Vom gastfreien Pastor

Ein Referendar erzählt die Geschichte vom “gastfreien Pastor”. Anfangs wird der kleine Ort Stolberg im Harz mit dessen Graf von Stolberg-Stolberg vorgestellt. Ein Oberstabsarzt, ein Amtsanwalt und der Referendar spielen fast jeden Abend zusammen Skat an ihrem Stammtisch in dem Gastzimmer eines Hotels. Irgendwann stößt der junge Pastor Viemeyer zu ihnen. Er ist verheiratet und bewohnt den zweiten Stock seines geräumigen Elternhauses.

Eines abends im Hochsommer ist das Gastzimmer überfüllt, als die gewohnte Runde Skat spielt. Der Pastor ist schlechter Laune und verliert oft. Um neun Uhr fährt die Post vor, um neue Touristen nach Stolberg zu bringen. Diesmal steigen zwei Damen, eine Ältere und eine Jüngere, aus der Kutsche und kommen in das dichtbesetzte Gastzimmer. Sie essen zu Abend und benötigen ein Zimmer. Der Diener zieht mit ihnen durch den Ort, um ein Zimmer zu suchen. Nach einer Weile kommen sie wieder, ohne Erfolg. Die drei Freunde des Pastors schlagen ihm den Vorschlag, die beiden Damen zu sich nach Hause zu nehmen, als “gastfreier Pastor”, versteht sich. So finden diese Unterkunft bei ihm und bleiben fast acht Wochen, in denen der Pastor kaum noch zum Skat spielen kommt. Nachdem die Damen abreisen, sagt der Pastor, er fahre in den nächsten Tagen nach Magdeburg auf eine Provinzialversammlung des Vereins für innere Mission. Er sei,  von der älteren Dame, die Witwe eines Oberförsters, nach Magdeburg in ihr Mädchenpensionat eingeladen worden.

Bereits nach drei Tagen kehrt Pastor Viemeyer in seinen Heimatort zurück. Bleich und verstört kommt er an den Stammtisch, setzt sich, redet kaum und trinkt nur einen Schoppen nach dem anderen, was sonst gar nicht seine Art ist. Ziemlich spät in der Nacht, als alle anderen schon gegangen waren, fängt er an zu erzählen: Er habe noch nie etwas so  Schlimmes erlebt, wie in diesen zwei Tagen, in denen er endlich einmal Stolberg verlassen hat. Die Frau Oberförster hat für seine Ankunft, auf sein Schreiben hin, alles vorbereitet als er gegen fünf Uhr bei ihr eintraf. Er habe eine Treppe in den Salon hinaufgehen müssen, in dem das ganze Pensionat beim Kaffee trinken versammelt war. Der Umgangston, das sei ihm gleich aufgefallen, war viel freier und netter als in Stolberg. Er erzählte von Stolberg und die Mädchen lachten die fortlaufend darüber. Als Besuch kam, sei er von Lilith, demselben Mädchen, dass in  Stolberg war, eine Treppe höher in ein kleines Zimmer geführt worden, indem er auch zu Abend aß. Die Zimmer seien alle groß und gemütlich gewesen und überall stünden nur Betten, woran man merkt, dass man in einem Pensionat war. Den Abend über leistete Lilith ihm Gesellschaft, bis er früh zu Bett geht.

