20 SchülerInnenfragen rund ums Schreiben, Bücher und Beruf:

 

1. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie mal Schriftsteller werden wollen?

Etwa in der zehnten Schulklasse. Das Verfassen von Aufsätzen und von kleinen Privatgeschichten und später von Geschichten für Schülerzeitungen war die Beschäftigung, die mir am meisten Spaß machte.

2. In welchem Alter haben Sie begonnen Bücher zu schreiben?

Das ersten komplette Buchmanuskript habe ich mit 20 geschrieben, danach eine handvoll.

Veröffentlicht wurden von denen keins. Das war auch gut so, denn du brauchst einige Jahre, um zu lernen, wie man Bücher schreibt. Die ersten Manuskripte waren ziemlicher Mist. Das ist nicht schlimm, man muss nur erkennen, dass es sich um Mist handelt. Der Spannungsbogen für 200 Buchseiten ist etwas ganz anderes als bei einer Kurzgeschichte. Und die Figuren müssen interessant genug sein, um den Leser über vielen Seiten hinweg zu fesseln.

Meine erste Buchveröffentlichung fand 1978 statt, da war ich 27.

3. Haben Sie schon als Kind gerne Geschichten erfunden?

Ja, ständig. Aber ich habe nicht ständig etwas auf Papier geschrieben. Das fand alles im Kopf statt und blieb da auch.

4. Warum schreiben Sie gerade Krimis?

Ich habe rund 20 Krimis geschrieben und zwar zwischen 1984 und 1994. Danach hatte ich mich dermaßen mit diesem Genre überfressen, dass ich seitdem nur noch selten Krimis schreibe, dafür Melodramen, Romane mit historischem Bezug und Thriller (was nicht das gleiche wie ein Krimi ist).

Als ich Krimis schreib, habe ich es getan, weil es ein ziemlich einfaches Genre ist. Auf den ersten Seiten hast du einen Fall (Mord, Überfall usw.) und hinten ist der gelöst. Bei mir hat die Polizei nie eine wichtige Rolle gespielt. Viel wichtiger ist, was „normale“ Menschen mit Kriminalität, mit Gewalt und Unrecht erleben.

Meistens ist der Krimi handlungsbetont, das heißt der Held sitzt nicht in der Hängematte und grübelt und kratzt sich am Kopf, sondern es passiert etwas: Aktion. Die zu beschreiben macht viel Spaß.

5. Was für Krimis schreiben Sie?

Meine Krimis waren oft Kriminalsatiren. Ich habe mich über die Polizei lustig gemacht und auch die Traditionen alter Krimis verulkt.

Meine Krimis sind auch Gesellschaftssatiren. Ich habe meine Kommentare zu vielem abgegeben, was bei uns sehr wichtig ist, was ich aber gefährlich finde: z.B. die Sucht, unbedingt Karriere zu machen. Oder die Bedeutung, die Geld und Reichtum haben. Überhaupt zählt bei uns Äußerlichkeit zu viel, also Statussymbole. Ein Buch ist für den Autor eine gute Möglichkeit, seinen Kommentar zum Lauf der Welt abzugeben.

Das wichtigste ist aber: Du darfst als Autor deinen Leser nicht langweilen! Auf gar keinen Fall.

6. Schreiben Sie auch andere Bücher als Krimis?

Ja, seit Mitte der neunziger Jahre sind meine Bücher in der Regel keine Krimis mehr.

Ich finde es spannend, mich in neuen Genres auszuprobieren. Ich kann ja nicht alles gleich gut. Also muss ich schreiben, um zu testen, wo ich gut bin und wo nicht. Am besten bin ich in der wörtlichen Rede. Wenn Kritiker bei mir etwas loben, sind es immer Dialoge. Ich kann mich auch gut in Frauen hineinversetzen (daran scheitern viele männliche Autoren total).

7. Worüber schreiben Sie am liebsten?

Ich schreibe nur über Dinge, die mich interessieren.

Das wichtigste ist, dass die Helden des Buchs funktionieren. Sie müssen leben und dürfen keine Schablonen sein.

Meine Themen sind manchmal Riesenthemen, z.B. die ZEIT. Manchmal winzige Themen: das Schicksal eines einzigen Menschen. Wichtig ist immer nur, dass die Geschichte glaubwürdig ist. Es muss nicht ständig knallen und ballern. Es muss glaubwürdig sein, der Held muss sympathisch sein oder unsympathisch, aber man muss ihm seine Gefühle und Taten glauben.

          8. Wie lange arbeiten Sie an einem Buch?

An einem normalen Buch von etwa 200 bis 300 Weiten Umfang schreibe ich rund e ein Vierteljahr. Ich bin ein schneller Schreiber.

Aber man darf nicht vergessen, was man aller an Nachdenken, Herumreisen, Lesen und Recherchieren tu, bevor der erste Satz geschrieben wird. Die Vorbereitungszeit dauert bei mir länger als das eigentliche Schreiben.

