Junker des Nachts einen Ausfall wagte und das gräfliche Volk aus der Schanze schlug. Dabei eroberte er eine Fahne, die er am andern Morgen, den Belagerern zum Trotz, von der Spitze des Turmes wehen ließ. Die Eroberung der Stadt und der festen und stark besetzten Burg schien dem Grafen fast unmöglich. Darum vertraute er das Kommando über die Belagerungstruppen, die auf 3000 Mann geschätzt wurden, seinem Drosten von Berum, Jelke von Irhove an. Er selber ging nach Aurich, um von dort aus neue Soldaten anwerben zu lassen. Auch die Kriegskasse mußte aufgefüllt werden. Deshalb scheute er sich nicht, Kirchengüter zu beschlagnahmen und sie in klingende Münze zu verwandeln. Balthasar benutzte diese Zeit, um den Proviant in Esens und der Burg aufzufüllen.

Enno rückte bald wieder mit Verstärkung an und stürmte die Festung mehrere Male, jedoch ohne Erfolg. ,,Über 800 Mann blieben von gräflicher Seite". Es gelingt den Belagerern zwar Feuer in die Stadt zu werfen. ,,Dadurch ließ sich Balthasar nicht abschrecken. Seine tapfere Gegenwehr mit Geschütz, Spießen, siedendem Wasser und Balken, die er von den Wällen auf die stürmenden Belagerer rollen ließ, veranlaßten den Grafen, die Belagerung in eine Blockade zu verwandeln. Er legte deshalb noch ein Blockhaus zwischen Folfenhausen (Folstenhausen) und Thunum an, und schloß dadurch die Stadt von allen Seiten ein. Der Mundvorrath auf der Burg und in der Stadt entsprach nicht der Stärke der Besatzung und der Menge der Einwohner. Bald stellte sich der Mangel an Proviant ein. Was das Schwert nicht vermochte, richtete der Hunger aus. Junker Balthasar sah Menschen und Vieh dahin fallen, und sah sich gezwungen, die Schlüssel zur Burg und der Stadt am 28. September (1530) dem Grafen anzubiethen und sich auf Gnade und Ungnade zu ergeben". Enno zog mit seinem Bruder Johann im Triumph in die Stadt ein. Balthasar ging ihm entgegen und folgte ihm in die Kirche, wo er knieend Verzeihung erhielt. Welch eine Erniedrigung für den tapferen und stolzen Balthasar! Die Eingesessenen der Stadt mußten hierauf ihre Waffen abgeben, die Wälle wurden niedergerissen, und die Burg wurde mit gräflichen Truppen besetzt. Das schwere Geschütz ließ der Graf nach Aurich abführen........

aus: Siegfried Schunke- Vom Häuptlingssitz zum Küstenbadeort, Mettcker-Verlag, vergr.

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