Über die Deutung der Ortsnamen im Saterland

Hoche schreibt zum Namen Saterland: "In früheren Zeiten des Christentums, wo die Saterländer keine Kirchen hatten, mußten sie 8 Stunden weit gehen, um am Gottesdienst teil zu nehmen. Weil dies nun für den Sonntag zu weit war, so gingen sie schon am Sonnabend - Saterdage - hin, und daher hätten ihnen die Menschen, die näher an der Kirche wohnten, den Namen "Saterdäger" gegeben, und das Land hat daher den Namen bekommen". Hoche möchte den Namen herleiten von "Saten". Saten oder Sassen hießen diejenigen, die sich an einem Ort niederließen, Kolonisten oder Anbauer. Saterland hieße also demnach Kolonistenland. Eine andere Meinung geht von den Schreibweisen der verschiedenen Benennungen des Saterlandes aus. Sie entwickelten sich aus dem Namen Sagelten, welcher sich auf dem Siegel befindet, mit den Wortbestandteilen Sagel = hinteres Ende, Anhängsel und ten = Strecke, Landstrich, Landesteil. Danach bedeutet das Wort Sagelten soviel wie Hinterland oder Grenzgebiet, also eine topographische Bezeichnung.

Andere sind wiederum der Meinung, daß das Wort Sagherderland aus sage = segge = sigge = niedrig und hard = bewaldete Anhöhe zusammengesetzt ist. Somit bedeutet dann Sagherderland soviel wie bewaldetes, niedriges Hügelland.

Auf dem Hümmling wird erzählt, so Willoh, das Saterland sei ursprünglich nach Bokeloh bei Meppen eingepfarrt gewesen. Noch soll dort eine Tür in der Kirche sein, die den Namen "Satertüre" trägt. Diepenbrock hingegen ist der Ansicht, daß dies aufgrund der räumlichen Entfernung unmöglich sei.

Durch den Sprachgebrauch und die verschiedenen Schreibweisen ist die jetzige Schreibweise Saterland entstanden. Die Bewohner selbst nennen ihr Land "Seelterlound" und sich selbst "Seelter".

Es gab viele verschiedene Namensformen des Saterlandes, z.B. im 14. Jahrhundert: Zagelten, 1401 Sagelterland, 1417 Segelterland, 1424 Seghelterland, 1457 Zegelterland, 1587 Sagterland, 1850 Sighilterland.

Auch der Name Scharrel wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte. In den Cloppenburger Schatzungsregistern von 1473 und 1535 hieß es Scharle, im Awickschen Lehensbrief von 1554 tho Grotem Scharle und auf der Mercatorschen Karte Scharloo, 1651 Groten - Scharle.

Für Ramsloh gilt ähnliches: 1459 Rameslo, 1487 Raemslo, 1568 Raomssloe, 1613 Rameßloe, 1650 Ramelslo.

Landwirtschaftsrat Schulte erläutert in seinem Bericht über die Besiedlung des Amtes Friesoythe verschieden Ortsnamen näher.

Als Flurnamen bezeichnet man die Namen von unbewohnten Örtlichkeiten, vor allem natürlich der Ackerstücke der Gemeinden und der Forstorte. Die wirtschaftliche Grundlage, auf denen die Namensgebung beruht, hat sich vielfach geändert und ändert sich gerade heute noch durch die Entwicklung in der Landwirtschaft.

In sehr alte Zeiten reichen die saterländischen Flurnamen zurück und bieten daher einen Einblick in die früheren Verhältnisse. Flurnamen sind wohl die ältesten erhaltenen Namen überhaupt. Die Entstehung der Flurnamen ist oftmals durch die wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse der Bodennutzung begründet. So kann man folgende Flurnamen aus dem Saterland ausschließlich auf topographische Verhältnisse zurückführen:

Ramsloh : das beste Holz, langgestreckte Bodenerhebung mit Wald

Scharrel : Grenzwall, Grenzwald, von Scharloo kommend

Ellerbrock : Erlenbruch

Strücklingen : ein mit Sträuchern bewachsener Ort

Utende : Siedlung am niedrig gelegenen Überflutungsgelände

Bollingen : Siedlung im Hügelgelände

Hollen : hoch gelegenes Gebiet

Ubbehusen : Siedlung auf einer Anhöhe

Roggenberg : (der Name war ursprünglich ein Flurname) Hügel, der zum Roggenanbau diente

Bokelesch : Ursprünglich von Bokeleske kommend

Heselberg : Berg am Buschwald

Fermesand : der erste Sand, von Scharrel aus gerechnet

Sedelsberg : Berg, Platz zum Sitzen, Rastort

Holtesch : Flur auf gerodetem Waldboden