Klassentreffen 2020

 

Viele Jahre sind vergangen, nachdem sich die ehemalige Klasse 11a des THGs trennte und von dem Zeitpunkt an jeder seine eigenen Wege ging. Dennoch trafen sich die Organisationstalente Mandy und Stefan nach 20 Jahren wieder um ein Klassentreffen zu planen. Mandy hat in der verstrichenen Zeit einen Job als Dolmetscherin in irgendeiner Firma angenommen, während Stefan sein Geld als Programmierer in seinem selbst aufgezogenem Betrieb in Braunschweig verdient. Das Wiedersehen sollte an einem der Klasse vertrauten Ort stattfinden. So fragten sie den Hausmeister des THGs ob sie nicht den alten Unterrichtsraum für einen Abend mieten könnten. Dieser willigte lächelnd ein und bot auch noch netterweise seine Hilfe für Aufbau und Dekoration an.  

In den folgenden Tagen trafen sich die beiden häufiger, um zu überlegen, wie sie ihre alten Mitschüler erreichen beziehungsweise einladen könnten. Bei den meisten war dies einfach, da sie, selbst nach so langer Zeit, immer noch in und um Wolfenbüttel lebten. Natürlich gab es auch ein paar Ausnahmen, wie zum Beispiel Christine, die gleich nach ihrem Abitur in die Staaten zog und dort nun lebt, weil sie von ihrem damaligen, fast einjährigen Aufenthalt so begeistert war. Die Sache mit Benz wird ebenfalls eine Herausforderung, da er nach seiner Lehre von einem Agenten “entdeckt“ worden ist und nun als gut bezahlter Quarterback für die Braunschweig Lions spielt und nur schwer zu erreichen ist, da diese fast immer unterwegs sind.  

Bei ihren Recherchen über Wohnorte und Telefonnummern sahen sie, dass es doch komplizierter werden würde, als es aussah. Annica wohnt zwar noch in Dorstadt, hat aber einen zweijährigen Modelvertrag bei Gucci, dem sie nachgehen muss. Das heißt kaum zu Hause, viele Termine und viel Stress. Außerdem sind Johannes und Manuel vor ein paar Monaten nach New York gezogen. Nach ihrem musikalischen Erfolg in Deutschland sind die beiden Ganja-Brains in die Weltmetropole gekommen, haben dort ein kleines aber mittlerweile nicht schlecht laufendes Hip-Hop Label gegründet um den deutschen Rap in den Staaten zu etablieren. Ihre Idee schlug mächtig ein. Währenddessen haben sie namenswerte Künstler unter Vertrag und sie genießen ihr Leben “in vollen Zügen“.  

Schließlich haben Mandy und Stefan es doch noch geschafft alle Einladungen an die richtigen Adressen zu schicken. Der Abend des Wiedersehens rückte immer näher. Bisher kamen noch keine konkreten Absagen. Der Raum wurde noch fertig dekoriert und dann konnte es schon losgehen.

Die ersten, die ihre alte Folterkammer 2000 wiedergefunden haben waren Bianca und Manja, wie immer pünktlich. Aus den zwei kleinen pubertären Blumenkindern wurden zwei reife, anspruchsvolle Schönheiten mit gut bestückter Vorderkante, was Stefan persönlich auch gut fand. Sie waren vom Sektempfang sehr erfreut, so dass jeder sich gleich zwei Gläser gönnte. War ja schließlich umsonst.  

Als hätte man’s geahnt, klopfte es wieder an der Klassentür. Es waren Lena, Ilka, Inga und Annike. Lena, knackiger als eine Piemont-Kirsche, trat als erste dieses Quartetts ein. Man sah sofort, sie hat nach ihrem Abitur immer noch fleißig Aerobic trainierte.

Ilka unterhielt sich derweil mit Bianca über Gott und die Welt, wobei sie ordentlich Sekt tankten. Annike und Inga allerdings standen noch etwas verloren im Raum herum. Nach einiger Zeit hatten sich dann alle, wenn auch mit kleineren Verspätungen, im Klassenraum eingefunden.  

Also konnte das von Stefan extra für diesen Abend konzipierte Programm beginnen. Dies fing damit an, dass er  alle Gäste in die Aula bat. Dort war dann eine Live-Band anzufinden, die die mittlerweile 20 Jahre alten Millenium-Hits spielte, wie z.B. “Join me (in death)“ von HIM. Dieses Lied gefiel Ann-Christin ganz besonders, da sie sich schon in ihren jungen Jahren die Songs von ihren damaligen Lieblingsmusikern reinzog.

