Remarques Brief an Pastor Brand


Als wir im Remarque-Archiv waren, hat Frau Oerke uns einen
Thementisch zu Remarque mit vielen Schriften und Büchern vorbereitet.
Dort haben wir einen interessanten Brief gefunden. Diesen haben wir
dann mit Frau Baldauf versucht zu lesen.
Der Brief handelte von Pastor Brand aus Klein Berßen und Remarque.
Der Remarque hatte sein Geld nicht bekommen, und er war sauer auf
Herrn Brand. Sie haben sich in Briefen gezankt und gestritten.
Einmal hat Herr Brand einen Brief bekommen, wo zwei
nackte Frauen drauf waren. Herr Pastor Brand war ganz sauer.
Wir haben diesen Brief von Remarque und Pastor Brand übersetzt.

Briefwechsel  von  Erich Maria Remarque
mit Pastor Brand  - Klein Berßen


Brief Remarques an Pastor Brand   (1. Seite)
 

Abschrift des Briefes von: Meike ( Klasse 3)  aus Klein Berßen:

Abschrift des Remarque-Briefes

Fortsetzung des Briefes:

Brief Remarques an Pastor Brand   (2.Seite)
(Quelle:  Remarque - Archiv. Osnabrück)

Abschrift: Brief Remarques an Pastor Brand



Abschrift des Briefes von Meike ( Klasse 3)  aus Klein Berßen:


 
 

Abschrift des Remarque-Briefes


Abschrift des Briefes von:  Nicole

Zeitzeugen  (II)

Wir haben uns mit Frau Schmalfeldt vom Heimat- und Verkehrsverein
Klein Berßen Interviews von einer Kassette angehört. Auf dieser
Kassette berichteten drei Männer aus Klein Berßen von Remarque,
den sie 1920 als Lehrer in Klein Berßen gehabt hatten.
Die ehemaligen Schüler von Remarque hießen :
Herr Geers, Herr Ficker, Herr Wester .
Frau Schmalfeld hat uns das Plattdeutsche ins Hochdeutsche übersetzt
und wir haben alles aufgeschrieben.



 

Plattdeutsche Geschichten beim NDR - 1998
 

Herr Bechtluft:

Vor mir liegt die Kopie eines alten Briefes. Der Kopf von dem Brief
zeigt ein Bild, da sitzt ein junger, dicker Mann mit Frack und Zylinder
im Gras. Den Zylinder hält er in seinem Schoß. Links und rechts von
dem Mann sitzen zwei hübsche Mädchen im Gras. Die Mädchen sind
nackt und sie gucken zu dem jungen Mann. Lange Haare hängen den
Mädchen vom Kopf und auf die Brust. Jugendstil nennt man das ja wohl.
Unter dem Bild steht : Erich Remark – Schriftsteller,
Osnabrück den 8. November 1920.
Und nun kommt der Hammer:
Der Brief ist adressiert an den katholischen Pastor.
Der Schriftsteller Erich Remark, später nennt er sich ja wohl Erich Maria
Remarque, er will den katholischen Dechant Gerhard Brand wohl provozieren.
Als Schulmeister mit 22 Jahren hatte Remark den alten Pastor in
Klein Berßen im Emsland im Sommer 1920 richtig kennen gelernt.
Und nun schrieb er ihm, dass er mit der Schule in Berßen nichts
mehr zu tun haben will – unter dem Bild von den  nackten Jugendstil – Mädchen.
Und nun, heute, 74 Jahre später, sitze ich hier in Klein Berßen zusammen mit
3 alten Schülern von dem Schulmeister Remark.
Bernhard Geers, der ist 82, er kann sich noch erinnern an Lehrer Remark:

Bernhard Geers:

Der Mann, der hat sich nicht wohl gefühlt, und der ist auch nicht
warm geworden in der Gemeinde. Und der alte Dechant, der schon
ein bisschen tatterig war, der hatte ihm einen Brief geschrieben.
Und den hat er dann mit rot unterstrichen, jeden Fehler, und hat
ihm den Brief dann wieder zurückgeschickt.
Und der Stock, viele Stöcke brauchte er, wie sagte er noch:
'Faulenzia, Bummelenzia, wie bist du so schön.'