Natürlich habe ich auch Bücher sehr spontan geschrieben: die Idee und los. Aber es gibt Themen, an denen sitze ich seit zehn Jahren und ich habe noch immer keinen Satz geschrieben.

Ich schreibe zur zeit immer nur an einem Buch. Aber in der Vorbereitung sind viel, viel mehr, zur Zeit 20 (zwanzig) Themen. Nicht aus allen werden Bücher werden, aber zu allen mache ich mir Gedanken, um zu erkennen, ob die Geschichte TRÄGT.

          9 Haben Sie eine bestimmte Zeit um ein Buch zu schreiben?

Die Frage verstehe ich nicht ganz.

Ein Buch schreibst du entweder auf eigenes Risiko, also bevor du die Idee an einen Buchverlag verkauft hast. Dann hast du alle Zeit der Welt und kannst dir Jahre Zeit nehmen.

Wenn du aber deine Idee an einen Buchverlag verkaufst (die Idee und nicht das fertige Buch), dann macht man einen Vertrag und da steht drin: Das Buch erscheint in einem Jahr. Es gibt also einen Ablieferungstermin und nun stehst du unter Zeitdruck.

Wenn ich an einem Buch sitze, schreibe ich sieben Tage pro Woche. Meistens fange ich am frühen Nachmittag an und höre auf, wenn ich rund 15.000 Anschläge geschrieben habe. Mein Computer zählt für mich jeden Anschlag.

10. Wo schreiben Sie gerne, haben Sie einen bestimmten Platz?

Ich schreibe in dem Haus, in dem ich jeweils lebe. Ich ziehe häufig um, im Juni schon wieder. Dort gibt’s ein Arbeitszimmer, da steht ein Computer von Apple, an dem schreibe ich. Da die Maschine schwer ist, trage ich sie nicht herum. Hätte ich einen Laptop, würde ich auch gern im Garten schreiben oder sonst wo im Freien.

11. Verreisen Sie oft um ein Buch zu schreiben?

Nein. Ich verreise, um auf Ideen für Bücher zu kommen oder um zu recherchieren. Aber ich schreibe zu Hause.

12. Wie viele Bücher haben Sie geschrieben?

Ich habe bis heute rund 50 Bücher geschrieben, davon sind rund 40 veröffentlicht worden. Von denen kannst du aber nicht mehr alle kaufen, weil einige „vergriffen“ sind. Vergriffen ist ein Buch dann, wenn es sich nicht mehr gut verkauft. Dann zieht es der Verlag aus dem Rennen.

13. Wie viel verdienen Sie im Schnitt pro Buch?

Eine Durchschnittzahl kann ich nicht nennen, weil das extrem schwankt.

Mit meinem erfolgreichsten Buch habe ich bisher fast 100.000 Mark verdient (über einen Zeitraum von mehreren Jahren). Mit meinem größten Flop habe ich 2000 Mark verdient.

Du verdienst ja nicht nur an den Büchern, die im Laden verkauft werden. Du verdienst auch mit Lesungen oder wenn das Buch ins Ausland verkauft wird oder wenn es verfilmt wird.

Die meisten Autoren müssen nebenbei Geld verdienen mit Jobs. Ich arbeite manchmal im Journalismus.

14. Wann kommen Ihnen die Ideen zu den Büchern?

Die Ideen kommen mir 24 Stunden pro Tag. Ich bin bereit, in jeder Minute an den Schreibtisch zu gehen und dort eine Idee festzuhalten. Manchmal reichen wenige Stichworte. Aus denen entwickelt sich dann was größeres oder die Idee verhungert. Das weißt du immer erst hinterher.

15. Haben Sie schon Preise gewonnen?

Kaum. In den achtziger Jahren habe ich zwei Preise für meine beiden Jugendbücher gekriegt (an Jugendbüchern habe ich auch nur zwei geschrieben). Außerdem einige ehrenvolle Erwähnungen für Kriminalromane. Aber keinen berühmten Preis.

16. Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?

Ich kann mit dem, was ich am besten kann und was mir am meisten Spaß macht, meinen Lebensunterhalt bestreiten. Das halte ich für ein großes Glück. Ich muss mich nicht mit einem Job herumärgern, den ich im Grunde nicht mag.

17. Was ist Ihr Lieblingsbuch?

Unmöglich zu sagen. Dazu kenne ich zu viele Bücher, die ich mag.

18. Welcher Autor ist Ihr größtes Vorbild?

Kann ich auch nicht sagen, weil ich ziemlich viele Autoren mag. Und das sind nicht nur Klassiker, sondern da sind auch triviale Typen.

19. Wie sind Sie Autor geworden?

Siehe die Fragen 1 bis 18

20. Was bedeutet Ihnen Ihr Beruf?

Es ist mein Schicksal. Und mein Glück. Ich werde als Schriftsteller nicht wohlhabend werden, aber ich fangen jeden Tag gern an zu schreiben. Ich hatte noch nie die Nase voll vom Schreiben. Ich hatte auch noch nie wie viele Kollegen eine Entzündung in den Armen oder Händen, wenn di wie ein Verrückter geschrieben hast und die Gelenke und Nerven versagen.

