Leseproben von Sigrid Scheffler


... und dann fang ich an zu dichten
 

Mir brennt etwas in der Seele,
das verschnürt mir meine Kehle-
soll ich es dem Nachbarn sagen
oder den „Vier  Wänden“ klagen?
Wie dem immer es auch sei,
dieses Brennen bleibt mir treu!
Und so nehm´ ich mich beim Schopfe,
steu´re was in meinem Kopfe,
um Diverses loszuwerden,
das sich könnte ungebärden.
Da schau her, ein Stück Papier,
diesen Schnippel schnapp´ich mir
und beginne dann mitnichten
schlicht und einfach flink zu dichten.
Etwas liegt mir auf der Seele,
das ich nun der Welt erzähle
mit Geduld und Ungeduld-
wer das liest, ist selber schuld!
Weihnachtsimpressionen
Wenn die Adventszeit herannaht und Weihnachten nicht mehr fern ist, beginnt für viele Menschen, besonders für die Kinder, die Zeit froher Erwartungen. Überall herrscht dann geschäftiges Treiben. Ein jeder verbirgt seine kleinen oder auch großen Heimlichkeiten vor dem anderen.
Seinen Lieben will man besonders viel Gutes tun. Nicht nur, was das leibliche Wohl anbetrifft, mit ausgefallenen Leckerbissen und erlesene Speisen überraschen, sondern auch mit ausgewählten Geschenken Freude bereiten.
Aber nicht überall herrscht nur Freude. Allenfalls bei den Kindern, denen die Geschicke des Lebens noch weitergehend unbekannt sind, die glücklicherweise nichts von den Sorgen und Problemen der Erwachsenen ahnen.
Bei vielen älteren Menschen wandern die Gedanken, besonders um die Weihnachtszeit, in die einige, unbeschwerte Kindheit zurück, dei schon so fern liegt. Die Erinnerung an Vater und Mutter wird wieder wach, die Jahr für Jahr am Weihnachtsfest für freudige Überraschungen gesorgt und alles liebvoll vorbereitet haben.
Da steht die lustige Schlittenfahrt mit den Eltern und Geschwistern oder den Spielgefährten vor Augen, der Spaziergang durch den verschneiten Winterwald, bei dem Vater auf ein scheues Reh aufmerksam  machte. Millionenfach glitzern Schneekristalle wie Diamanten in der Sonne. Ringsrum herrscht friedvolle Stille, die nur durch das geheimnisvolle Knacken eines Astes unterbrochen wird, der  unter der Schneelast ächzt. Hier und da wird der klagende Ruf eines Vogels vernehmbar. Wenn sich dann allmählich die Dämmerung über Wald und Wiesen senkt, die ersten Sterne am Himmel funkeln, in der Ferne die Glocken die Weihnacht einläuten, sieht man sich in Gedanken mit den Eltern und Geschwistern auf dem Kirchgang.
Für eine Weile war es ein schöner Traum. Unbarmherzig ruft das Knirschen des Schnees unter den Schuhen in die Gegenwart zurück. Man lauscht allein in die Einsamkeit des Winterwaldes hinein. Die Erhabenheit der Natur und das große Wunder, das sich in den vier Jahreszeiten widerspiegelt, läst nur annähernd die Größe des Schöpfers erahnen.
Alles hat im unermesslichen All seine Bahn und Zeit. Noch einmal rufen die Glocken zum Gottesdienst. Die Menschen strömen von nah und fern herein, um die Geburt des ewigen Gottessohnes zu feiern.

Weihnachtsmann, Du hast ja Papas Schuhe an
Fünf Tage vor Weinachten feiert Christa ihren Geburtstag. Am Tag zuvor durfte sie der Mutter beim Kuchen- und Plätzchenbacken helfen. Da wurden Sterne, Herzen, die lustige Mondsichel und vielerlei mehr, sorgfältig von ihren kleinen Händen ausgestochen , von der Mutter vorsichtig auf ein Kuchenblech gelegt und in den Ofen geschoben. Ungeduldig wartete Christa dann auf das Ergebnis ihrer Arbeit. Doch schon bald zog lieblicher Duft durchs Haus und sie konnte von den Plätzchen kosten.
Am Abend wurde sie früher als sonst zu Bett geschickt. Ein wenig murrend kam sie dieser Aufforderung nach, denn ihr war nicht entgangen, dass Vater und Mutter sich so geheimnisvoll angeschaut hatten.
Einschlafen konnte sie aber noch lange nicht, zuviel ging ihr durch den Kopf. Zu gern hätte sie schon jetzt gewusst, welche von den vielen schönen Dingen, die sie auf dem Wunschzettel aufgeführt hatte, morgen auf dem Gabentisch stehen würden. Doch lauschen wollte sie nicht. Irgendwann übermannte sie dann aber der Schlaf, der sie in selige Kinderträume entführte.
Am Geburtstagsmorgen ließ Christa die freudige Erwartung früher aufstehen als sonst. Zunächst blickte sie aus dem Fenster, ein zauberhaftes Bild, eine Märchenlandschaft präsentierte sich da vor ihren Augen. Alles war tiefverschneit, die Astgabeln der Bäume und die Zaunspitzen hatten weiße Häubchen aufgesetzt, der Schnee glitzerte in der Sonne wie ein Meer funkelnder Sterne.
Erwartungsvoll trat sie dann nach dem Frühstück mit ihren Eltern an den Gabentisch heran, viele ihrer Wünsche waren in Erfüllung gegangen und sie dankte ihnen ganz herzlich dafür.
Der Nachmittag wurde ebenfalls zu einem der Höhepunkte. Nach dem Kaffeetrinken, munteren Spielen und gerade beim lustigen Topfschlagen angelangt, hörte man plötzlich lautes Poltern auf der Treppe, das sich rasch nährte. Herein trat der Weihnachtsmann mit einem großen Sack über der Schulter, aber auch eine Rute in der Hand. Im Nu war es mucksmäuschenstill im Raum. Er fragte die eine oder andere nach ihren Wünschen, die nur zögernd genannt wurden, Hanne konnte vor Aufregung nur stotternd ihr Gedicht aufsagen und Herbert, der war verschwunden. Er hatte sich unbemerkt von den anderen unterm Tisch verkrochen. Von dort vernahm sie dann auch seinen erstaunten Ausruf:  „ Weihnachstmann, Du hast ja Papas Schuhe an!“
Der Weihnachtsmann ergriff die Flucht und fortan glaubte keiner mehr an ihn.

... und dann fang ich an zu dichten
Weihnachtsimpressionen
Weihnachtsmann, Du hast ja Papas Schuhe an

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