Kindheit und Jugend im Dritten Reich.

Wie war das damals?

Was erzählt ein Schriftsteller aus der Heimat über die nationalsozialistische Zeit in Südoldenburg? Wie lebten Kinder und Jugendliche in dieser Zeit? Welche Einflüsse der Diktatur wurden deutlich? Gibt es Vergleiche zu heute?

Was beeindruckte uns? Der Diplomvolkswirt, Lehrer und Schriftsteller erzählt einfach, nüchtern, aber doch so faszinierend über die 12 Jahre ( 1933-1945) deutscher Geschichte, dass man das Buch in einem Rutsch durchlesen muss.

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Kindheit und Jugend im Dritten Reich.

Worum geht es?

1933 ist Paul Brägelmann sechs Jahre alt und spürt eine "neue Zeit". Sein Vater ist in Südlohne der Schulleiter der dortigen Dorfschule.

50 Kinder in einer Klasse sind die Norm. Disziplinschwierigkeiten gab es wohl nicht. Wenn überhaupt, dann wurden diese mit kräftigen Worten und gelegentlich auch "Taten" ( der Rohrstock war ein anerkanntes Erziehungsmittel – wurde aber wenig eingesetzt) beseitigt. Als Einziger im Ort besitzt sein Vater ein Radio, aus denen die Reden Hitlers durch das Wohnzimmerfenster nach draußen drangen und die Dorfbewohner aufmerksame, aber auch kritische Zuhörer waren.Wir finden, das Paul Brägelmann als Kind Schwertsarbeit zu leisten hatte, obwohl P.B. seine ersten beiden Grundschuljahre als ein "uneingeschränkt schön" (S.11) bezeichnet.

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Kindheit und Jugend im Dritten Reich.

Weiter schreibt er: "Und zum Spielen fehlte uns nichts: Wir hatten Spielplatz, Spielzeug, Spielkameraden und Spielzeit." Bei 6,4 Kinder im Durchschnitt pro Familie gab es keine Probleme, zwei Fußballmannschaften aufzustellen. Murmeln, Pfeil und Bogen, Flitschen (Steinschleudern), Hockeyschläger waren zwar einfaches Spielzeug, aber ebenso spannend S.11).

Ob wir heute mit SMS – Messages per Handy und Computerspielen besser dran sind, glauben wir fast nicht.
"Mit neun Jahren auf den Bau" (S.28) –Paul Brägelmann schildert, wie selbstverständlich früher "Kinderarbeit" war und er in dieser Betätigung auch noch eine gute sportliche Betätigung sah. So meint er über uns:" Heute benötigen Kinder ärztlich bescheinigte Krankengymnastik" zur Beseitigung körperlicher Schäden.
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Kindheit und Jugend im Dritten Reich.

Die Pflichten eines Schulkindes von 1933 lesen sich so: Schulaufgaben, Abwasch, Feuerholz und Torf ins Haus holen, bei der Ernte helfen und natürlich auf die jüngeren Geschwister aufpassen ( was er gar nicht mochte!)

Heute – im Jahr 2000 – sind "Klavierspielen, Tennis, Nachhilfeunterricht" und manchmal noch Rasenmähen an der Tagesordnung ( Anmerkung der Redaktion)

Vielleicht hat Paul Brägelmann nicht ganz unrecht. Wir meinen, dass unsere Großeltern ihre Jugend nicht so ausleben konnten wie wir heute. Kinderarbeit ist heute gesetzlich verboten. So müssen Jugendliche heute auch erst mit 18 – 20 Jahren zur Bundeswehr. Paul Brägelmann hatte schon mit 21 Jahren den Arbeitsdienst und den Kriegsdienst erlebt......

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Kindheit und Jugend im Dritten Reich.

Das Thema interessierte uns natürlich besonders. Wir finden, dass Gewalt früher ebenso vorgekommen ist, wie heute – wir meinen sogar, dass die Formen ebenso "heftig" waren und dass es auch Mobbing gab. Wegen seiner "grünen Quartanermütze" erlebte Paul Brägelmann die Verachtung der HJ – Führer (S.33).

Früher hatte Gewalt einen anderen Namen, man nannte das "Positionskämpfe. Da gab es regelrecht "Krieg" zwischen den "Südlohner Klunthackers" und den "Braudarper Pisspötten" (S.24). 

Was hat sich verändert?

Paul Brägelmann sagte dazu im Interview, dass ein Kampf beendet war, wenn der Ersten am Boden lag. " Es wurde nicht nachgetreten! Wer dies tat, war bei Freund und Feind für immer geächtet!"

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Wie ging ein südoldenburger Jugendlicher damit um?
Paul Brägelmann wird zwischen seinem zehnten und siebzehnten Lebensjahr "viermal (!) einer militärischen Grundausbildung unterzogen: als Pimpf, als Luftwaffenhelfer, als Arbeitsmann und als Soldat." Brägelmanns kleine Schwester findet die " Maschieronkels" auf dem Schulplatz vor ihrem Elternhaus sehr interessant, während Paul die SA - Männer als "Sauhaufen" bezeichnet ( S. 19). Hitlers Vorstellungen über die Erziehung der deutsche Jugend hörte sich so an:"Schlank und rank,schnell wie Windhunde,zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl!"Tondokument
Paul Brägelmann meint dazu ganz nüchtern: " Ideologisch war bei mir, geprägt durch das Elternhaus, wenig zu machen" (S.19).Trotzdem singt der Grundschüler Paul mit Begeisterung das Lied: "Adolf Hitlers kleiner Soldat" (S.30). Manövertage in der Umgebung hatten etwas Spannendes. Die Hosentaschen voller Granaten (S.75) - ein gefährliches Spiel! Als Luftwaffenhelfer spüren die "Jungs" Siegesgefühle, wenn sie am Himmel ein "feindliches Objekt" treffen. Die dritte Ausbildung durchläuft Paul Brägelmann beim RAD ( Reichsarbeitsdienst). Das zackige Umgehen mit dem "Erdlöffel" (Spaten) :" Habt ach! Den Spaten über!" beherrschen Pauls Kameraden so gut, dass die Parade mit Vanillepudding zum Nachtisch belohnt wird (S.137).
Als Soldat trägt Paul Brägelmann wie alle einen Stahlhelm, den er als "Hurratüte" bezeichnet. Sie wird Symbol für einen furchtbaren Krieg, erst recht als die ersten Todesmeldungen in der Zeitung (OV) erscheinen und ganz besonders dann, als sein Bruder Clemens im Kriege fällt (S.113).
Am Ende dieser - wie wir meinen - verlorenen Jugend erlebt Paul Brägelmann in amerikanischer Gefangenschaft.

( Literaturhinweis: Auf den Rheinwiesen 1945 - 101 Tage Kriegsgefangenschaft)

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