Goethe in Helmstedt
 
 
 
 

1805 wollte Goethe sich, während  seiner Reise von Halle nach Lauchstädt (Treffpunkt der Weimarer Hofgesellschaft), mit Beireis treffen. Dieser Besuch galt allerdings auch der Universität und den Professoren. In Begleitung des Professors der Universität Halle Friedrich August Wolf, damals 46 Jahre alt und seinem 16 Jahre alten Sohn August Goethe, machte sich der 76 Jahre alte Dichterfürst auf die Reise ins "Hamsternest" Helmstedt, wie er es selbst nannte. Die sechs Tage in Helmstedt waren für ihn der Höhepunkt des Sommers 1805. Goethe befand sich zu der Zeit in einer psychischen Krise, da sein bester Freund Schiller am 9. Mai  1805 an Nierenstörungen gestorben war. Der Besuch in Helmstedt brachte ihm Genesung und innere Selbstwiederherstellung im Todesjahr Schillers.
Goethe über Beireis: " Er ist seit langer Zeit deswegen merkwürdig, dass er Sammlungen aller Art zusammengebracht hat, und zwar von solchem Umfang und Kostbarkeit, dass sie das Vermögen eines Partikuliers (Privatmann) zu überschreiten scheint".
Die Besichtigung bei Beireis nahm Goethes meiste Zeit während seines Besuches in Helmstedt in Anspruch. Helmstedt hatte zu Goethes Besuch 4500 Einwohner bei 650 Häusern. Die Industrie blühte in Helmstedt.

Goethe selbst beschreibt in den Annalen Helmstedt so:
"Helmstedt selbst liegt ganz freundlich,
der Sand ist dort, wo ein geringes Wasser fließt, durch Gärten
und sonst anmutende Umgebung gebändigt. Wer nicht gerade
den Begriff eines lebhaften deutschen Akademie mitbringt,
der wird angenehm überrascht sein, in einer solchen Lage eine ältere,
beschränkte Studienanstalt zu finden, wo alträumliche Gebäude einem anständigen Haushalt, bedeutenden Bibliotheken, ansehnlichen
Kabinetten hinreichenden Platz gewähren und eine stille Tätigkeit
desto emsiger schriftstellerisch wirken kann, als eine geringe Versammlung von Studierenden nicht jene Hast der Überlieferung fordert,
die uns auf besuchten Akademien nur übertäubt."
 

Im Hotel „Erbprinz“ nahm die Reisegesellschaft für fünf Tage Quartier. Noch heute erinnert eine Tafel  an dem Grundstück Papenberg 29 an den Aufenthalt des Dichterfürsten. 1780 war das Haus neu gebaut worden. Es war bis 1883 Gasthof.

Schon am nächsten Tag besuchte die Gesellschaft Beireis. Eine Aufnahme in Beireis Haus lehnte die Gesellschaft ab.
„ Angemeldet wie wir waren, bot er uns die Gastfreundschaft an, eine Aufnahme in sein Haus lehnten wir ab, dankbar aber ließen wir uns einen großen Teil des Tags bei ihm unter seinen Merkwürdigkeiten gefallen.“

Zunächst wurden die Vaucansonsdien Automaten besichtigt. 1785 kauft Beireis die Automaten. Bei den Automaten handelte es sich um Flötenspieler, den Trommler und die ebenso genannte berühmte Ente. Die Ente aus Messing glich einem lebendigen Vogel. Goethe fand diese Automaten nach seinen Worten „ paralysiert“ vor. Der Flötenspieler flötete nicht mehr, die Ente unbefiedert stand als Gerippe da. Zwei Werke haben Goethes Aufmerksamkeit erregt. Eines davon war ein Selbstbildnis von Dürer. Am 28.08.1805 schrieb Goethe einen Brief an Herzog Carl August:„ An Münzen besitzt er griechische, besonders in Silber eine reiche, der Vollständigkeit sich nährende Sammlung der römischen Kaiser in Gold bis auf die letzten Zeiten. Vieles moderne in Silber und Gold worunter manches rare und kuriose.“

Am letzten Tag des Besuchs zeigte Beireis Goethe den berühmten Diamanten. Goethe schrieb in den Annalen:„ ... doch von seinem Hauptschatz, dem Diamanten, hatte er noch nicht gesprochen, geschweige den selben vorgewiesen. Niemand der Helmstedter Akademieverwandten hatte den selben gesehen. Eines Morgens zeigte er die Abbildung einiger natürlichen Diamanten ... nachdem er uns die Gestalt wohl eingeprägt, brachte er ohne weitere Zeremonien aus der rechten Hosentasche das bedeutende Naturereignis. In der Größe eines mäßigen Gänseeies, war es vollkommen klar, durchsichtig, doch ohne Spur, dass daran geschliffen worden.“

Ungeklärt ist, ob dieser Stein je existiert hat und wie er in den Besitz von Beireis gekommen sein soll. Ebenso unklar ist der Verbleib des Steines, da er nach Beireis Tod nicht gefunden wurde.
Am folgenden Sonntag, 1808 ist die Gesellschaft bei Heinrich Philipp Konrad Henke ( Prof. 1752-1809) und damit in das Haus Bötticherstraße 51 zum Mittagessen eingeladen.


Quelle: Helmstedt - die Geschichte einer deutschen Stadt von Hans Erhard Müller

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