Rolf Dieter Brinkmann und sein Verhältnis zur Schule


„...

Der Bauer summt,

der Kühlschrank brummt

die Kinder kommen aus der Schule

und sind verdummt

...“

Aus Rolf Dieter Brinkmann, Noch einmal auf dem Land, Rolltreppen im August,

Berlin DDR 1986, S. 74.


Rolf Dieter Brinkmann wurde am 16. April 1940 in Vechta geboren, wo er von 1951 bis 1958 das Gymnasium Antonianum besuchte. Er mochte die Schule nie und bezeichnete sie als verlorene Zeit.

In seiner Rückerinnerung erschien ihm die Schule als Schreckensort, aus der er psychische Deformationen (Missbildungen) davongetragen hat. Er hatte den Lehrern Knochenbrüche gewünscht und sagte, dass er von Krüppeln erzogen wurde. In seiner Freizeit übte er stundenlang die Unterschrift seiner Eltern zu fälschen, um sich selber Entschuldigungen zu schreiben. Somit fehlte er allein im III. Dritteljahr der 10. Klasse 129 Stunden.

Nachdem er die 9. Klasse wiederholen musste und im Frühjahr 1958 mit einem Notendurchschnitt von 3,78 nicht in die 11. Klasse versetzt worden war, trat er daraufhin mit einem Abgangszeugnis eine Stelle als Steueranwärter für die mittlere Laufbahn beim Finanzamt in Oldenburg an.

Seinen Klassenkameraden war er als frecher Spaßvogel in Erinnerung. Er war ein wilder junger Mann, seine Freunde bewunderten ihn für seinen Mut vor großem Publikum Theater zu spielen und für das Aufführen von selbst ausgedachten Sketchen. Von seiner Mutter ließ er sich Pullover in den verschiedensten grellen Farben stricken. Außerdem trug er zwei unterschiedliche Schuhe, um so auf sich aufmerksam zu machen.

Sein damaliger Deutschlehrer Georg Neumann, dem er Zeit seines Lebens in Abhängigkeit zu getan war, erkannte natürlich, dass er hochbegabt war.

Wenn Rolf Dieter wollte, schrieb er bessere Aufsätze als alle anderen. Jedesmal wenn ein neues Buch von ihm herauskam, schickte er es mit einer Widmung versehen zu diesem Lehrer nach Vechta. Für Brinkmann war Georg Neumann wohl der Mensch, bei dem er das meiste Verständnis für sein Schreiben erhoffte Brinkmann war es noch immer wichtig, von seinem ehemaligen Deutschlehrer wohlwollend beurteilt zu werden.