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Stimmen zum Buch  1/10

Eindrücke eines alten "Knickerfreundes"

 von Dr. Thölke:

 Was sagt eigentlich ein alter Schulfreund von Dr. Paul Brägelmann? Wie erlebte er die in seinem Buch "Als die Kreuze Haken hatten" beschriebene Kindheit? Gibt es Übereinstimmungen/ Unterschiede? Stellen sich noch andere Perspektiven? Wie sieht der Schulkamerad die Zeit vor dem Hintergrund des aufstrebenden Nationalsozialismus? Auf diese Fragen wollten wir gerne eine Antwort haben.

 

 

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Stimmen zum Buch  2/10

 von Dr. Thölke:

Wir konnten diesen "Knickerfreund" in Goldenstedt ausfindig machen. Dort lebt der Tierarzt

Dr. Heinz Thölke, der mit Dr. Paul Brägelmann in naher Nachbarschaft aufgewachsen ist. Beide besuchten vier Jahre die Unterklasse in der Südlohner Volksschule. Nach dem Umzug nach Bokern treffen sie sich auf dem Vechtaer Gymnasium wieder. Ihre Wege trennen sich, als beide Flakhelfer wurden. Als wir die obigen Fragen stellten, kam Herr Dr. Thölke schnell ins Erzählen......

 

 

 

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 von Dr. Thölke:

"In Südlohne haben wir eine herrliche, unbeschwerte phantastische Kindheit verbracht. Wir haben gespielt, gespielt gespielt.... es gab keine Einschränkungen! Brägelmanns hatten damals schon sieben oder acht Kinder. Es ging auch schon mal drunter und drüber – aber wir konnten zu jeder Zeit kommen und dort spielen. Wir störten nie! Besonders die Mutter von Paul war eine ganz liebe Person. Sie war die Geduld in persona.

In Südlohne hatten die Familien im Durchschnitt – wie Paul Brägelmann schreibt – 6,4 Kinder. Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, miteinander Fußball zu spielen, denn bei den vielen Kindern konnten wir bequem zwei komplette Mannschaften bilden. Dann waren wir auch einfach gute Fußballer. 

Die Lohner verloren immer gegen uns, denn immerhin hatten wir mehrere Möhlmänner ( die Onkel des ehemaligen Bundesligaspielers und jetzigen Fußballtrainers Benno Möhlmann) in unserer Mannschaft.Wir haben verbissen gespielt. Übrigens spielten wir barfuß oder mit Holzschuhen!!!

 

 

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Stimmen zum Buch  4/10

 von Dr. Thölke:

Unsere Geschicklichkeit trainierte sich von selbst in dem sogenannten Affenbaum, den "Pual" – so nannten wir Paul Brägelmann – in seinem Buch beschreibt. Es war wirklich so, dass wir wie Eichhörnchen von Ast zu Ast sprangen, geklettert sind, uns an den Ästen festklammerten...Dieser Baum war eine alte Eiche mit einem mächtigen Stamm. Sie hatte unendlich viele Verzweigungen, in denen wir mit mindestens 15 – 20 Kindern sitzen konnten...

Aber das Spiel der Spiele war das Knickern!! Wir knickerten stundenlang, tagelang mit einer Inbrunst und einem Ehrgeiz, der seinesgleichen suchte. 

In dem Buch ist die Rede von einem Josef Thölke. Gibt es verwandtschaftliche Beziehungen?

"Ja, das ist mein Vater. Ich bin etwa 8 Jahre alt gewesen, als mein Vater - der sich leider dazu überreden ließ, den ortsansässigen Reiterverein weiterzuführen, auch als dieser im Zuge der Gleichschaltung zur Reiter – SS Umbenannt wurde zum Wachmann im KZ Oranienburg einberufen wurde. Für meine Mutter war dies eine Katastrophe.

 

 

5

Stimmen zum Buch  5/10

 von Dr. Thölke:

Ich höre sie noch heute, wie sie sagte:

" Wärst du doch ein Jude, dann bräuchtest du nicht Soldat werden". Gott sei Dank kam er bereits nach drei Monaten wieder. Was er in Oranienburg erlebte, erzählte er uns Kindern nicht. Als Achtjähriger habe ich die Ernsthaftigkeit dieser Begebenheit auch gar nicht begriffen. Erst später, als wir erwachsen waren, schilderte er seine Erlebnisse. Die Aussage meiner Mutter macht im übrigen deutlich, dass meine Mutter von Antisemitismus keine Ahnung hatte.

Wie war Ihre Zeit bei den Flakhelfern? Waren sie mit Paul Brägelmann in einer Einheit zusammen? Wenn man sich das vorstellt, dass die Schüler morgens zur Schule mussten und sofort nach der Schule zur Flak – wo blieb denn da noch Freizeit?

" Nein, Paul und ich waren in unterschiedlichen Gruppen. Aber man kannte sich ja von der Schule her.

 

 

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Stimmen zum Buch  6/10

von Dr. Thölke:

Schule war Nebensache! Schießerei und all diese Dinge hatten für uns auch viel von Abenteurertum. Für uns Jungs war es spannend, in den Himmel zu schießen...

