Welche Beziehung besteht zum Wohnort? Was wird an ihm geschätzt, geliebt, gemocht oder was nicht?

 

 

 

Norbert Klugmann schreibt:

 

In Uelzen habe ich 15 Jahre gewohnt, von 1951 bis 1965. Danach war ich bis 1970 fast täglich in Uelzen.

Von 1997 bis 1998 habe ich ein Jahr in Veerßen gewohnt, um dort in Ruhe mehrere Bücher zu schreiben.

Meine Mutter lebt seit fünf Jahren wieder in Uelzen.

Meine Schwester wohnt ebenfalls in Uelzen, hat nie woanders gewohnt.

 

Heute habe ich zur Stadt also ausschließlich private Beziehungen. Deshalb ist das wichtigste an Uelzen für mich der Bah hof, aber nur solange er nicht umgebaut worden ist. Was die Uelzer noch nicht begriffen haben: Der Hundertwasser-Stil geht einem nach einiger Zeit mächtig auf die Nerven. Er ist ha nur Effekt und bunt, hat nicht das Zeug zum Klassiker. Mir tun alles Berufspendler leid, man sollte ihnen Sonnenbrillen spendieren.

 

Als Kind fragst du nicht, was deine Heimatstadt dir zu bieten hat. Du bist zufrieden, der Rodelberg vor dem Haus ist das größte.

Als Jugendlicher war Uelzen in Ordnung, weil es Kneipen und Diskotheken zu bieten hatte. Favoriten: Hannemann in der Lüneburger Straße mit einem Glücksspielautomaten, an dem wir uns abgearbeitet haben. Für 333 und 331 gab es 1,60 DM zu gewinnen. Wenns Musik sein sollte: Big Ben in der Rademacherstraße. Wichtig für mich: die Stadtbücherei mit einem kauzigen Leiter, der sich aber leidenschaftlich für Bücher und seine Kunden einsetzte. Ein begnadeter Anekdotenerzähler.

 

In Uelzen habe ich die erste große Liebe kennen gelernt, Heidrun, von Beruf Erzieherin.

 

Dann wars aber auch gut mit Uelzen. Eine kleine Stadt ist eine kleine Stadt. Ich wollte nicht nur wegen der Ausbildung Großstädte kennen lernen, sondern auch wegen der Atmosphäre, wegen der Aura. Wer als junger Mensch Abenteuer erleben will, sollte sich außerhalb umsehen. Du musst als Schriftsteller wissen, was in der Welt passiert, bevor du anfängst, über die Welt zu schreiben. Ich wollte nie Heimatschriftsteller werden.

 

In Uelzen kann man leben, wenn man mit sich und der Welt zufrieden ist. Wer auf der Suche ist, wer rebelliert, der stößt hier ständig an Grenzen. Das würde in allen Kleinstädten passieren.

Deshalb habe ich nichts gegen Uelzen, also keine Verachtung oder Spott. Aber man darf die Stadt auch nicht ständig schönreden, wie es in der AZ geschieht.

 

Ich habe hier Lesungen gemacht: einmal in der Buchhandlung Schimmel, einmal in der Stadtbücherei. Seit rund zehn Jahren keine mehr.

Ich habe 1981 eine Jugenderzählung veröffentlicht „Es muss im Leben doch noch mehr als alles geben“. Es ist die Geschichte eines Jungen, der nach dem Abitur nicht weiß, was nun. Dafür standen Uelzen und meine Schulzeit Pate.

In den 80er Jahren schrieb ich den Krimi „Feuer und Flamingo“, er spielt teilweise in Uelzen und kreist um Zucker und Zuckerfabrik.

 

Was mir heute am besten in Uelzen gefällt: die Umgebung. Ach ha und der Wochenmarkt ist wirklich schön, solange er da bleibt, wo er jetzt ist.