 Als er am nächsten Morgen Punkt sieben Uhr aufwacht und das ganze Haus noch still ist, setzt er sich ans offene Fenster und raucht seine Pfeife. An diesem wunderschönen Morgen biegt auf einmal sein alter Freund und Studiengenosse Friedrich Spüleboom aus Halberstadt um die Ecke. Er ruf zu ihm hinunter: “Spüleboom, Bruder, bist Du’s denn wirklich?”. Spüleboom schaut ihn entsetzt an und läuft wie ein Dieb davon. Nachdem Lilith leise ins Zimmer des Pastors eintritt, legt sie ihre weiche Hand auf seine Schulter. Sie ist noch nicht angezogen, hat ihr schönes, rotes Haar noch nicht gemacht und  bringt ihm Kaffee. Eine Stunde später geht der Pastor in die Versammlung. Er sucht und findet Spüleboom schnell, aber als dieser ihn erblickt, zieht er sich schleunigst in das Gedränge zurück. Nach und nach merkt Pastor Viemeyer, wie ihn alle Leute anschauen und ihn alleine dasteht. Es sei eine schrecklich peinliche Situation gewesen. Er habe während der Verhandlungen nur mit halbem Ohr zugehört und als die Sache beendet war, versuchte er schnell gehen, aber der Präsident rief ihn zurück: “Herr Pastor Viemeyer! Es scheint mir doch, dass Ihnen eine würdige Auffassung der ernsten Aufgaben des Vereins für innere Mission abgeht. Ich will keine langen Worte machen. Die Sache widert mich an. Was zuviel ist, ist zuviel. Einstweilen werden Sie sich unverzüglich nach Stolberg zurückbegeben. Dort werden sie das Weitere von mir hören.”  Damit dreht er sich um und geht. Der Pastor versteht das alles nicht und die Pfeife am Morgen könne doch auch nicht Schuld sein. Der Oberstabsarzt fragt schließlich, ob er die Sache mit der Frau Oberförster besprochen habe, was er bejaht. Sie sei ganz unglücklich gewesen und habe sogar geweint und versucht, ihn zu trösten. Beim Abschied habe sie gesagt, dass sie persönlich zu dem Herrn Präsidenten gehe, da sie Beziehungen zu ihm habe. Der Pastor glaubte immer noch sie meine das Rauchen am offenen Fenster, auch nachdem sie ihm erzählt, sein Sohn, der Landrat, sei öfter bei ihr gewesen, und ein Bruder vom Präsidenten, hätte sogar mal ein Mädchen bei ihr gehabt.   Auch kenne sie eine ganze Anzahl von seinen Amtsbrüdern persönlich. S i e  w ü r d’ e s  s c h o n   m a c h e n! - - -

 

Die Geschichte vom abgerissenen Knopfe

Der Erzähler, ein Jurastudent, der während eines Einkaufs nach dem Unterricht am Kammergericht Lore, eine Freundin von früher, traf, nahm sie mit zu sich nach Hause, um sie seinem “Vetter”, ein Freund und Mitstudent,  vorzustellen, mit dem er zum Kaffee trinken verabredet war. Dieser gesellige Nachmittag wurde zu einem langen Abend, an dem der “Vetter” Lore darauf aufmerksam machte, dass an ihrem “Matrosentaillenkleid” der zweite Knopf von oben fehlt.

Als sich der Jurastudent, der sich zur Zeit mit dem “Eigentumserwerb des Finders” herumschlägt, und sein “Vetter” nach einer Woche zum Frühschoppen treffen, erzählt der “Vetter” ihm, dass er Lore jeden Tag gesehen habe und sie immer nur das “Matrosentaillenkleid” mit dem fehlenden Knopf trug. Da er es nicht aushielt kaufte er ihr eine rote “Seidenblouse” für zwanzig Mark; außerdem noch einen sehr teuren Sommerhut, Handschuhe, einen Sonnenschirm und ein Paar Stiefel.

Wiederum einige Tage später trafen sich die beiden Freunde und diesmal, so erklärte der “Vetter”, habe Lore nur noch die neue “Blouse” angezogen und nicht mehr das alte “Matrosentaillenkleid”. Jetzt  könne er nicht kontrollieren, ob Lore den fehlenden Knopf angenäht hat oder nicht, was ihm großes Kopfzerbrechen und Alpträume bereitete. Irgendwie wollte er Lore dazu bringen mal wieder das alte Kleid anzuziehen. Also verabredeten sich der Student und sein “Vetter” zum Kaffee trinken. Der “Vetter” hatte Lore per Brief zu diesem Treffen eingeladen und  bat sie für seinen Freund doch das alte “Matrosentaillenkleid” anzuziehen.

Als sie sich im Café trafen hat Lore in den drei obersten Knopflöchern zarte, weiße Rosen hineingesteckt, so dass man nicht sehen konnte, ob der Knopf fehlt oder nicht. Der “Vetter” hat nun auf vielen verschiedenen Weisen versucht, die Blumen zu entfernen. Sein letzter Versuch war, mit eben gekauften, prachtvollen “Marshall-Niel-Rosen” Lore zum Tausch zu überreden. Nun erst hat Lore gemerkt, dass der “Vetter” dies alles nur macht, um zu sehen, ob der Knopf angenäht ist oder nicht. Sie ist wütend geworden und hat sich im Café mit einer “hässlich, eckigen Gebärde” die Rosen von der Brust gerissen und gerufen: “Da! Du willst ja doch bloß wissen, ob ick mir den Knopf angenäht habe  da!” Nach dieser peinlichen Situation zahlten die Freunde, nahmen Abschied und gingen.

