Celle: Geschichtlich wichtige Ereignisse:

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Sandkrug                                                                                           Rundestraße

Celle - Entstehung des Namens

In der diluvialen Eiszeit findet man die ersten Spuren von Menschen im Celler Raum. Im Jahre 993 n. Chr. tauchte zum ersten Mal der Name “KELLU“ auf, was soviel wie “Siedlung am Fluss“ bedeutet. Im 16. Jahrhundert veränderte sich der Name zu “ZELLE“ und später zu der latinisierte Form “CELLE“.

Celle - Politische Zugehörigkeit

Zunächst gehörte Celle ab 1267 zum Fürstentum Lüneburg.  1292 kam es dann sowohl aus wehrtechnischen, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen zu einer Verlagerung der Stadt um ca. 3 km, bei der das Celler Schloss zunächst als Wehrburg errichtet wurde. Mit der Zeit wurde diese mittelalterliche Wehrburg aber zum Residenzschloss regierender Herzöge umgestaltet, da ab 1378, nach dem Lüneburger Erbfolgekrieg, Celle bis 1705 eine Residenzstadt des Königs von Braunschweig war. Als Ausgleich für den Verlust der Hofhaltung und der Regierungsbehörden erhielt Celle  hohe Gerichte.

Celle wurde insgesamt zwei Mal von Franzosen besetzt. Zunächst einmal im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) und das zweite Mal von 1803-13. Nach Ende der Personalunion Hannover / Großbritannien wurde Celle zur zweiten Residenz der Könige von Hannover.

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Von ca. 1882

 

Celle - Wirtschaftlicher Kurzüberblick

Zu der Zeit, in der Otto Erich Hartleben in Celle lebte (1880er Jahre), begann der wirtschaftliche Aufschwung. Nachdem Celle 1866 preußisch geworden und es bereits 1869 zur Eingemeindung von vier Vorstädten gekommen war, wurde die Stadt Celle im Jahre 1885 zu einem eigenen Stadtkreis und somit zu einer kreisfreien Stadt erklärt. Mit der Bildung dieses eigenen Stadtkreises unterstand Celle nicht mehr dem Landrat. So konnte es sich frei und unabhängig von den Interessen des Landkreises entfalten.

Nachdem 1867 alle den Handel beengende Schranken gefallen und die Gewerbefreiheit in Kraft getreten war, gab es in Celle vor der Zeit des industriellen Aufschwungs einige Probleme für den Handel. Besonders im Gewerbe der Kleinunternehmer waren Veränderungen eingetreten. So hatten sich Ende der 1860er Jahre viele Gilden  aufgelöst. Erst nach einem Gesetz von 1881, dass die Bildung freier Innungen anstrebte, kam es wieder zu Zusammenschlüssen von einigen Gewerben. Die Aufsicht über diese führte der Magistrat der Handwerkskammer Harburg.

Weitere Veränderungen kamen durch das Inkrafttreten der neuen Wochenmarkts - (1879) und Viehmarktsverordnungen  (1890) hinzu. Zu dieser Zeit zählte Celle noch immer zu den bedeutendstes Plätzen für den Wachs- und Wollhandel im Deutschen Reich.

Am Ende der 1870er Jahre bildete sich der sogenannte “Kaufmännische Verein“ , neben dem es zusätzlich von 1886 - 96 eine “Kaufmännische Innung“ mit zum Teil denselben Vorstandsmitgliedern gab.

Auch eine Handelskammer wurde in Celle 1867 eingerichtet, die später mit der Handelskammer zu Hannover vereinigt wurde. Nach dieser Neuordnung des Gewerbes und Handels begann  eine neue Epoche für den Einzel- und Großhandel. 

Man kann heute sagen, dass Celle zu diesem Zeitpunkt neu aufblühte. Denn das Aufkommen unterschiedlichster Industrien, vor allem der Erdöl- und Kaliindustrie, und die gesamte wirtschaftliche Entwicklung im Deutschen Reich bewirkten dies. So wurden damals von 1885 und 1904 die Erdölfelder in Wietze und Nienhagen, sowie Ende der 1880er die interglazialen Kieselgurtlagerstätten bei Lachendorf und Unterlüß erschlossen.