Als Verpflegung für die Gäste gab es ein kaltes Buffet mit einer riesigen, alkoholischen Bowle, welche mit großem Verlangen getrunken wurde, speziell von Benz, Manja und Bianca.  

Mitunter das größte Aufsehen erregte Alexander. Denn von Jahr zu Jahr nahm sein Haarwuchs immer weiter ab. Man vermutet eine Hormonschwankung als Ursache... Jedenfalls hatte er nun eine ganz kahle Matte, glatt wie ein Kinderpopo, wie Meister Propper. OK, man müsste sich eine Zeit lang daran gewöhnen, doch einige fanden, dass er jetzt vielleicht doch besser aussieht als mit ’nem Muff.

Im Laufe des Abends kam es zu lebhaften Unterhaltungen zwischen den alten Klassenkameraden. Man plauderte über vergangene Erfolge bzw. Pleiten, über Zukunftspläne oder einfach nur über die schönste Schulzeit, die man zusammen als Gemeinschaft erlebte. Es passierte so viel. Die meisten machten im letzten Schuljahr vor dem Kurssystem ihren Führerschein bzw. wurden volljährig. Eines Tages verschwand mal das Klassenbuch und die Lehrer haben Mandy und Manuel wochenlang dafür verantwortlich gemacht, da sie für das Buch zuständig waren. Heute können sie darüber nur noch lachen.  

Während sich alle köstlich amüsierten trat das ein, was niemand für möglich hielt. Ein Gast mit einer leicht rot glühenden Haut kam durch die Tür. Es war der von allen vermisste Sven-Uwe. Bei seinem Anblick schoss jedem von uns die Abschlussfahrt von Kiel durch den Kopf. Dort holte er sich einen derart schlimmen Sonnenbrand, der ihn noch Tage später quälte. In der vergangenen Zeit hatte er sich, wie erwartet, zum Filialleiter der Marktkaufniederlassung Wolfenbüttel hochgearbeitet, wo er jetzt sehr gut verdiente. Anstatt alle erst einmal zu begrüßen fragte er gleich, wo den der Feigling stünde, der selbst nach 20 Jahren immer noch sein alkoholisches Lieblingsgetränk war.                             

Eine besonders interessante Karriere bot allerdings Frauke, die mittlerweile mit Johann liiert war.  Ihr gelang es, eine feste Rolle in der berüchtigten Daily-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ zu bekommen. Sie stieg in Folge 10304 ein und wartet immer noch auf ihre Chance nach Hollywood zu gehen, da sie ständig nach Erfolg strebt.  

Spengl hatte schon vor ein paar Jahren seinen Pilotenschein gemacht und er verdient jetzt sein Brot mit Inlandsflügen von Hamburg nach München. Der einzige, der seinen Kindheitsberufswunsch verwirklicht hatte war Marten. Er ist Oberbrandmeister der Feuerwehr Linden geworden, worüber er sich unglaublich freute. Olli machte sein Hobby zu seinem Beruf und bastelt nun in seinem eigenen Tuning-Studio an Autos herum. Nach einer gescheiterten Musikkarriere entschloss sich Martin seine Stimme als sein Kapital einzusetzen. Deshalb arbeitet er als Stimmenimitator für Kinofilme und macht nebenbei noch ein bisschen Stand-Up Comedy. Tobi für seinen Part, hat das gemacht, was er am besten konnte und immer noch kann, nämlich schwimmen. Er war der einzige, der Beruf und Sportlerkarriere zusammen unter einen Hut brachte, ohne dabei eine Domäne zu vernachlässigen. So schwamm er sich bei einem seiner drei Olympiateilnahmen sogar mal bis auf den zweiten Platz und zählt in der Zeit zu den besten seiner Klasse.          

Das Klassentreffen näherte sich viel zu schnell dem Ende. Um sich nicht wieder ganz aus den Augen zu verlieren tauschten die meisten ihre Adressen bzw. Telefonnummern aus, um sich mal wieder zu sehen. Gegen Mitternacht waren nahezu alle verschwunden. Manuel brachte wie immer Alex, Bianca und Manja nach Hause, da diese zwar einen Führerschein besaßen, jedoch nicht mehr dazu imstande waren sich selbst Heim zu bringen. Die einzigen, die noch unerschütterlich vor der Schule standen waren Lena und Johannes. Wie in alten Zeiten plauderten sie bis zum Morgengrauen, ehe sein Flieger nach New York ging und er sie verlassen musste.

Mandy und Stefan saßen im verwüsteten Klassenraum herum, freuten sich aber doch das alles so glatt abgelaufen ist und sie versprachen sich in 20 Jahren ein wiederholtes Kassentreffen zu organisieren....

 

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