Wirkungsgeschichte des Saterfriesischen

 

„Die kleinste Sprachinsel Europas“ - durch dieses Privileg kamen die Saterfriesen 1990 ins Guinness - Buch der Rekorde. Um dieses Privileg halten zu können, machen die etwa 1500 bis 1600 aktiv Seeltersk sprechenden Menschen eine ganze Menge:

Es werden von dem Seelter Buund  Heimatabende veranstaltet, auf denen nur Saterfriesisch gesprochen wird. Am Seelterlounder Familiendai  werden Familien mit ihren Kindern eingeladen, bei denen zu Hause immer noch Saterfriesisch die Alltagssprache  darstellt. Man hofft, dass sich dadurch die Kinder dieser Familien untereinander besser kennenlernen und dann auch beim Spielen oder in der Schule seeltersk  miteinander boalen (sprechen). Es gibt sogar den Seelter Hierloaden  (Friseursalon), in dem die Besprechung der jeweiligen Frisur auf Wunsch auch auf friesisch durchgeführt werden kann. Außerdem gibt es noch das Seelter Winkelhuus, in dem klarer Schnaps als Seelter Ai Water  verkauft wird. Mit dem Plakat „Hier wät uk Seeltersk boald“  wirbt der Lebensmittelladen Bojert um die Gunst der friesisch sprechenden Käufer in Ramsloh. Außerdem wird für die Kinder, die den Kindergarten oder die Schule besuchen, Seeltersk als Arbeitsgemeinschaft oder als Unterrichtsfach angeboten, wobei sich die meisten Kinder mit dem Sprechen der Zahlen noch am Schwersten tun. Einmal sogar predigte auch der katholische Pfarrer Hubert Moormann in der Ramsloher Kirche auf saterfriesisch. Eine weitere Möglichkeit bei einem besonderen Anlass das alte Friesisch anzuwenden ist die Hochzeit im Rathaus bei Otto Immer. Jedes Mal, wenn sich ein saterländisches Paar auf saterfriesisch trauen lassen will, muss Herr Immer aushilfsweise den Frack anziehen, da der hauptamtliche Standesbeamte „nur“ des Platt- und Hochdeutschen mächtig ist. Eine solche Hochzeit auf seeltersk  kommt etwa zwei- bis dreimal unter ca. 80 Trauungen im Jahr vor.

Außerhalb der Grenzen des Saterlands ist das Saterfriesische vor allem durch den Sprachforscher Dr. Marron C. Fort bekannt geworden, der, in Zusammenarbeit mit Heimatdichtern und anderen aktiv seeltersk sprechenden Saterländern, Wörterbücher und Grammatiken über die saterländische Sprache erstellt hat. Ebenfalls zu empfehlen ist das Buch „Spurensuche im Saterland“ von Hanne Klöver.

Außerdem gab es einen Bericht über das Saterland in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 1. Juni 1999 und in der „Hannoverschen Allgemeinen“ vom 26. Oktober 1999. Vom Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) wurden unter der Leitung von den Fachleuten für Sprachforschung und Sprachwissenschaft Prof. Zylmann und Dr. Krogmann vom Germanischen Seminar der Universität Hamburg saterfriesische Gedichte und Lieder aufgenommen. Diese Aufnahmen, die zu einer Reportage ausgearbeitet wurden, stehen nicht nur dem NWDR zur Verfügung, sondern wurden im Germanischen Seminar der Uni Hamburg wissenschaftlich ausgewertet und später in den Archiven aufbewahrt.

Schon vor einiger Zeit traten die Saterländer dem „Europäischen Büro für Sprachminderheiten“ bei und haben auch zu anderen Sprachminderheiten in Europa erstaunlich gute Kontakte. Auch in die am 1. Januar 1999 in Kraft getretene „Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen in Deutschland“ sind die Saterfriesen eingebunden.

Durch diese Aktionen versuchen die Saterländer ihre sehr selten gewordene Sprache zu retten, so dass sie nach so langer Zeit nicht - wie in Ostfriesland geschehen - doch noch ausstirbt.

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