Zum dichterischen Werk und literarischen Einordnung

1. Gläser ist im Rahmen der Barockdichtung zu verstehen.

Die Charakteristika dieser Dichtung finden wir auch bei ihm vor:

den Gebrauch der strengen poetischen Regeln (Ode, Sonett usw. ) –
die Sprache des Barock, die uns Heutigen weithin gedrechselt und gekünstelt erscheint –
die Verwendung der deutschen Sprache und die Betonung der deutschen Art-
zugleich die Verfremdung durch die Einkleidung in die antike Mythologie, wozu auch die Gräzisierung bzw. Latinisierung der Namen gehört-

die Einbindung in die Form der Schäferdichtung –
die Thematik der weltlichen Barockdichtung: Liebeslied, moralisches Lied, Gelegenheitslied, Epigrammatik-

(Gräzisierung = im Altgriechischen nachahmen)

2. Gläser ist einzuordnen in die Bestrebung auf eine deutsche National-
Literatur hin.

Hauptvertreter und Initiator darin ist Martin Opitz (1597-1639).

     Opitz, der Begründer der sog. „Schlesischen Dichterschule“ forderte die Pflege der deutschen Sprache und die Schaffung einer National- Literatur.
In seinem „Buch von der deutschen Poeterei“ (1624) stellte er die Formgesetze für eine deutsche Dichtung auf. So begann mit Opitz die deutsche Sprache Ihren Siegeszug in der Poeterei.
 

Bislang war das Latein die Sprache der Dichter. Die Gelehrtendichtung der Renaissance war akademisch und fast durchweg den antiken Vorbildern verhaftet. Jetzt gebrauchte man das Deutsch und trat angagiert dafür ein.
Auch für Gläser gilt das.

Einige Zeitgenossen übten in dieser Richtung einen starken Einfluss auf ihn aus:

Justus Georg Schottelius /  Wolfenbüttel (1612-1676), der größte deutsche Sprachgelehrte der 17. Jahrhunderts.

Schottelius trat für die  Reinerhaltung der Sprache gegenüber der modischen Sprachmengerei ein. Er Brachte die Forderung einer Hochsprache durch normierende Grammatik in gang. Er war gewichtiges Mitglied der „Fruchtbringenden Gesellschaft“, auch Palmenorden genannt –

August Buchner (1591-1661), Professor der Poesie an der Universität Wittenberg-

Buchner verbreitete die Theorien von Martin Opitz und war zu seiner Zeit ein berühmter Systematiker der Poetik-

Georg Philipp Harsdörffer / Nürnberg (1607-1658).

1644 stiftete er den „Pegnitz Orden“. Sein „Poetischer Trichter“ verbreitete die Neuerungen auf dem Gebiet der Poesie. Er war Hauptvertreter der sog. Schäfer- Dichtung.

Johann Rist (1607 –1667), Wedel bei Hamburg.
Er begründete den Richterbund „Elbschwanen-Orden“. Er, Pfarrer von Beruf, war der furchtbarste Liederdichter seiner Zeit. Als Dichter von Kirchenliedern ist er noch heute unvergessen.

All die Genannten finden bei Gläser Erwähnung und übten ihren Einfluss auf ihn aus. Lobgedichte, wie es der Zeit entsprach, gingen hin und her. Die Genannten werden noch heute in der Geschichte der Literatur angeführt. Gläser hingegen ist vergessen.

3. Gläsers Dichterisches Schaffen gehört der Schäfer-Dichtung an.
Die sog. „bukolische Dichtung“, auch „Pastoraldichtung“ genannt, beschreibt die vermeintliche idyllische Welt der Hirten und Schäfer. Seit Theokrit (300v.Christus) gab es sie. Er beschrieb für die Hofgesellschaft von Syrakus die „bukolischen Idyllen“. In einer hochentwickelten Spätkultur wird die Idylle eines freien Schäferlebens raffiniert gestaltet und als Befreiung gelebt.

Opitz brachte die Schäferdichtung nach Deutschland. Er schuf das Lehrbeispiel mit der Schäfferei von der Nimfen Hercynia“ (1630). Die Schäferdichtung spielt in heiter- frühlingshafter Landschaft, in der sich Kulturmenschen in Schäferkostümen und zeitloser Jugend bewegen. Die Wirklichkeit mit allen Sorgen wir ausgeschaltet. Liebe und Freundschaft vermögen sich rein zu entfalten.
 

Hier haben wir sozusagen ein Austeigertum aus der überentwickelten Kultur des Barock vor uns. Die Devise: Zurück zur Natur. Zum einfachen Leben! Die Parallele zu manchen  Bestrebung unserer Zeit, der Zwiespältigkeit der Gegenwart zu entgehen, wird deutlich.

4. Zur Beurteilung des Gläserschen Werkes

Da ist zunächst die Begrenztheit dieser Dichtung festzustellen.

Zu sehr belastet die Form des Barock. Die Betrachtung über Höfe, Künste und Gesellschaft in dem „Schäffer-Geticht“ ist gekünstelt und kaum erträglich. Die Einbettung in die Vorstellungswelt der Mythologie einschließlich der Antikisierung der Schäfernamen erschwert den Zugang. So verbleibt es bei einer doch irgendwie „akademischen Dichtung“. Die Unmittelbarkeit eines Joh. Christian Günther (1695-1723), des bedeutesten deutschen Dichters der Vorklassik, der für die Entwicklung einer echten Ausdrucks- und Bekenntnis- Lyrik ganz neue unmittelbare Töne fand. Lag noch fern.

nach: R. Kleinert: Lyrik in Helmstedt. Teil II, 1987

Hauptseite                                                                                                                                           zum Lebenslauf

top