Startseite
 Autor
 Krimi
BuiltByNOF
 Arbeitsweise eines Schriftstellers

Wir haben uns mit den Werken von Peter Gerdes auseinander gesetzt und festgestellt, dass er in seinen Romanen des Öfteren dieselben Personen verwendet. Als Begründung dafür nannte er uns, dass gute interessante Charaktere das wichtigste Element einer guten Story sind. Davon könne man vielleicht gar nicht unendlich viele erfinden - weil jede Figur letztlich eine Ableitung von einem Detail der Autoren - Persönlichkeit ist. Vor allem aber gewöhnt man sich an seine eigenen Figuren, die von Geschichte zu Geschichte plastischer werden, einen eigenen Hintergrund bekommen und sich zu entwickeln beginnen. Auch Leser mögen es, wenn bekannte Figuren in immer neuem Rahmen agieren und dabei bekannte Eigenschaften, aber auch eine neue Seite zeigen.  Die Entwicklung der Hauptpersonen vollzieht sich laut Peter Gerdes  in verschiedenen Rahmen:
a) innerhalb der jeweiligen Geschichte und
b) übergreifend - von der ersten bis zur vorläufig letzten Geschichte. Am deutlichsten wird das wohl bei Stahnke. Eingeführt als Nebenfigur ("Ein anderes Blatt"), wirkte er recht klischeehaft und war mit eher negativen Eigenschaften ausgestattet: spießig, undurchsichtig, unehrlich und dick. Peter Gerdes hat ihn absichtlich zunächst so ambivalent gehalten, sodass er eine Weile sogar als Verdächtiger in Frage kommt. Dieser Aspekt taucht sogar noch in "Thors Hammer" auf, wird aber nur noch von "Stahnke-Opfer" Jörg Möhle ernsthaft erwogen. Nach den beiden ersten Romanen wird Stahnke zum "Helden" von Kurzgeschichten, zunächst "Amsel, Drossel" und "Der Seelenbesorger". Dort entwickelt er Profil, bekommt eine persönliche Geschichte, ein Eigenleben - und wird plötzlich auch für Peter Gerdes selbst interessant, da er jetzt Eigenschaften des Autors bekommen hat (einige - welche, und welche nicht, wird nicht verraten). Nun taucht Stahnke im dritten Roman, "Ebbe und Blut", wieder auf. Wieder als Nebenfigur, aber ganz automatisch beansprucht er plötzlich mehr Raum, wird auch hier jetzt als "Mensch" gezeigt statt als bloßer "Funktionsträger". Die Figur Stahnke hat plötzlich Ansprüche, die der Autor einlösen muss. In weiteren Kurzgeschichten spielt Peter Gerdes mit Stahnke. Er zeigt ihn in verschiedenen Lebensphasen, lässt ihn auch selbst erzählen oder Briefe schreiben. Stahnke ist endgültig zum "tragenden Charakter" geworden. Inzwischen ist er dem Autor sogar lieber als Marian, der "Held der ersten Stunde". Im vierten Kriminalroman, der bis Jahresende fertig sein soll, wird Stahnke die Hauptrolle spielen und Marian wird zur Nebenfigur, bleibt allerdings stärker, als es Stahnke zu Anfang war. Immerhin hat auch Marian ja inzwischen einiges an "persönlicher Geschichte" aufzuweisen. Und Sina? Mit der hat Peter Gerdes etwas ganz Besonderes vor. Aber was das ist, verrät er noch nicht.

Peter Gerdes lässt sich durch das Leben, seine Mitmenschen und Nachrichten von überall her inspirieren, am liebsten aber durch Gespräche und durch das Interesse, das andere Menschen an bestimmten Zusammenhängen zeigen. Für das Schreiben von Texten, die dann irgendwann zu Büchern werden, gibt es für ihn unterschiedlichste Motivationen. Beispielsweise berührt, interessiert oder belustigt ihn etwas – daraus ergibt sich der Anlass zu einer Idee für einen Text, eine Geschichte oder ein Gedicht. Läuft der Schreibprozess erst einmal, ergeben sich neue Ziele. Der ideale Text soll aufklärerisch und unterhaltend sein. Zudem soll er sprachlich möglichst innovativ und dennoch gut verständlich sein sowie darüber hinaus neben der Handlungs- auch eine weltanschauliche Ebene enthalten. Beim Schreiben befolgt Peter Gerdes  immer ein Schreibschema: Einleitung, Exposition, Spannungsbogen, Haupt- und Nebenhandlungen, eingebaute Irrwege, überraschende Wendungen und schließlich einen  Clou. Doch dieses Schema hängt er sich nicht wie einen Bauplan an die Wand. Wichtig in seinen Romanen ist der erste Satz. Durch ihn wird die Stimmung und das Tempo vorgegeben. Der Leser soll durch den ersten Satz schnell in die Geschichte hinein versetzt werden. Er schreibt aber keine Geschichten von wahren Begebenheiten. Wahres bzw. Reales fließt zwar ein, wird jedoch verfremdet. 

Peter Gerdes schreibt chronologisch, d. h. er fängt vorne an und hört hinten auf - was nicht so selbstverständlich ist, wie es klingt. Er hat auch schon einmal Kapitel, die ihm gerade einfielen, “vorproduziert” und sie nachträglich eingefügt. Da bleiben aber oft Risse, weil sich z. B. Personen inzwischen ganz anders entwickelt haben, als sie im vorproduzierten Kapitel dargestellt sind. Oft passt es nicht mehr zusammen, daher lässt er das jetzt.

Da Peter Gerdes selbst gern Kriminalromane liest – und der Krimi sich hervorragend zum Gesellschaftsroman eignet, schreibt er hauptsächlich Krimis. Seiner Meinung nach kann und muss neben der Kriminalhandlung viel über unser Leben und unsere Zeit einfließen, sonst wird es spröde. In seinen Krimis hat er Ostfriesland als Handlungsort gewählt, weil er sich hier am besten auskennt. Der Hintergrund muss stimmen - und je weniger er recherchieren muss, um so besser. Peter Gerdes verbindet Privates mit Beruf. Mit Literatur befasst er sich ständig - wenn nicht bewusst, dann un- oder unterbewusst. Produktion ist eine Sache - aber das Reservoir muss ja auch immer wieder mit Eindrücken aufgefüllt werden.

Seine Frau liest jeden Text als erste und gibt ein Urteil über das Buch ab. Dies ist eine große Hilfe für ihn. Er hat aber noch keine Story mit einem Kollegen oder einer Kollegin zusammen geschrieben. Allerdings war das Experiment, andere Autoren Schlüsse zu einer angefangenen Geschichte von ihm ausdenken zu lassen (z. B. “Das Mordschiff”, OZ - Krimi - Preis), sehr interessant.

[Startseite] [Autor] [Krimi]