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Hoffmann von Fallersleben und die Zensur

Die ersten politischen Schriften veröffentlichte Hoffmann in den Jahren 1818 und 1819. Er kritisierte die politischen Machtverhältnisse nach Ende der Befreiungskriege in Hannover. Damit begab er sich auf das äußerst gefährliche Gelände des politischen Gedichts. Da er die Schriften anonym veröffentlichte, hatte er keine Konsequenzen zu befürchten. Er nannte seine Gedichte bewußt unpolitisch, um die Zensur zu täuschen. Dies gelang ihm aber nur bei dem ersten Teil. 1840 veröffentlichte Hoffmann trotz Warnung seiner Freunde und seines Bruders aus Berlin den ersten Teil der "unpolitischen Lieder". – Diesmal wollte er nicht mehr anonym bleiben. Mit den "unpolitischen Liedern" kritisiert er auf ironische Weise die deutschen Fürsten, den Adel samt seiner Vorrechte, sowie Zensur und Knebelung der Presse, Militär und Polizei mit ihren Spitzeln und die Philisten, die deutschen Spießer. Hoffmann v. F. verwandte bewußt einen einfachen Volkston und eine volkstümliche Melodie. Er veröffentlichte den zweiten Teil der unpolitischen Lieder 1841. – Das Stück kam durch die Hamburger, jedoch nicht durch die preußische Zensur. Es folgten strenge Untersuchungen der Universitäten. Hoffmann versuchte sich herauszureden, indem er versicherte, die Gedichte als freier Poet und nicht als preußischer Professor verfaßt zu haben. Außerdem sei er nur Sprachrohr des Volkes, dessen Stimmung er in Worte gefaßt habe. All sein Bemühen blieb vergebens und eine Entlassung Hoffmanns als Professor, ohne jeden Pensionsanspruch, folgte 1842.

Ein Vorwurf gegen Hoffmann war, er habe die studentische Jugend zum Haß gegen Landesherren und Obrigkeit aufgestachelt und somit sein Amt als Professor mißbraucht. Plötzlich stand Hoffmann im Mittelpunkt der deutschen Öffentlichkeit. Die Zeitungen berichteten über ihn, seine Lieder und die Amtsenthebung. Das staatliche Verbot erwies sich für die unpolitischen Lieder als die beste Werbung. Überall, wo die Auflage nicht konfisziert wurde, verkaufte sie sich blendend. Hoffmann war nicht nur für die Presse, sondern auch für die Polizei sehr interessant. Diese legte 1842 ein Akte mit umfassender Persönlichkeitsdarstellung Hoffmanns an. Durch Spitzel der Polizei wurde Hoffmann den ganzen Tag überwacht. Personen, die zusammen mit Hoffmann gesichtet wurden, mußten sich vor der örtlichen Polizei verantworten.

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