Herr Bechtluft:

'Faulenzia, Bummelenzia', das waren die Schimpfwörter von Schulmeister
Remark gegen seine Schüler in Berßen damals, in der alten Schule direkt
neben der Kirche. Bernd Ficker ist 84, auch er weiß noch von der vielen
Haue, denn so pazifistisch war der spätere Schriftsteller damals noch nicht:

Bernd Ficker:

Ich war damals 10 Jahre. Zu mir sagte er  „Spinnewipp“.
Ich war ein kleines Kerlchen, ich war immer schnell.
Und wenn wir Haue bekamen, er zählte immer 1,2,3,
und wer am schnellsten war, ich war ja schnell bei der Hand,
kam über die Bank, dann kriegten wir erst einmal wieder Haue ( .... ) .
Interessant war das mit dem Mann ( .... ) .
Ein Glück, dass er nicht lange da war. Pastor, da konnte er
gar nicht mit, mit Pastor Brand.
 

Herr Bechtluft:

Guck an, da ist er wieder, der Adressat mit dem Brief mit den
nackten Jugendstil – Mädchen. Erich Remark aus Osnabrück
in der Schule in Klein Berßen , Kreis Hümmling im Emsland.
Das war 9 Jahre bevor der Schriftsteller unter dem Namen
Erich Maria Remarque auf einen Schlag weltberühmt wurde,
mit seinem pazifistischen Anti – Kriegs – Roman
“Im Westen nichts Neues“. Remark, der machte Vertretung
für den erkrankten Lehrer Nieberg in Berßen und Bernhard Geers
hat noch Erinnerungen an den kleinen Hilfslehrer:
 

Bernhard Geers:

Originalton - Schüler Remarques -Da kann ich mich noch gut daran erinnern.
Und vor allen Dingen,
dass Lehrer Nieberg uns später erzählte, der würde noch einmal
berühmt. Also die Memoiren, die tat er unter dem Walnussbaum,
dort tat er die Memoiren auffrischen.

Und dann haben wir als Kinder gedacht: Was kommt da wohl bei heraus?
Ja, was soll ich denn sonst noch dazu sagen?
Ich war ja auch noch jung, aber daran kann ich mich noch gut erinnern.
Er ist über Nacht gekommen und war auch über Nacht wieder weg.
Und er war wohl so arm, dass keine Laus bei ihm sein wollte.
 

Herr Bechtluft:

Ja, so arm war er, der Schriftsteller Erich Maria Remarque
als junger Schulmeister 1920 in Berßen im Emsland.
Und so allein war er mit seinen Schwierigkeiten mit den Schülern,
denn er konnte ja nicht einmal Platt sprechen, er konnte die
Sprache von seinen Schülern nicht verstehen. Und so rettete er
sich immer wieder mit seinem Stock und mit Haue:

Bernhard Geers:

Wer nicht rechnen konnte, ich konnte gut rechnen,
ich habe nicht so viel Prügel gehabt. Aber wie das so war,
waren sie mit Maikäfern am Handeln ,
und dann gab`s später welche.

Herr Bechtluft:

Und was sagte er dann?

Bernhard Geers:

'Bummelenzia, Faulenzia', wie bist du so schön.
Er konnte ja selbst nichts, da konnte er anderen
Leuten ja auch nichts beibringen. Er hatte doch
im Krieg das Abitur, und da sind die doch weggekommen.
Was hatte er denn? Den Film „Im Westen nichts Neues“,
den müssen die Leute  sehen, und das das doch Gift
ist für die Jugend. Was wir doch mitgemacht haben!
Wir bedauern die Leute, das war doch nichts Halbes
und nichts Ganzes, die haben doch nichts gelernt.
Die haben doch was gesehen, was nicht sein sollte.

Herr Bechtluft:

Gerhard Wester ist mit seinen 86 Jahren der Älteste in
unserer Runde. Was weiß er denn noch von dem jungen
Schulmeister Erich Maria Remarque, von dem Herrn Lehrer:

Gerhard Wester:

Früher, da war das doch ganz anders als das heute ist.
Der Lehrer, der war eine Amtsperson, da hatte man
Angst vor. Genauso war es mit dem Pastor. Ich kann
mich noch gut erinnern, wenn der Pastor irgendwo
entlang ging , dann liefen wir dorthin und gaben ihm
eine Hand. Die Mädchen mussten einen Knicks machen,
so gehörte sich das.
Heutzutage macht man das gar nicht mehr. Und so war
das auch in der Schule. Aber dieser Remark war eigentlich
ein anderer Kerl. Er war viel leichtsinniger als der Nieberg war.
Er hatte auch wohl was mit den Mädchen zu tun. Ich erinnere
mich, beim Bäcker war er wohl gewesen und kam am anderen
Tag auch später. Da konntest du sicher sein, dass er gefeiert hatte.
So war das mit dem Remark, aber ich muss ehrlich sagen,
der war einfach anders eingestellt als die Lehrer hier waren,
viel lebhafter, und der haute auch drauf und nicht wenig,
das tat er. Aber auf der anderen Seite war er auch gemütlicher.
Hier waren die Lehrer so wie Nieberg, der stand mehr auf seinem
Standpunkt als Lehrer.
Das hatte er ( Remark ) nicht so genau. Auch die Sachen,
die gelernt werden mussten, ob das kam oder nicht, das war ihm
egal, so genau nahm er es nicht. Aber Ordnung musste sein.
Wenn man es nicht konnte, gab es welche.