Zwei Tage später besuchte Lore den Studenten. Statt der üblichen Kabbelei mit seiner Wirtin zog Lore ein Portemonnaie aus ihrer “Blouse”, holte daraus einen 100 Markschein und pfiff drei mal laut. Sie bezeichnete den “Vetter” als einen “Stiesel”, gab dem Studenten einen Brief, der von dem “Vetter” kam und an Lore adressiert war. Der Brief enthielt alle Anschuldigungen des “Vetters” an Lore und dass er ihr Lebewohl wünsche.

Am nächsten Tag kam der “Vetter” mit dem “Antwortsbrief” von Lore zu seinem Freund. Der Brief enthielt ebenso die Dinge, die Lore an dem “Vetter” nicht leiden konnte. Als Post Scriptum wünschte sie ihm aber kein Lebewohl, sondern: “Sollten Sie, geehrter Herr, etwas hierauf zu erwidern haben? Dann unter postlagernd B.H.  16896 Postamt No. 4  Stettiner Bahnhof”.

 

Rosenmontag

Dieses Theaterstück spielt in einer rheinischen Garnison und ist in fünf Akte, mit bis zu acht Szenen-Untergliederungen eingeteilt.

Personen:

Gertrude Reimann, alias Traute

Hugo von Marschall, Oberleutnant

Harold Hofmann, Oberleutnant

Peter von Ramberg, Oberleutnant

Paul von Ramberg, Oberleutnant

Ferdinand von Grobitzsch, Oberleutnant

Moritz Diesterbeg, Leutnant

Hans Rudorff, Leutnant

Benno von Klewitz, Leutnant

Franz Glahn, Leutnant

Fritz von der Leyen, Fahnenjunker

Tiedemann, Sergeant und Oberordonnanz

Drewes, Ordonnanz

Heinrich Nettelbusch, Bursche von Rudorff

Joseph Wachowiock, Bursche von Glahn

Dr. Friedrich Meitzen, Stabsarzt

August Schmitz, Kommerzienrat

 

Erster Akt:

Im Offizierskasino unterhalten sich die Soldaten während des Essens. Zuerst lädt der Herr Leutnant von Marschall zum diesjährigen Fastnachtsball am Rosenmontag mit der Aufführung von “Schillers Handschuh” ein.

Die Verhältnisse der Personen untereinander werden beschrieben. An Sekt fehlt es nicht, da die Ordonnanz sich äußerst ausführlich darum kümmert. Hans Rudorff wird von seinen Kameraden begrüßt, weil er nach einem halben Jahr  Krankheit war und nun zurückgekehrt ist und ihnen am Rosenmontag seine Verlobte vorstellen möchte. 

Zweiter Akt:

Acht Tage später bekommt Hans von seinem Schwiegervater Schmitz Besuch und läßt noch schnell von seinem Burschen seine Offizierswohnung in Ordnung bringen. Als der Schwiegervater kommt, wird er von einer Kapelle und vielen Leutnants hineingeleitet. Er hält eine kurze Rede, in der er allen für den netten Empfang dankt, auch wenn er nie bei der Armee gewesen ist. Anschließend reden Schmitz und Hans über die Zeit vor der Krankheit und über die verschmähte Liebe Traute. Hans bringt Schmitz ins Hotel. Peter, Paul, Harold und Moritz, alle Leutnants, warten auf Hans, um ihn für seinen Rondengang abzuholen, während sie in dessen Wohnung Klavier spielen und sich darüber unterhalten, wer Hans am besten kenne. Peter und Paul von Ramberg, seine Vetter, arrangierten, dass Grobitzsch, Hans Traute ausspannte. Als Hans eintritt, erzählt Harold ihm von dem Vorfall. Hans empört sich sehr darüber, möchte aber, da er jetzt Dienst hat, am nächsten Tag über die Sache reden.

