Die Gruppe 61

 

Programmatisches

 

Programm der Gruppe 61

 

"Die Dortmunder Gruppe 61 stellt sich folgende Aufgaben:

Literarisch-künstlerische Auseinandersetzung mit der industriellen Arbeitswelt der Gegenwart und ihrer sozialen Proble­me. Geistige Auseinandersetzung mit dem technischen Zeitalter. Verbindung mit der sozialen Dichtung anderer Völker. Kritische Beschäftigung mit der früheren Arbeiterdichtung und ihrer Geschichte.

Die Dortmunder Gruppe 61 setzt sich zusammen aus Schrift­stellern, Journalisten, Lektoren, Kritikern, Wissenschaftlern und anderen Persönlichkeiten, die sich durch Interesse oder Beruf mit den Aufgaben und der Arbeit der Gruppe 61 verbunden füh­len und mitarbeiten wollen.

Die Dortmunder Gruppe 61 will durch Kritik, Aussprache, Beratung und Diskussion in Lesungen, Zusammenkünften und Veröffentlichungen das Schaffen der Gruppenmitglieder för­dern.

Die Dortmunder Gruppe 61 ist in jeder Beziehung unabhängig und nur den selbstgestellten künstlerischen Aufgaben verpflich­tet - ohne Rücksicht auf Interessengruppen. Die Begegnung verschiedener Charaktere, die Entfaltung unter­schiedlicher Begabungen, der Austausch gegensätzlicher Mei­nungen und Gestaltungsformen soll anregend auf die Arbeit der Gruppe und ihrer Mitarbeiter einwirken. Unter Berücksichtigung der Thematik bleibt jedem Mitglied der Dortmunder Gruppe 61 grundsätzlich die Wahl der Themen, der Gestaltungsmittel und Ausdrucksformen überlassen. Die künstlerischen Arbeiten müssen individuelle Sprache und Gestaltungskraft aufweisen oder entwicklungsfähige Ansätze zu eigener Form erkennen lassen.         

Der Eintritt in die Dortmunder Gruppe 61 kann erfolgen durch schriftliche Bewerbung - unter Vorlage verschiedener zur Kritik gestellten Arbeiten - oder durch Einführung oder Vorschlag eines Gruppenmitgliedes und Lesung von Arbeitsproben in einer nichtöffentlichen Zusammenkunft der Gruppe. Bevor Arbeiten von Bewerbern oder Mitgliedern in öffentlichen Veranstaltungen der Dortmunder Gruppe 61 vorgetragen oder in gemeinsamen Publikationen veröffentlicht werden, müssen sich die Autoren mit ihren Texten und Themen der Kritik der Gruppe stellen.

Für den Vortrag und die Veröffentlichung von Texten trägt die Dortmunder Gruppe 61 nur dann die Verantwortung, wenn sie der Veranstalter oder Herausgeber ist. Auf eine fest organisierte Form der Gruppe nach dem Vereins­gesetz wurde verzichtet. Entstehende Unkosten werden von den Mitgliedern der Gruppe gemeinsam getragen. Die Mitglieder übernehmen die Verpflichtung, je ein Exemplar ihrer Veröffentlichungen, Kritik usw. - soweit sie sich mit der Thematik der Gruppe befassen - dem Archiv der Dortmunder Gruppe 61 zur Verfügung zu stellen.

 

Grundsätze der Gruppe 61 (Programm 1971)

l. Die Gruppe 61 will unter Benutzung aller Kommunika­tionsmöglichkeiten Sachverhalte der Ausbeutung ins öffent­liche Bewusstsein bringen.

2. Die Angehörigen der Gruppe verfolgen dieses Ziel unter Ausnutzung aller geeigneten literarischen und journalisti­schen Formen sowie in politischen Aktionen.

3. Angehöriger der Gruppe kann werden, wer mit seiner Ar­beit dieses Ziel verfolgt und die Gruppenzugehörigkeit wünscht. Aufnahmeanträge werden allen Gruppenangehöri­gen zur Kenntnis gebracht. Über Aufnahme in die Gruppe entscheidet die Mehrheit der Gruppenangehörigen.

4. Die Gruppe ist bereit, mit allen Gruppierungen ähnlicher Zielsetzung zusammenzuarbeiten (z. B. Werkkreis 70, Pörfattercentrutn Stockholm, Work and Art Birmingham).

5. Die Gruppe trifft sich mindestens zweimal im Jahr zu Kritik, Beratung und Diskussion von Projekten, Aktionen und Produktionen sowie zum Erfahrungsaustausch.

6. Die Gruppe führt jährlich mindestens eine öffentliche Veranstaltung durch.

7. Die Gruppe fördert kollektive Produktionen.

8. Die Gruppe bedient sich der vorhandenen Produktionsapparate und Verbreitungssysteme und versucht darüber hinaus, Zielgruppen zu erreichen, die von diesen Systemen nicht erreicht werden. Dazu wird die Gruppe eigene Produktionsmöglichkeiten und Verteilungswege entwickeln.

9. Die Gruppe wählt einen Sprecher und zwei Stellvertreter jeweils für die Dauer von zwei Jahren. Dieses Gremium vertritt die Interessen der Gruppe.

10. Um Abhängigkeiten der Gruppe zu vermeiden, werden entstehende Unkosten durch Beiträge gemeinsam  aufgebracht.