 

Ein Instrument spielen zu können, wäre nett. In der Schule wollte mir meine Musiklehrerin das Cello nahe bringen. Leider kam ich da gerade in die Pubertät und zog die Stereoanlage vor.

13. Mit wem möchten Sie gerne eine Verabredung treffen?

Nicht mit einem Prominenten. Davon kenne ich zu viele (direkt oder indirekt), um sie noch spannend zu finden.

Vielleicht ein Fanatiker, ein verrückter Erfinder, der seiner Zeit voraus ist oder der etwas erfunden hat, was es längst gibt.

14. Welche Gestalt in der Geschichte schätzen Sie besonders?

Alle Mensche, die nie sagen: Das haben wir schon immer so gemacht ODER: Das haben wir ja noch nie gamacht.

15. Wer ist Ihr liebster Romanheld?

Ich mag viele, will keinen nennen, weil er dann wie die Nummerr 1 wirken würde.

16. Welche bedeutende Frau der Geschichte schätzen Sie?

Alle Hexen.

17. Welche bedeutende Frau heute schätzen Sie besonders?

Ach, fragt mich doch was leichteres.

18. Welche Musik lieben Sie?

In jungen Jahren Rock und Pop.

                    Ab etwa 15 mochte ich Angejazztes mit Rhythmuswechseln, die es unmöglich

                    machen, danach zu tanzen.

                    Heute mag ich jede Musik, die mir gute Laune bereitet.

                    Die gegenwärtige Hitparadenmusik ist mir fremd. Boygroups finde ich extrem

                    dämlich.

                    An klassischer Musik mag ich Bach, manches von Beethoven.

                    Oper treibt mich in die Flucht.

19. Womit verbringen Sie Ihre Freizeit am liebsten?

Streng genommen habe ich keine Freizeit, weil ich immer auf dem Sprung bin zu schreiben. Die Teilung in Arbeit und Freizeit wird ja auch unnötig, wenn Arbeit nichts negatives mehr ist. Außerdem übe ich beides am gleichen Ort aus.

                    Ich spiele gern mit der Tochter.

                    Ich zappe gern durchs Fernsehprogramm und bringe damit alle im Raum zur Rase-

                    rei, weil ich nach maximal fünf Sekunden weiß, was läuft und ob es mich interes-

                    siert. Deshalb gucke ich meistens allein fern, aber insgesamt sehr selten.

                    Ich liebe es, Tageszeitungen zu lesen. Fünf habe ich abonniert, darunter auch die

                    AZ. Sie kommt immer einen oder zwei Tage später, weil es von Uelzen nach Ham-

                    burg so weit ist.

                    Ich habe zwei Dorfromane geschrieben und plane einen dritten. Die Ideen zu diesen

                    Projekten hole ich mir gern aus der AZ.

                    20.Wofür geben Sie gerne Geld aus?

Für Bücher. - Für Klamotten, die ich einer Frau schenke. - Für Pixi-Bücher, die ich meiner Tochter schenke. - Ich gehe gern essen und oft da ,wo es nicht billig ist.

          21.Was bedeutet Ihnen Mode?

                    Mode finde ich sehr attraktiv, solange sie sich nicht an meinem Körper abspielt.

                    Ich kann mich schwer trennen, auch von Klamotten und besitze viele Hemden, T-

                    Shirts und Hosen von biblischem Alter, die meine Mitbewohnerinnen für ihr Leben

                    Gern in den Müll werfen - immer „aus Versehen“.

          22.Wie stehen Sie politisch?

                    Als ich 18 war, trat ich in die SPD ein. Dann wurde meine Freundin schwanger und

                    Der Uelzer SPD-Bürgermeister äußerte sich gegen die Abtreibung. Da trat ich aus

                    der SPD wieder aus.

                    Ich gehöre keiner Partei an und wähle die Grünen, seitdem es sie gibt. Erststimme

                    zähneknirschend der SPD.

                    Lange wird das nicht mehr so bleiben, weil die Grünen für meinen Geschmack im-

                    mer zahnloser werden.

                    Ich mag Querdenker in den Parteien, egal in welcher Partei, habe nichts gegen

                    Konservative, wenn sie ihre Sache gebildet und geistreich vertreten, was die meisten

                    nicht können.

                    Ich habe großen Respekt vor Kommunalpolitikern. Sie wissen besser als alle ande-

                    ren Politiker, was die Menschen wirklich wollen und verabscheuen.

          23.Was halten Sie von der neuen Rechtschreibung?

Die Reform ist viel zu feige und defensiv durchgeführt worden. Ich hätte mir radikalere Änderungen gewünscht. Wenn eine Sprache so kompliziert ist, dass sie kaum noch jemand fehlerfrei schreiben kann, dann stimmt etwas nicht. Warum soll ausgerechnet die Rechtschreibung tabu sein?

          24.Ihr Motto?

Ewig währt am längsten.