2. Lehrerstation Remarques in Klein Berßen
            (Emsland / Niedersachsen)
 
Auszug aus der Schulchronik


Quelle: Schulchronik  der Grund- und Hauptschule Klein Berßen, 1920
             abgeschrieben von:  Nicole


Zeitzeugen  (I)

Wir haben uns mit Frau Schmalfeld vom Heimat- und Verkehrsverein
Klein Berßen Interviews von einer Kassette angehört. Auf dieser
Kassette berichteten drei Männer aus Klein Berßen von Remarque,
den sie 1920 als Lehrer in Klein Berßen gehabt hatten.
Die ehemaligen Schüler von Remarque hießen :
Herr Geers, Herr Ficker, Herr Wester .
Frau Schmalfeldt hat uns das Plattdeutsche ins Hochdeutsche übersetzt
und wir haben alles aufgeschrieben.
 
 

Interview von Zeitzeugen Remarques

mit Herrn Horst Heinrich Bechtluft vom NDR
 
 

Interview mit Zeitzeugen

Herr Gerhard Wester (links / verstorb .),
Theo Kröger (Bürgermeister/hinten-links),
Herr Bernd Geers ( vor ca. 2 Jahren verstorben) ,
Herr Bechtluft (NDR),
Bern. Ficker (rechts vorne / erkrankt)





Bistro vom NDR 1 Radio Niedersachsen:

„Im Westen nichts Neues“ – ein Antikriegsroman, den viele gelesen haben und viele noch lesen.
Im Jahr 1929 ist der Roman erschienen, und er den Schriftsteller Erich – Maria Remarque mit
einem Schlag zuerst in Deutschland und dann in aller Welt bekannt gemacht.
Und woher kommt Erich – Maria Remarque? Er kommt aus Niedersachsen, genauer gesagt
aus Osnabrück. Dort wurde er 1898 als Erich Remark geboren. 1970 ist er dann in Locarno
gestorben. In den Jahren 1919 und 1920 hat er sich nicht nur der Kunst gewidmet, sondern
wurde im Emsland als Lehrer eingesetzt. Horst Heinrich Bechtluft hat drei ehemalige Schüler
des großen Schriftstellers besucht, und die haben so ihre eigenen Erfahrungen gemacht mit dem
Dorfschullehrer, eben aus der Sicht der Schüler.

Herr Bechtluft:

Unter einem grünen Walnussbaum hat er gesessen, der aus Osnabrück
stammende 22-jährige Hilfslehrer Erich – Maria Remarque, und das war 1920
im Dorf Klein Berßen im Emsland. Er soll über seine Erlebnisse im 1. Welt-
krieg nachgedacht haben, sozusagen über seine Memoiren, schon als junger Mann.
 

Herr Geers:

Also, die Memoiren, die tat er unter dem Walnussbaum, dort tat er die
Memoiren auffrischen. Und dann haben wir als Kinder gedacht: Was
kommt  da wohl bei raus?
 

Herr Bechtluft:

...erzählt Bernhard Geers aus Klein Berßen. Er war als achtjähriger Schüler
beim Hilfslehrer Remark, jedenfalls einige Monate lang. Ja, und
herausgekommen ist tatsächlich dann im Jahre 1929 der bis heute
unvergessliche Welterfolg des Antikriegsromans „Im Westen nichts Neues“.
von Erich – Maria Remarque. Die Erinnerung an den weltbekannten Autor, die
werden jetzt im Dorf Klein Berßen bei der Benennung einer Straße wieder
wach. Und Bürgermeister Theo Kröger, der kann immerhin darauf verweisen,
dass der Schriftsteller nicht nur mit einer Namenserinnerung geehrt wird,
sondern, dass er tatsächlich den Boden dieser Straße hier neben der Kirche in
Klein Berßen oft genug betreten hat.
 

Herr Kröger:

Das alte Lehrerhaus oder Küsterhaus stand also an dieser Stelle, nicht so wie
heute die Straße verläuft, aber auf jedem Fall in diesem Bereich direkt an der Straße.
[...]
Im September 1993 wurde die 'Remarquestraße'  in Klein Berßen eingeweiht.

Herr Bechtluft:

Die Zustimmung zur Namensgebung war in Klein Berßen einhellig. Die
ehemaligen Schüler von Erich – Maria Remarque, die denken aber beim
Anblick des neuen Straßenschildes eher an den gelben Rohrstock des
pazifistischen Schriftstellers als an dessen Roman und eher an die
Verwünschungen seiner Schülerschaft, deren Sprache er ja nicht einmal sprach.
 

Herr Ficker:

Originalton - Schüler Remarques -Er hatte so einen gelben Stock,
die Schokolade nannte er ihn.
Oh, was haben wir Haue bekommen, mehr Haue als lernen.
Ja, 'Faulenzia, Bummelenzia, wie bist du so schön'. Er konnte ja selbst nichts,
dann konnte er anderen Leuten ja auch nichts beibringen.
 
 

Herr Bechtluft:

Doch Bernd Ficker und Bernd Geers aus Klein Berßen, die wissen
als über  80-jährige mit ihrer Lebenserfahrung ganz genau, das Prügeln
des Junglehrers Remark entsprang eher dessen beruflicher Notausbildung
und Hilflosigkeit damals. Denn auch das hat der heute 86 – jährige
Gerhard Wester schon als Zwölfjähriger festgestellt:

Gerhard Wester:

Der war einfach anders eingestellt als die Lehrer hier waren.
Viel lebhafter und der haute drauf.



Quelle: NDR 1 Hörfunksendung von: 1996

aufgeschrieben von:  Anne Katrin, Julia, Stefanie, Meike


Fundstellen aus der Arbeit im E. M. Remarque-Archiv Osnabrück
 

REMARQUE  in Klein Berßen

Olga, die neunzehnjährige Tochter von
Lehrer Nieberg, mag Erich Maria Remarque.
Sie ist in ihn "verliebt bis über beide Ohren". Nur
zusammen mit Olga Nieberg will Remarque
die Kirmes in Klein Berßen feiern.
Doch Olgas Mutter erlaubt es nicht.
Darüber wird Erich Maria "böse"und
spricht "tagelang" kein Wort mehr mit
der Mutter.



gefunden und geschrieben im Remarque-Archiv Osnabrück von: Nicole, Sara, Theres

Quelle: Remarque-Archiv Osnabrück.Mürmann, Brief 24.11.1994

Darüber hinaus übt Lehrer Remarque "fleißig"
auf dem Klavier der Familie Nieberg.
Er kann " alles Spielen", erteilt der dreizehnjährigen
Lena Nieberg Klavierunterricht
und singt mit ihr "im Duett" Carl Loewes
melancholisches Lied "Die Uhr".

Mürmann, Brief 24.11.1994



gefunden und geschrieben im Remarque-Archiv Osnabrück von: Nicole, Sara, Theres


 
 
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