So trieben wir auch bei der Flak unseren jugendlichen Unsinn. Was den Krieg anging , wir Pennäler waren ja auch nicht auf den Kopf gefallen, denn die zunehmenden Todesmeldungen waren für uns Kriterium genug, um nicht an das tausendjährige Reich zu glauben. Spontan fällt mir dazu folgende Geschichte ein, die wiederum deutlich macht, dass wir die "Sache" realistisch sahen. Ein altes "Kampflied" – ich habe den eigentlichen Text vergessen – dichteten wir um, was den jungen Vertreter unseres Bataillonskommandeurs völlig in Rage brachte. Er war ein echter Nazi, während unser Batallionskommandeur ein eher väterlicher Typ war, der uns nicht "verheizt" hätte. 

Hierauf reagierte der junge Vertreter mit unbändigem Zorn, schrie uns fürchterlich an und verhängte eine vierwöchige Urlaubssperre. Im übrigen hat er vergeblich versucht, uns das Marschieren beizubringen. Ich höre noch heute seine markige Stimme: "Rechts – schwenk; links – schwenk....

 

 

7

Stimmen zum Buch  7/10

von Dr. Thölke:
Der Text lautete:
Wir traben in die Weite, 
die Knarre hängt im Spind.
Die Heimatflak macht pleite,
wenn wir entlassen sind
Und fragen uns die Leute: "
  Warum geht ihr nach Haus?"
Dann ruft die ganze Meute: "
 Hier hält´s kein Schwein mehr aus!"

 

 

 

8

Stimmen zum Buch  8/10

von Dr. Thölke:

 

War das Südoldenburger passiver Widerstand?

"Wohl eher Südlohner Sturheit, aber indirekt auch das Wissen um die Aussichtslosigkeit, diesen Krieg mit Kindern gewinnen zu können. Es waren ja die Todesmeldungen, die uns die Realität zeigten. Wenn man von einer Mühlener Familie wusste, die von acht Jungen schon vier im Krieg verloren hatten, gab es keine Illusionen mehr....

 

Halten Sie es für wichtig, dass Schüler so ein "Geschichtenbuch" lesen?

"Schüler sollten dieses Buch unbedingt lesen, weil es das Leben ihrer Groß-Vätergeneration in sehr realistischer Weise zeigt, und es berührt immerhin das ureigene Leben ihrer Großeltern, bzw. Vorfahren in unserer südoldenburger Heimat. Paul Brägelmann stellt die Wirklichkeit während des Nationalsozialismus in realistischer Weise dar. Um es kurz zu sagen: So war es!!!

 

 

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Stimmen zum Buch  9/10

von Dr. Thölke:
Wie denken Sie über das Verhältnis der damaligen Erwachsenen zum Nationalsozialismus?

Überwiegend war auch in der Lohner Bevölkerung Begeisterung da . Aber diese Begeisterung ließ sofort nach, als man merkte, dass alle positiven Bestrebungen – wie Arbeit und Brot zu geben – dem alleinigen Zwecke diente, dieses Land in den Krieg zu führen. Dieses Buch macht Familiengeschichte, Dorfgeschichte und Heimatgeschichte wieder lebendig... Ich habe noch nie ein Buch so schnell durchgelesen. Als ich es einer zugezogenen Bekannten, die keinerlei Beziehung zu Südoldenburg hatte, zum Lesen gab, wiederholte sich diese Beobachtung. Schon am anderen Tag gab sie mir das Buch zurück mit der Bemerkung: " Ich musste es sofort durchlesen. Es war beeindruckend."

 

 

 

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Stimmen zum Buch  10/10

von Dr. Thölke:

Wie denken Sie über das Verhältnis der damaligen Erwachsenen zum Nationalsozialismus?

Überwiegend war auch in der Lohner Bevölkerung Begeisterung da . Aber diese Begeisterung ließ sofort nach, als man merkte, dass alle positiven Bestrebungen – wie Arbeit und Brot zu geben – dem alleinigen Zwecke diente, dieses Land in den Krieg zu führen. Dieses Buch macht Familiengeschichte, Dorfgeschichte und Heimatgeschichte wieder lebendig... Ich habe noch nie ein Buch so schnell durchgelesen. Als ich es einer zugezogenen Bekannten, die keinerlei Beziehung zu Südoldenburg hatte, zum Lesen gab, wiederholte sich diese Beobachtung. Schon am anderen Tag gab sie mir das Buch zurück mit der Bemerkung: " Ich musste es sofort durchlesen. Es war beeindruckend."

Herr Dr.Thölke, wie lautet Ihr Schlusswort ?

"Grüßt mir meinen alten Knickerfreund !"

Wir von der Literaturatlas – AG finden dies überwiegend auch. Im übrigen hörten wir diese Äußerung auch in unserem Lehrerzimmer. Kolleginnen und Kollegen berichteten davon, das Buch sei so spannend, dass man es schnell durchlesen muss. Vielleicht erklärt sich diese Tatsache darin, dass viele dieser älteren Leser Orte, Leute und Begebenheiten noch kennen.