Zusätzlich wurde Celle auch verkehrsmäßig mit den wichtigsten Erzeugungs- und Absatzgebieten verbunden. Dies gelang durch den Ausbau des Landstraßen- und Eisenbahnnetzes.

 

Entwicklung des Straßensystems im Landkreis Celle:

 

Jahr                      Kreisstraßenlänge in km

1875                                                         49,9

1885                                                      115,4

1895                                                      268,7

   ...                                                        ...

Quelle: Bullermann, H., 1930, S.272

 

Gleichzeitig wurden in diesem Zeitraum zahlreiche Fabriken, die Beispiele einer vielseitigen Industrie darstellten, und andere Neubauten in Celle geschaffen. So wie z.B.: die städtische Gasanstalt (1887), die Fuhrebrücke (1893), die die erste eisernere Brücke von Celle war und dazu diente den Verkehr zum Güterbahnhof, der 1892 in Betrieb genommen wurde, zu leiten, sowie eine neue Fabrik der weltbekannten Trüllerwerke. Sie wurde 1896 von dem Fabrikanten Harry Trüller erbaut und hatte sich auf die Herstellung von Keksen, Waffeln und Zwieback spezialisiert. Bereits nach kurzer Zeit hatte sich die Firma großes Ansehen in ganz Deutschland, sowie auch in der Welt verschafft. Ebenfalls wurden um den Zeitpunkt 1880 die Wachsbleichen und Kerzenfabriken Guizetti und Schmidt gegründet. Nicht zu vergessen sind außerdem: die Kieselgur- Industrie von Berkefeld mit einem Werk, das 1895 bedeutend erweitert wurde und die Druckerschwärze - Fabrik von Hostmann. Sie wurde 1896 dann mit der Buntfarben - Fabrik Klein Hehlen vereinigt.

Die Stadterweiterung, eine resultierende Folge der wirtschaftlichen Veränderung, bildete die Grundlage der städtischen Entwicklung in der Folgezeit. So hatte Celle 1880 noch 18.800 Einwohner, 1900 waren es dann bereits 19.900 Einwohner.

Zu  dieser Zeit entstanden zahlreiche Straßen, die bis heute noch erhalten geblieben sind. So kam es z.B. durch den schon erwähnten Bau der neuen Trüllerfabrik, der Gasanstalt und neuen Nutzung des Güterbahnhofs zur Entstehung eines neuen Gewerbeviertels südlich von Altenhäusen.

Eine weitere Rolle spielte die Erweiterung des Gerichtes in Celle. So wurde das Oberappellationsgericht, das sich seit 1711 in Celle befand, zum Oberlandesgericht, wie es bis heute noch existiert.

Zu Zeiten dieser Neugestaltung der Stadt war zunächst Otto Hattendorf bis 1895 Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister von Celle. Ihm folgte Wilhelm Denecke (1895 - 1924), der in der Folgezeit den Ausbau der Stadt durch die neuen Wirtschaftsfaktoren tatkräftig unterstützte und vorantrieb.

Celle - Schulwesen

Auch die Organisation des Schulwesens änderte sich im Zeitraum, in dem Otto Erich Hartleben in Celle lebte. So sollte es z.B. nach dem Zusammenschluss der Altstadt mit den Vorstädten eine einheitliche Regelung des Volksschulwesens geben. Da es aber Proteste und Widerstände auf Seiten des Schulverbandes Neuenhäusen gab, konnten erst 1886 die fünf Kirchspielschulen von Celle unter einem lutherischen Gesamtschulverband zusammengefasst werden.

Im Jahre 1893 übernahm die Stadt die Mittelschule, die seit 1834 existierte. Eine weitere Veränderung stellte die Trennung der Realschulklassen vom Gymnasium dar, die 1877 vollzogen wurde. So entstand das Realgymnasium als ein neues Schulgebäude am Nordwall (Heute steht an dessen Platz das neuerbaute Steigenberger Hotel). Nachdem es 1893 kurzzeitig zur Realschule geworden war, wurde es später wieder zum Gymnasium, dem heutigen Hermann - Billung - Gymnasium (HBG), umgewandelt. Ebenfalls um diese Zeit zog das heutige Kaiserin - Auguste - Gymnasium (KAV) in das neuerbaute Haus in der Hannoverschen Straße (1876) um und die damalige Lateinschule, heute das Gymnasium Ernestinum, das auch Otto Erich Hartleben besuchte, wurde um diesen Zeitpunkt (1874) vom Staat übernommen.