Dritter Akt:

Am nächsten Abend bespricht Hans in seiner Wohnung was er am darauffolgenden Tag zu tun hat und schickt Heinrich zum Tor, um dort eine junge Dame abzuholen. Harold erscheint, um Hans wegen der gestrigen Sache um Entschuldigung zu bitten, doch dieser sagt ihm, dass er Traute bereits wieder getroffen habe und  sie gleich hier auftauchen wird. Harold möchte, dass Hans auf sich Acht gibt. Als Traute sehr schüchtern erscheint, verabschiedet Harold sich schnell von ihnen. Hans und Traute unterhalten sich und erfahren, dass Peter und Paul Traute angelogen haben als es, um das Verlobungsdatum von Hans ging, welches sie um ein halbes Jahr vorverlegt hatten. Als Grobitzsch angemeldet wird versteckt sich Traute im Schlafzimmer, weil sie von ihm nicht gesehen werden möchte. Hans fragt Grobitzsch, ob er von der Intrige der Ramberg Brüder gewusst habe, worauf er keine Antwort bekommt. Nun bezeichnet Grobitzsch Traute als eine Dirne, worauf sie aus dem Schlafzimmer kommt und ihn als etwas Schlimmeres als einen Mörder beschimpft. Grobitzsch verläßt schnell die Wohnung. Traute erzählt Hans nun die ganze Geschichte von seinem letzten Geburtstag, an dem Peter und Paul ihr die Geschichte von seiner neuen Liebhaberin glaubwürdig machten.

Vierter Akt:

Einige Tage später, am Karnevalssonntag kommt Harold zu Hans, um mit ihm zu reden. Die Geschichte von Harolds verschmähter Liebe kommt zu Tage und er rät Hans, sich doch versetzen zu lassen. Grobitzsch hat dem Oberst gesagt, Hans treffe sich wieder mit Traute, wodurch er  Probleme mit  seinem Vorgesetzten bekommen könne. Hans und Harold gehen nicht als Freunde auseinander. Benno und Moritz kommen reichlich angetrunken an Hans’ Fenster vorbei und berichten unter anderem, dass Schmitz die Graf Baudensche Villa gekauft habe. Spät in der Nacht schleicht sich Traute Hans’ sein Zimmer, um mit ihm zum letzten Mal einen fröhlichen Abend zu verbringen, aber der Abschied immer näher rückt trübt es die Stimmung. Da Karneval ist, marschiert eine lustige Truppe von Soldaten, die mit Domino-Masken bekleidet sind, durch das Wohnzimmer. Harold gibt sich zu erkennen und möchte Hans eine Brieftasche für seine Flucht geben. Hans lehnt sie großzügig ab, da er nicht vorhat “Fahnenflucht” zu begehen. Nach dieser Störung wollen Hans und Traute noch einmal versuchen ohne Abschiedsgedanken, zu feiern.

Fünfter Akt:

Im Offizierskasino ist gerade die Probe vom “Handschuh” zu Ende gegangen und die Beteiligten Peter, Paul, Grobitzsch, Benno und  Moritz unterhalten sich. Plötzlich kommt Fritz vom Fastnachtsball aus der Stadt zurück und erzählt, Hans gesehen zu haben, der die ganze Zeit über mit derselben Frau getanzt habe. Die Vermutung, dass es Traute war, bestätigte sich. Grobitzsch kann den Ramberg-Brüdern noch gerade mitteilen, dass Hans jetzt eigentlich schon ein toter Mann sei, als dieser hereinkommt. Also verabschieden sich alle notgedrungen von ihm, so dass er alleine im Kasino ist, als Traute auf ihn stößt. Da er sie aber nicht sehen will, sagt sie ihm noch, dass er am Abend beim Rosenmontagsball nicht da sein werde. Anfangs ist er wie vor den Kopf gestoßen, gibt dann aber zu, sich töten zu wollen. Sie möchte mit ihm gehen und spricht ihn erneut auf das Gedicht an, dass sie bei ihm gefunden hat. Er trägt es ihr vor:

Am Rosenmontag liegen zwei 

die kalten Hände noch verschlungen

das Leben strömte rauh vorbei 

die beiden haben’s nicht bezwungen

Als überwunden grüßen sie 

den Sieger, dem das Glück begegnet 

im Tod verbunden, segnen sie all jene, die das Leben segnet.

 

Nach einer langen Nacht geht Hans in eine Kammer bei seiner Wohnung. Joseph, Heinrich und Harold suchen ihn, weil es höchste Zeit zum Aufstehen ist. Als sie die Tür verschlossenen vorfinden, stemmen sie diese auf. Heinrich kommt mit dem Ausdruck furchtbaren Entsetzens aus der Tür heraus und stolpert in Richtung Fenster. Als er versucht zu sprechen, bleibt ihm das Wort in der Kehle stecken. Die Militärmusik spielt einen flotten Marsch.