Werke
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Werkverzeichnis
Nicolas Born
Angegeben sind die selbständigen Publikationen; eine vollständige Übersicht zu
Vita und Werk einschließlich der hier nicht angeführten Essays, Reden,
Briefwechsel, Interviews, Übersetzungen, Hörspiele und Kurzfilme bietet die
Monographie: Jörg Werner Kremp, Inmitten gehen wir nebenher. Nicolas
Born: Biographie, Bibliographie, Interpretationen. Stuttgart 1994 (Diss. 1993), der auch die meisten der folgenden Angaben entstammen.
1965 Der zweite Tag. Roman. Köln: Kiepenheuer & Witsch
1965 Das Gästehaus. Gemeinschaftsroman des LCB. Berlin: Verlag LCB
1967 Marktlage, Lyrikband. Köln: Kiepenheuer & Witsch
1970 Wo mir der Kopf steht. Lyrikband. Köln: Kiepenheuer & Witsch
1972 Das Auge des Entdeckers. Lyrikband. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt
1973 Oton und Iton. Kinderbuch. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt
1975 ff. Literaturmagazin. Nummer 3 und 6-12. Hrsg. Nicolas Born u. a. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt
1976 Die erdabgewandte Seite der Geschichte. Roman. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt
1978 Gedichte 1967-1978. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt
1979 Die Fälschung. Roman. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt
1980 Die Welt der Maschine. Aufsätze und Reden. Hrsg. Rolf Haufs. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt
1981 Nicolas Born. Gedichtauswahl. Hrsg. Heidrun Löper. (Poesiealbum 167). Ost-Berlin:Verlag Neues Leben
1983 Täterskizzen. Erzahlungen. Hrsg. Ralf Junkereit. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt
Gedichte 1967-1978.Jubiläumsausgabe. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt
1989 Ein Lied das jeder kennt. Gedichtauswahl. Hrsg. Chris Hirte. Ost-Berlin:VerlagVolk und Welt
1990 Gedichte. Hrsg. und mit einem Nachwort versehen von Peter Handke.
Frankfurt: Suhrkamp Verlag
Entsorgt
So wird der Schrecken ohne Ende langsam
normales Leben
Zuschauer blinzeln in den Hof
im' Mittagslicht
Kleinstadt, harte Narbe ziegelrot
Gasthaus, wehende Gardinen
und am Schreibtisch ist jetzt gering
der persönliche Tod
Ich kann nicht sagen, wie die Panik der Materie
wirkt, wie ich in meiner Panik
die nicht persönlich ist, nur an die
falschen Wörter komme.
Das sorgende Schöne fehlt mir an Krypton und
Jod 129. Mir fehlt die Zukunft der Zukunft
mir fehlt sie.
Mir fehlen schon meine Kindeskinder
Erinnerung an die Welten
mir fehlen Folgen, lange Sommer am Wasser
harte Winter, Wolle und Arbeit
Hier entstehen Folgen starker Wörter
die leblos sind, das versuchte Gesindel
spürt nichts, sie schließen die Kartelle
keine Ahnung was sie in die Erde setzen
Ahnung nicht, nur Wissen
was sie in die Erde setzen in Luft und Wasser
für immer
kein Gefühl für «immer». Den Tod
sonderbehandeln sie wie einen Schädling
der gute Tod vergiftet wie die liebe Not.
Die
Fälschung
Roman
- 317 Seiten. Geb.
«Ein
herausragender Roman... in seiner gedanklichen Intensität
und poetischen Evidenz außergewöhnlich. <Die Fälschung> ist, so präzise
- und dennoch ohne peinliche Besserwisserei - die Topographie Beiruts und der
libanesische Krieg beschrieben wird, ein Buch über Deutschland, welches, ohne dass
der deutsche Herbst als künstlerische Dauereinrichtung bemüht wird, die
Vereisung erklärt. Hoffentlich
wird es gelesen und nicht nur (rezipiert).»
Michael
Krüger, Die Zeit
Die
erdabgewandte Seite der Geschichte
Roman.
rororo Band 4370
«Eine
der großartigsten literarischen Leistungen der letzten Jahre... Lesearbeit von
einer quälenden und zugleich befreienden Intensität, wie sie nur in seltenen
Glücksmomenten in Gang kommt. Wer
überhaupt auf Borns Prosa anspricht, der wird sich dem Sog nicht entziehen können,
der von ihr ausgeht und den sie immer wieder neu erzeugt.»
Lothar Baier, Westdeutscher Rundfunk
Das
Auge des Entdeckers Gedichte
Mit
Zeichnungen von Dieter Masuhr das neue buch, Band 2 I
«Das
Auge des Entdeckers» - der Titel bezeichnet die Intention von Borns Gedichten
recht genau. Es geht um die
Ausweitung des Erfahrungshorizonts, nicht nur in quantitativem, sondern auch in
qualitativem Sinn: anstatt, wie es zumeist geschieht, neue Erfahrungen auf alte
zurückzuführen, soll auch am unscheinbarsten Alltagsdetail - einem Frühstück,
einer flüchtigen Liebesbeziehung - ein Stück Utopie sichtbar gemacht werden.
Nicht zurück hinter das politische Bewusstsein, das die westdeutsche,
Lyrik in den letzten Jahren geprägt und weitgehend paralysiert hat, sondern
einen Schritt darüber hinaus. Der
Text ist durchsetzt mit Zitaten aus älteren Reiseberichten, Science-Fiction-Romanen
und klassischen Utopien, die seinen Anspruch verdeutlichen sollen: die kritische
Haltung, die auch in der Negation stets an ihre Gegner fixiert bleibt, zu überwinden
mit Hilfe einer utopischen Perspektive, die nicht nur das Unerwünschte, sondern
auch das Wünschenswerte beschreibt: «Denn nur die Ahnung der Gerechtigkeit
erlaubt es, sich über eine einzelne Ungerechtigkeit zu empören» (Sartre).