Interview mit Johannes Reuter

   

Herr Reuter, ich möchte Sie im Namen der Klasse  herzlich willkommen  heißen.

 

Was verbinden Sie mit Wolfenbüttel ?

 

- Ich habe damals in Sottmar  meine Kindheit verbracht und  hier in Wolfenbüttel die Schule besucht, kenne also die Wolfenbütteler Verhältnisse sehr gut.

Einmal ist es die kulturelle Substanz, das historische Ambiente, durch Jahrhunderte hindurch, dann auch die Autorenschaft. Es hat ja hier nicht nur Lessing gelebt und sein schönstes und glücklichstes Jahr mit Eva König im Lessinghaus verbracht, bevor der dramatische Abgang war.

 Dann für etwa 8 Jahre war Wilhelm Raabe hier. Wir haben ja hier eine Wilhelm Raabe Renaissance gehabt in den 50er, 60er Jahren. Meine Einstellung war sehr stak zu Raabe, angefangen von der Chronik der " Sperlingsgasse" bis zu weiteren Stücken, die er geschrieben hat.

 Wilhelm Busch, der ja hier selber nicht lebte, aber der hier glückliche Tage und Wochen bei seinem Bruder im Forsthaus verbrachte und auch viele Anregungen hier bekam. Für die Tiergeschichten zum Beispiel und die Geschichten des Bösen Raben.

Die Herzog August Bibliothek, mit der ich als Redaktionsleiter der Braunschweiger Zeitung in Wolfenbüttel viel zu tun hatte.

Herzog August hat die Bibliothek im Laufe der Zeit im Bücherbestand von etlichen tausend Büchern  aufgebaut, die seine " Agenten" in Deutschland, Frankreich, aber auch in Österreich und der Schweiz zusammen suchten. Das war  mit Sicherheit ein teurer Spaß, den er sich als Herzog erlauben konnte, aber das war dann, kann man sagen, schon der große Grundstock für diese doch sehr große, inzwischen international betriebenen Bibliothek.

Der Mensch, mit dem ich damals fast zwanzig Jahre zusammen arbeitete, war  Professor Doktor Raabe, der dann die Bibliothek für die Bürger öffnete und weiter ausbaute. Dadurch hat sie auch einen internationalen Ruf bekommen.

Wenn  wir jetzt mal bei der Kultur bleiben, das Lessingtheater. Dort  habe ich  selber dreißig Jahre Rezensionen über Aufführungen geschrieben und habe fast die ganze deutsche Schauspielelite kennengelernt, denn das war eine Sache, die mich sehr interessiert hat.

 

Haben Sie für die Zeitung nur Kulturelles geschrieben?

 

-Ich hatte unter mir 8 Redakteure/ innen und habe auch versucht jedem gerecht zu werden in der Verteilung der Schwerpunkte. Ich habe mich primär für die kulturelle Sache Wolfenbüttels interessiert und mein Stellvertreter hat sich dann mehr um die Kommunalpolitik gekümmert, da das ihn mehr interessierte. Wir hatten damals viele freie Mitarbeiter, von denen  eine Lokalzeitung auch lebt.

 

Woher nehmen Sie die Inspirationen für ihre Bücher?   

 

-Das ist unterschiedlich. Man kann nicht immer nur die Phantasie walten lassen, es gibt eben auch Dinge, die eine reale Substanz haben. Die Titelgeschichte von "Puppen sterben nicht"  wurde mir von einem Mann erzählt. Ich darf sagen, zu 90 % ist diese Geschichte Realität. Man hat natürlich als Schriftsteller immer noch so ein paar Schlenker dabei. 

 

Wie sind  Sie zum Schreiben gekommen?

 

- Mit 14 Jahren habe ich bereits meinen ersten Kurzroman geschrieben, eine Geschichte, die im   Kohlenatlas im Aurur spielte. Daraus ist aber weiter nichts geworden, aber das war der Ansporn überhaupt, kreativ,  wenn man diesen Ausdruck früher gebrauchen durfte, zu sein. 

 

Gab es andere herausragende Erlebnisse im Bezug auf ihre schriftstellerische Tätigkeit ?

 

-Mit 16 Jahren habe ich angefangen für die Zeitung zu schreiben und habe damit mein erstes Taschengeld verdient, denn zu Hause gab es ja nicht viel, höchstens 2 Mark im  Monat,   so 40, 50, 60 Mark so zusammengeschrieben, aber das war vor dem Krieg. Um einmal die Relation aufzuzeigen, da verdiente ein Gespannnführer um die 120 Reichsmark.

 

 Was beinhaltet die Arbeit eines Schriftstellers?

 

- Es ist wichtig, dass man als Schriftsteller oder Journalist nicht nur früher in der Schule ein guter Aufsatzschreiber war, sondern es gehört schon einiges mehr dazu. Man muss auch sehr hart an sich selbst arbeiten. Für mich ist das Schreiben eine Medizin, im übertragenen Sinne. Aber man sollte auch eine gute Allgemeinbildung haben, das ist meiner Meinung nach heutzutage immer noch sehr wichtig.

 

Vielen Dank, dass sie Zeit für dieses Interview gefunden haben.

 

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