Gedichte von Beireis
 
 
 

Die Eiche sprach zum Halme:
Ich bin, gleich einer Palme,
So maiestätisch groß.
Ich weiche keinem Stoß,
Selbst nicht beim stärksten Sturme;
Du bleibst, gleich einem Wurme,
In  nied´rer Erde Stehn,
Und mancht bei jedem Wehn
Nach allen Seiten hin,
Da ich unbiegsam bin,
Und selbst beim Sturm nicht weiche.
So sprach die stolze Eiche,
Und sah mit Hohn herab,-
Da brach der Sturm sie ab.
Nun sprach des Halmes Aehre
Dem Stolz zur weisen Lehre:
Da liegst du nun zerstört.,
und ich bin unversehrt.

*

Der ohne Kraft und ohn´ Ermatten
Strebte zu erhellen jeden Schatten ...
Wenn du Lehrtest, trunkenvoll entzücken,
Herchten wir was deinen hellen Blicken
In des Himmels nie ermessener Bahn
Herrliches sich aufgetan!
Da vermochtest du uns zu  entrücken
In das innere Wesen der Natur!...
Das der Mensch der Gottheit Macht erfahre
Gab sie dich uns einst mit weisem Rat!...

*

Lob auf Beireis zu seinem 50-Jahr-Jubileum als Professor an der Universität
In Namen aller Studierenden überreicht 1809
 

Als ich die erste Lerche im Anfang des Frühlings singend aufsteigend sah und hörte.
Willkommen erster Frühlingsbote!
Dein Lied verstimmt die Schneeluft nicht,
Und jede rein gesungene Note
Erinnert mich an meine Pflicht.
Du singst: „Dir, dir allein sei Ehre,
Dir Schöpfer, Dir allein sei Dank!“
Und ich, dämpfte meine Chöre,
Und säng´ ihm keinen Lobgesang?
Mein Herz ereile jeden Sänger,
Flieg´ ihm bis in die Wolken nach.
Flieg´ höher, steig´ bis zum Anfänger,
Der: Werde! Zu dem Lichte sprach.
Da Engel sich dem nichts entrissen
Und Welten folgten ohne Zahl,
Wirf dich zu seines Thrones Füßen,
Bet an in Seraphinen- Saal
Dank ihm, daß dich des Frühlings Wonne
Bald wieder in den Luftwald winkt,
Das durch den Lebensbrauch der Sonne
Die Pflanze blüht, der Vogel singt.
Des Winters Tod, des Frühlingsleben
Sei reiner Hoffnung trostreich Bild:
Gott werde dich dem Grab entheben,
Wenn dich des Tores Nacht umhüllt.

  Gottfried Christoph Beireis

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