Leseproben

Waldeinsamkeit

Kein Wasser rauscht, kein Wasser schwoll,
sah auch kein Fischersmann
hier nach der Angel ruhevoll,
kühl bis ans Herz hinan.
Ein unscheinbares Brünnlein quillt
Im wald` gen Brunnental,
und nur vom starken Regen schwillt
das Bächlein wohl einmal.
Doch dringt, ein lauter Menschenschwarm
Ins stille Tal daher,
zu Wagen dort, hier Arm in Arm,
ein flutend Menschenmeer,
im Walde wird´ s dann überlaut,
das lacht und singt und schreit.  –
Da – aus dem dichten Busche schaut
Der Geist der Waldeinsamkeit.
Er spricht zum lauten Volksgewühl:
„Was störest meine Ruh“
der Waldesstille Frohgefühl
und holden Frieden du?
Ach, hättest jemals du gefühlt,
wie´ s traulich ist in mir,
wie´ s blüht und duftet, labt und kühlt,
du ruhtest schweigend hier.
Scheint nicht die Sonne still herein
Und wickelt Knospen los?
Schläft nicht im leisen Mondenschein
Sich Blatt und Blüte groß?
Ruht nicht der Hirsch, das scheue Reh
In meiner sichern Hut?
Freut sich nicht in des Baumes Höh`
Das Vöglein seiner Brut?
Sie hören` s nicht, verstehen` s nicht,
des Waldes leises Wort.
Sie zieh` n in Haufen, voll und dicht
Zum nahen Bade dort.
Musik, Theater, Bier und Wein
Schafft ihnen lust` ge Zeit:
Ich aber wandle gern allein
Zur Waldeseinsamkeit.

Wer weiß wie bald, dann ist es Nacht
„Vorüberwandelnd grüßte mich
ein liebend Wort, ein treu Gesicht:
ich forschte freudig, aber ich –
Gesicht und Stimm` erkannt ich nicht.
Dem Auge schwindet immer mehr
Gestalt der Dinge, Farbenpracht.
Es dunkelt mählich um mich her:
Wer weiß wie bald, dann ist es Nacht.“

Hoch dem Lehramte
Recht glücklich bin als Lehrer ich gewesen,
ich trug des Lehreramtes Lust und Leid,
den Menschengeist zu bilden, zu erlösen.
Ja, glücklich bin als Lehrer ich gewesen.
Mich – nicht Stellung, Ehre und auserlesen,
mich hat der Schüler Liebe hoch erfreut.
Ja, glücklich bin als Lehrer ich gewesen,
ich trug des Lehreramtes Lust und Leid.
War´s mir auch nicht vergönnt, im Amt zu sterben,
ich seh´ doch auf mein Wirken gern zurück.
Die schlechten Augen durften´s nicht verdereben.
War´s mir auch nicht vergönnt, im Amt zu sterben,
Furcht vor dem Rückblick kann mich nicht entfärben,
Erinnerung ist meines Lebens Glück.
War´s mir auch nicht vergönnt im Amt zu sterben,
seh´ ich doch auf mein Wirken gern zurück.
Euch, hochgeehrten, lieben Amtsgenossen,
wünsch´ ich von Herzen Lieb´ und Lust und Glück.
O möchten viel mehr Freudenblumen sprossen,
euch, hochgeehrten, lieben Amtsgenossen.
Viel Segen hat das Lehramt schon ergossen:
O bleibt nicht hinter jener Zeit zurück:
Euch, hochverehrten, lieben Amtsgenossen,
wünsch ´ ich von Herzen Lieb´ und Lust und Glück.
So ruft verehrte Festgenossen, alle:
Das segensvolle Lehramt lebe Hoch!
In schönster Eintracht Schul- und Kirchen-Halle!
So ruft, verehrte Festgenossen, alle,
da? Frieden, Lieb´ und Treu auf Erden walle,
an Wissen reich und fest im Glauben doch:
So ruft, verehrte Festgenossen, alle:
Das segenvolle Lehramt lebe hoch!





Waldeinsamkeit                                                                          Wer weiß wie bald, dann ist es Nacht

Hoch dem Lehramte
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