Beireis, der Professor der Chemie und der Medizin
war, gehört in die Reihe der
Professoren, die sich auch der Dichtung hingaben.
Sein Name genießt bis heute in Helmstedt einen hohen Bekanntheitsgrad.
Geboren wurde Beireis am 2.März 1730 in Mühlhausen/Eichsfeld,
wo sein Vater Bürgermeister war. Dessen früher Tod in jungen
Jahren war ein tiefer Schlag für Beireis. Doch er war immer sehr fleißig
und begann sein Theologiestudium in Jena, wo er es bis zum Kandidaten der
Theologie brachte. Doch er verlor das Interesse an der Theologie und nahm
zum Beispiel am Studium des Rechtes teil. Dies und andere verhalfen ihm
auf dem Weg zum Polyhistor.
Danach entdeckte er sein Interesse zur Medizin. Das
Studium der Medizin soll ihm durch den Erbprinzen Carl von Braunschweig
(1735-1780) ermöglicht worden sein. In einer Kantate schieb Beireis
über ihn:
Kantate,
welche bei der feierlichen Rede, die zum ehrfurchtsvollen
Andenken Seiner
Hochfürstlichen Durchlauchten, Herrn Carls, Weiland
regierenden Herzogs Braunschweigs und Lüneburg 2c. 2c., am 12. Mai
1780 in der Universitäts – Kirche zu Helmstädt gehalten wurde,
aufführete das unter des Hofrath Beireis Direktion stehende Collegium
musicum.
Chor
Weint verwaißte Länder, weinet!
Euer Titus ist entseelt.
Fürst und Menschenfreund vereinet
Eilt in ihm zur Sternenwelt
Accompagnement
Der Guelphen Carl, der beste Fürst verschied!
So klaget des geliebten Land,
Dass er jetzt flieht,
Bei dieser hohen Ceder Falle.
So seufzen, trauern alle,
Die durch des Heldenblutes mit ihm verwandt,
Und jeder der aus Pflicht,
Aus Liebe ihn als Landesvater ehrt.
Mit Tränenbild,
Mit heißen Fleh´n begehrt
Des größten Königs Schwester dem geliebten
Carl.
Germaniens Erretter
Steh`n weinend um den Sarg und schau`n zum Gott der
Götter.
Und du, die seinen Namen führt,
Die Er beglückt,
Mit neuem Licht
Und neuem Ruhm geschmückt,
Und Ewigkeit Dir gab, wie seh` ich dich gerührt,
O Julie, verlassene Caroline,
Wie trüb der Kummer Deine Miene.
Arie.
Ganz von Wehmut hingerissen,
Laßt gerechte Tränen fließen:
Carl, Dein Schutzgott, ist nicht mehr.
Diese Zeugen Deiner Schmerzen
Weinen dem verbund´ten Herzen
Tröstung, Ruh und Lind´rung her.
Accompagnement.
So wurde nie ein Fürst geliebet,
So wurde nie ein Staat betrübet,
Selbst Rom nicht bei Trajanens Tod.
Wie bei gemeiner Roth
Das Volk in Klagen Lind´rung findet:
So trauert Braunschweigs Volk und windet
Cupressen - kränz` um´s Haupt. Hier weint
der Kreis und wankt,
Der Carln sein ganzes Glück verdankt.
Dem Dürftigen entrollen Zähren,
Des mild´sten Fürsten Huld zum Dank, zu
Ehren.
Welch´ Beispiel starker Treu und Liebe!
Die Diener sterben schnell aus Gram und edlem Triebe.
So rührend wirket Carl´s Verlußt,
Ach drückt ihn tief in eure Brust.
Arie.
Ew´ger wird dies Denkmal dauren,
Als des Maujoleums Mauren,
Die die Zeit schon längst zerstöhrt;
Selbst in jenem Götterleben
Wird´s dem noch Entzücken geben,
Den er hier auf Erden ehrt.
Im Jahre 1754 zog Beireis in die Erblande seines Gönners
über und war fortan der Universität Helmstedt zugehörig.
Zum 50- Jahr- Jubiläum wurde ihm im Namen aller Studierenden folgendes
Gedicht überreicht:
Der ohne Kraft und ohn´ Ermatten
Strebte zu erhellen jeden Schatten ...
Wenn du Lehrtest, trunkenvoll entzücken,
Herchten wir was deinen hellen Blicken
In des Himmels nie ermessener Bahn
Herrliches sich aufgetan!
Da vermochtest du uns zu entrücken
In das innere Wesen der Natur!...
Das der Mensch der Gottheit Macht erfahre
Gab sie dich uns einst mit weisem Rat!...
Er hatte zu der Zeit gute Kenntnisse in Physik und
Chemie. 1755 veröffentlichte er sein akademisches Programm
„Über den Nutzen und die Unentbehrlichkeit der
Naturgeschichte“. 1795 wurde er Professor der Physik und 2. Professor der
Chemie. Im Jahre 1762 wurde er dann auch Professor der Medizin und 1767
Hofrat. Im darauffolgenden Jahr erlangte er den Titel des Professors der
Chirurgie. Als Leibarzt des Herzogs Carl Wilhelm Ferdinand ist er 1803
Präsident des Braunschweigerischen
Medizinal-Kollegiums und Mitglied verschiedener Medizinischer,
Ökonomischer und Literarischer Gesellschaften geworden.
Durch seine Vortragsweise und dazugehörigen Kenntnisse
strömten bald Studenten aller Fakultäten zu ihm.
Als Arzt gewann er großes Vertrauen. Seine Diagnosen
waren genau und immer richtig. Er behandelte Reiche für gutes Geld
und Arme manchmal auch kostenlos.
Durch Beireis ungeheuren Bekanntheitsgrad besuchte
ihn sogar Goethe 1805.
Doch Beireis versuchte sich auch in der Dichtung.
Fragt man nach der Literarischen Einordnung der Geschichten von Beireis,
so ist es wohl hilfreich, auf seine Freundschaft mit Johan-Wilhelm Ludwig
Gleim in Halberstadt hinzuweisen. In einem Lob auf Gleim heißt es
bei Beireis:
„Bester des Menschengeschlechts und sltenes Beispiel
der Tugend,
welcher im Stillen Freude verbreitet und menschliche
Herzen noch weit
menschlicher bildet! O welche seligen Freuden goss
dein Kuss mir ins Blut,
als ich aus Halberstadt eilte...“
Am 13. September 1809 erkrankte Beireis an einer bösartigen
Ruhr, die damals in Helmstedt grassierte. Am fünften Tag seiner Krankheit
starb der 79-jährige und sank ruhig und mit Ergebung in die Arme des
Todes. Drei Tage später wurde der Leichnam in einem gemauerten Gewölbe
auf dem Friedhof an der
St. Stephanikirche beigesetzt. Das Kirchenbuch schließt
die Eintragung mit dem Wunsch:
„Sanft ruhe die Asche des verdienstvollen Mannes“
Heute ist die Grabstelle von Beireis eingeebnet und
sein berühmtes Haus verschwunden. Die Gedenktafel ist im Helmstedter
Stadtarchiv zu finden.

Quelle: R. Kleinert: Lyrik in Helmstedt/ Teil II