Herr Bechtluft:

Da gab`s ja auch wohl Krach mit dem Pastor.

Gerhard Wester:

Das kam ja davon. Früher arbeiteten der Lehrer und
der Pastor Hand in Hand, und das tat er nicht.
Das kam davon, das war grundsätzlich:
Der Pastor und er waren Gegensätze.

Herr Bechtluft:

Und das war im Dorf bekannt?

Gerhard Wester:

Durchaus, aber auch für die Jungen war er bekannt.
Wir hatten auch nicht unbedingt Schreck davor,
aber ich weiß nicht , wie ich es ausdrücken soll.
Da hatten wir immer ein bisschen Fieber, wenn
man die Sachen nicht konnte. Und es gab ja sofort
welche hinten vor, wenn es nicht klappte.
Das war anders als die Lehrer hier waren,
als wir es gewohnt waren.
Früher bei Wolbers und bei Nieberg war alles ruhiger
und sachter, und das war bei ihm nicht so.



Quelle:  NDR 1 Hörfunksendung vom:  1998

aufgeschrieben von:  Anne Katrin, Julia, Stefanie, Meike


Fundstellen aus der Arbeit im E. M. Remarque-Archiv Osnabrück
 

... Ähnlich glaubte der Dechant mit mir verfahren zu können. Er ließ mir
eines Tages durch einen Schuljungen bestellen, ich sollte einmal mittags zu
ihm kommen. Dort schimpfte er mich in wüstesten Tönen aus wie einen
Schulknaben.Aus seiner Rede ist mir noch folgendes genau in Erinnerung:

,,Sie müssen mehr zur Kirche gehen - Sie sind ein schlechtes Vorbild
für die Jugend - Sie leisten in Religion garnichts,
denn die Kinder sprechen beim Beten
in der Kirche die letzte Bitte des Vaterunsers
undeutlich. In der Schule wird überhaupt nichts geleistet!
Ich habe mir gleich gedacht, daß das so kommen würde, als sie
sich bei Herrn Nieberg einmieteten."

Bei meinem Antrittsbesuch habe ich dem Herrn Dechant gesagt, ich
würde täglich in der Kirche die Kinder beaufsichtigen. Trotzdem ließ der Herr
Dechant, obschon ich dabeisaß, die Kinder nach der Messe hinausgehen.
Ich bat ihn zweimal, mir das zu überlassen, und er sagte es auch zu. Dennoch
tat er es nicht, und ich saß wie ein dummer Junge dabei, so daß die Leute sich
schon darüber aufhielten. Da habe ich dem Herrn auch das weitere überlassen.

     Ich weiß, daß der Mensch schließlich ein Produkt seiner Umgebung ist -
aber das ging mir doch etwas zu weit, zumal der Herr Dechant auch meinen
Stand und meinen Herrn Kollegen angriff. Ich bin friedfertig und tolerant;
wenn mich aber jemand völlig ungerechtfertigt auf die rechte Wange schlägt,
so schlage ich nach Kräften wieder. Ich verbat mir sehr entscheidend diese
formlose Beleidigungen. Von da ab dehnte der Herr Dechant seine Schikanen
auch auf mich aus, allerdings mit völlig negativem Erfolg.

Seine Spezialität waren Briefe mit Bleistift geschrieben, ohne Anrede,
auf irgend einem abgerissenen Fetzen Papier, evtl. öfter ohne Umschlag.
Ich schicke ihm einen als unleserlich zurück. Darauf konnte der Herr Dechant
es sich nicht verkneifen, in seiner eingeschriebenen Mahnung um das angeblich
zu viel gezahlte Geld zu höhnen:,, Hoffentlich können Sie meine Handschrift
jetzt lesen", was der Grund zu meiner Bemerkung in meiner Antwort war. ...



Quelle: Remarque Brief vom  12.09.1920 an die Regierung Abt. für
            Schulwesen

Hier wird deutlich, daß Pfarrer Brand sehr wohl Einfluß auf
Schule und Lehrer nehmen wollte. Erich Remarque läßt sich
solch ein Verhalten nicht gefallen, die "Schikanen" des Dekanten
dehnen sich deshalb auch auf ihn aus.



Quelle: Erich Maria Remarque -Archiv Osnabrück

gefunden und geschrieben von:Nicole, Sara, Theres,Thorsten


 
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