Gedichte

 

Hochzeitsreise

Auf den treulos rollenden Rädern

Nach des Südens sonnige Heimat

Fährt Pierrot mit pochendem Herzen

Ihm zur Seite Kolombinchen.

 

Bange Sorge preßt das Herz ihm:

Ob sein Glück ihm nun auch folge

Auf den treulos rollenden Rädern

Nach des Südens sonnige Heimat.

 

- Fühlt er einmal ihren Arm nicht,

und entgleitet ihre Hand ihm,

gleich sucht er sie zagend, tastend:

um die Liebe festzuhalten

auf den treulos rollenden Rädern.

 

[Zur Auswahl]

 

 

Kinderliebe

Wir habens einst so gut verstanden,

zu küssen uns zu rechter Stund,

eh wir es selber ganz empfanden,

gefunden hatte Mund zu Mund.

 

Ein einiger Gedanke schwebte,

war weder mir noch dir bewusst,

und plötzlich Lipp an Lipp bebte

und plötzlich bebte Brust an Brust.

 

Dann haben wirs vergessen müssen,

verleugnet ward die Kindheit,

wir trugen, statt uns froh zu küssen

ehrbar und dumm das Heuchlerkleid.

 

Doch als ich jetzt nach langen Tagen,

dich still Geliebte wiedersah

wir hattens gar zu schwer getragen

da war die Kindheit wieder da!

 

[Zur Auswahl]

 

 

Toskanischer Frühling

Das Erste sei, daß man der Welt sich freue,

sich vor den anderen froh genießen lerne

in stiller Nähe, wie in bunter Ferne

das Alte frisch genieße wie das Neue.

 

Doch schaff dir auch ein Herz voll stolzer Treue,

eins in sich selbst und seinem tiefsten Kerne!

Der Freie traut durch Wolken seinem Sterne

Das Brandmal aller Sklaven ist die Reue.

 

[Zur Auswahl]

 

An eine kleines Mädchen

 

Ach ich glaube, daß voreinst mir,

da ich Kind war, allererst sich,

was da schön sei, offenbart hat

in dem Duftbild weißer Rose

 

Ach ich glaube, daß der Jüngling

Noch den Zauber alles Schönen

Nimmer lernte unterscheiden

Von dem Zauber weißer Rose

 

Ach ich glaube  ob der Herbst auch

Deine Schwestern auf den Fluren

Ließ verwelken -, blühst weiter

Mir im Herzen, weiße Rose!

 

Bitte die Sache nicht zu reell zu nehmen

Anm. d. Verf.

 

An dasselbe kleine Mädchen

Ich habe ein Lied gesungen und hatte dich

im Herzen, aber, - da es der Freund gesehn

sprach er, die Stirn in Falten legend:

“Jeglichen ernsten Gedankens bar ist

 

Dein Lied.”  Was sollt´ich Armer erwidern da?

Unartig wars zu melden den Sachverhalt!

Daß, da kein schönes junges Köpfchen

Wenige ernste Gedanken hegte,

 

auch ernsten Denkens nimmer ich fähig bin,

wenn in den Sinn du, liebliches Kind, mir kommst,

daß nur in abgebrochenen Lauten

schüchtern ich spiele mit lieber Thorheit!

 

*

“Es lebt ein Gott, der Schöpfer des Weltenrunds”,

so sagen sie. Doch: geben sie Kunde auch,

ob von dem Funkeln, das den einen

Tropfen im Meere des Alls durchleuchten,

 

ob er vom Ringen menschlicher Nichtigkeit

jemals vernahm?  “Allwissend und  liebevoll

ist er, vor seinen Vaterblicken

birgt im unendlichen Raum sich niemand,

 

Kein Schmerz ist ihm, kein Jubel der Freude fremd,

den Gott der Liebe nennen ihn alle ja!”

So sieht er also dieser Erde

nimmerermessene Jammerwüste?

 

Er sieht das Edle unter den Fuß gestampft

des Tiefgemeinen? Siehet in Qual und Staub

sich wälzen Millionen Herzen

blutend, gemartert, ein langes Leben?

 

Und endet´s nicht? Und trümmert und schmettert nicht

die Welt ins wahnlos-friedliche Nichts zurück?

der Gott  grausamer wär er wahrlich

als der verworfenste Menschenbube!”

 

[Zur Auswahl]