Siegel und Wappen ...

werden oft in einem Atemzug genannt. "Das Wappen ist ein eindeutiges Erkennungs- und Eigentumszeichen und dient der Repräsentation. Unter Wappen versteht man das auf einem Schild oder ähnlicher Fläche dargestellte, mit anerkannter Berechtigung geführte, bleibende, vererbliche Kennzeichen einer Person, einer Körperschaft, einer Stadt, eines Landes, einer Gemeinde usw."

Das Siegel wird als Verschluß von wichtigen Sendungen, zum Schutz gegen Unbefugte, als Erkennungszeichen, als wirksame Beglaubigungs- und Beweismittel des Verfassers oder einer Urkunde gebraucht.

Mit der Umschrift:"Sigillum Parrochianorum in Zagelten" zeigt das Landessiegel das Bild Karls des Großen, welches sich öfter auf friesischen Siegeln befindet, wahrscheinlich auch eine Bestätigung der friesischen Abstammung. Der Kaiser wurde besonders geehrt, da er den Saterländern Privilegien geschenkt haben soll.

Wohl im 12./13.Jahrhundert dürfte dieses Landessiegel angefertigt worden sein. Die Inschrift deutet darauf hin, daß neben einer Pfarrkirche höchstens Kapellen bestanden haben. Die Bezeichnung "parrochia" (=Pfarrbezirk für ein Landkirchspiel) findet sich in den Osnabrücker Urkunden ab 1097.

Zum ersten Mal erscheint das Siegel auf einer Urkunde vom 23.5.1400. Eine Siegelbeschreibung nach dem Lübecker Urkundenbuch sagt: Gekrönter König mit Reichsapfel und Lilienzepter, auf einer Bank sitzend. Umschrift: S. parrochia... Für die wichtigsten Landesbeschlüsse benutzte man das Siegel des Saterlandes.

Es gab auch ein anderes Landessiegel mit dem Bildnis einer sitzenden, gekrönten Person und der Umschrift:"Sigillum Jacobus patronus in Sagelten". So wie die Landesverbände Ostfrieslands Landespatrone hatten, besaß das Saterland den heiligen Jakobus als Landespatron. Dieses Landessiegel dürfte wohl das älteste Siegel sein.

Mit der Archivlade, die bedeutende Zeugnisse der saterländischen Geschichte enthalten haben mag, ist auch das Metallsiegel von den Franzosen 1812 verkauft worden. Dieses Siegel diente sowohl kirchlichen wie auch weltlichen Zwecken und zeigte das Bild Karls des Großen, eine gekrönte, unbärtige Figur mit Weltkugel in der Rechten und Zepter in der linken Hand. Dieses Siegel bekundete das Bewußtsein der Saterländer, sich als geschlossene Gemeinde freier Friesen zu fühlen, die auf die gleichen Rechte und Freiheiten Ansprüche erhoben wie die benachbarten Ostfriesen.

Auf das mittelalterliche Landessiegel gehen die Wappen der einzelnen Gemeindeteile zurück. Um die jahrhundertealten Beziehungen zum Stift Münster auszudrücken, wurden als Hauptfarben rot und gold gewählt. Die einzelnen Wappen der Gemeindeteile enthalten kleine Abweichungen, die sich auf die Größe des Lilienzepters, des Reichsapfels sowie auf die Anbringung des kleinen Schildes mit dem doppelköpfigen Reichsadler beziehen.

Gemeinsam ist allen der rote Hintergrund, die auf einem goldenen Thronsessel sitzende Königsfigur, das goldene Zepter und der goldene Reichsapfel.

Nachdem durch die Verwaltungsreform im Jahre 1933 der Name Saterland ein amtlicher Gemeindename geworden war, bestand die Möglichkeit, dieser Gemeinde ein Siegel zu geben, das dem Typ des mittelalterlichen Siegels entsprochen hätte. Die Gemeinde Saterland war bestrebt, das Bildnis Karls des Großen in ihrem Wappen zu führen. Das III. Reich erkannte die Verdienste Karls des Großen ("Sachsenschlächter") jedoch nicht an und ersetzte seine Darstellung durch das Zepter. So entstand das Saterwappen, das auf rotem Grund das Zepter zeigt, flankiert von dem schwarzen Doppeladler auf gelbem Grund und dem Wappen der Tecklenburger, das auf weißem Untergrund drei ausgebrochene Lilienblätter zeigt.

Alle drei historischen Gemeinden des Saterlandes erhoben, nachdem sie 1948 wieder selbständig geworden waren, den Anspruch auf das alte Wappen. Zwei Jahre (1950 bis 1952) wurde ein Kleinkrieg um das Saterländer Wappen und Siegel geführt.

Die Gemeindevertretung Scharrel beschloß am 21.12.1954, das aufgeführte Wappen mit dem Bildnis Karls des Großen als Königsfigur (Karolus Rex) als Wappen der Gemeinde Scharrel anzunehmen.

Der Rat der Gemeinde Saterland beschloß am 12.12.1974 ein neues Wappen für die Gemeinde Saterland, denn in jenem Jahr fand die Gebietsreform statt. Es gab wieder eine Gemeinde Saterland. Das heutige Wappen der Gemeinde Saterland zeigt "in Rot auf einem goldenen Thronsessel eine jugendlich gelockte Königsfigur (Karolus Rex) in blauem Gewand mit goldenem Saum, goldenem Überwurf und goldenen Schuhen, in der linken ein goldenes Zepter, in der erhobenen Rechten einen goldenen Reichsapfel. An den Thron gelehnt ist der Reichsschild, ein schwarzer Doppeladler in Gold".