Leseprobe von Enoch Gläser


 
 
 

An eine lustige Gesellschaft beym Valet Trunck gemacht

Seht, wir sind allhie selb sieben,
essen, trinken das Valet.
Läßt es gehen, wie es geht!
Wer sich heute will begrüben,
hat hier keinen freien Paß.
Freunde, trinkt herum das Glas.
Schlingling, Bruder, aller Brüder,
sprich, das die Melancholei
heute fern verbannet sei.
Laßt uns springen auf und nieder,
laßt uns regen Arm und Füß
und bald spielen das, bald dies.
Ach, wer weiß ob nach zwei Jahren
Wir noch leben, ich und du!
Nun, mein Damon, hör nur zu,
wo du wirst von mir erfahren,
daß ich handle wider treu,
so verweis mirs ohne Scheu.
Mein Herr Delphin, werter Sänger,
werter Spieler, der du bist,
wo men Herz nicht redlich ist;
o so wünsch ich, daß ich länger,
daß ich länger lebe nicht,
bis man guten Abend spricht.
Und du Kleeberblatt von vieren,
ihr vier Jungfern insgesamt,
ob ich heute gleich im Amt,
wie ich will, kann nicht vollführen,
so nehmt doch den Willen an,
bis die Tat erfolgen kann.
Wo das Glück wird mich beglücken,
daß ich wieder kommen darf´,
kann kein Wetter sein so scharf,
daß die Rückkunft soll verrücken.
O! ich sei auch, wer ich sei,
so verbleib ich doch getreu.
Liebster Jochim, Wirt zum Walle,
sage keinem Menschen nach,
was für Seufzer, was für Ach
wir getrieben jed´ und alle.
Jochim, halte reinen Mund,
und ihr andern bleibt gesund.

(Anm. Valet = Lebet wohl / studentischer Abschied von einer Universität bei fröhlicher Feier.
Kleeberblatt = Kleeber, mittelnierderdeutsch fürm Klee





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