 

 

 

                                    Blumläger

                                    Schützenfest

                                    Schlosstheater

                                   Lotterie

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Bettelstudent

Aus der Zeitung vom 8. August 1884 ist ersichtlich, dass vor allem Tanz, Theater und Konzerte äußerst beliebt waren. Bevor das Schlosstheater 1890 aus feuerpolizeilichen Gründen geschlossen werden musste, besuchten es  viele Celler. Es gab Kurzanzeigen in der Zeitung, die über die jeweiligen Theaterstücke des Schlosstheaters informierten. Die Preise waren zu jeder Inszenierung verschieden, jedoch selten über 4 Reichsmark. Die billigsten Plätze waren z.T. schon für 60 Pfennig zu bekommen.

In Celle gab es damals sehr viele Vereine und Clubs. So z.B. der “Unions-Club“, der vor allem Großkaufleute und Industrielle mit Studierten vereinte. Vor allem diente dieser Club natürlich der Unterhaltung, wie viele andere auch. Es wurden z.B. jeden Winter zwei Bälle veranstaltet und man baute sich ein Gebäude im Garten der Union mit Gesellschafts-, Spiel-, Lese- und Billardszimmern. Bald wurde die Union Treffpunkt verschiedener Gesellschaftskreise, da oft Konzerte im prachtvollen Garten stattfanden. Solche Clubs oder gesellschaftliche Vereinigungen gab es auch für andere Berufsstände in Celle.

Neben alten Kaffee- und Konzertgärten entstanden auch einige neue Gärten, die schnell beliebt wurden (Petersburg 1868, Tivoli 1868) . Als größte Festlichkeiten und Feiern galten vor allem Basare oder Wohltätigkeitsveranstaltungen.

Nach Rückgang des Clublebens entstand eine neue Form des Gesellschaftslebens, die sich bei Bällen, Gartenfesten des Offiziercasinos und beim großen Juristenfest, das seit Neubau des Unionsgebäudes jährlich dort stattfand, zeigte.

Die zur angesprochenen Zeit wohl größte Festlichkeit war die 600-Jahrfeier im Jahr 1892. Mit unterschiedlichen Darbietungen, wie die Aufführung der Geschichte der Stadt, einem großem Festumzug und einem Volksfest wurde das Jubiläum gefeiert. Als Folge dieses Festes wurde das geschichtliche Interesse an der Vergangenheit der Stadt geweckt.

 

Celle - Besondere Bauten

1898 wurde die Allerbrücke, die bisher aus Holz bestand, abgerissen und durch eine Eisenbrücke ersetzt. Ein nach wie vor als Krankenhaus genutztes Gebäude ist das Josefsstift , das 1884 erbaut wurde. Einige Jahre später (1900) wurde das zweite Celler Krankenhaus, das Allgemeine Krankenhaus, errichtet.

Der Fabrikant Wilhelm Bomann gründete im Jahre 1892 das “Vaterländische Museum“ in Celle. Später wurde es ihm benannt. Durch viele Spenden der Bevölkerung, der Stadt und des Landkreises konnte das Museum zunächst in einem alten Schulgebäude untergebracht werden. Später jedoch bezog es dann das Gebäude gegenüber dem Schloss. Noch heute existiert dieses Museum und zieht viel Touristen aber auch viele Heimatkundliche an. Das Bomann Museum enthält eine einzigartige Sammlung, die über das ländliche Leben in der Heide informiert. Außerdem gibt es viele Exponate der Stadt-, des Landes- und der Heeresgeschichte zu sehen. Es gilt als ein Museum für niedersächsische Volks- und Heimatkunde, das heutzutage auf 2000 qm nach Lebenskreisen aufgebaute Sammlungen und vielseitige Volks- und Kunstausstellungen zeigt.

Als weiterer Fortschritt für die Celler Bevölkerung galt der Aufbau von Straßenlaternen im Jahr 1899.

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Blick in die Rundestraße