Charakteristik von Meister Quentin und dessen Frau

Im Roman "Vermutungen über ein argloses Leben" von Herbert Günther spielt Meister Quentin eine Nebenrolle. Er ist der Arbeitgeber der Hauptperson Catharina und trägt einen Teil zu ihrem Schicksal bei.

Georg Christoph Quentin wurde 1730 geboren und ist von Beruf Bäcker und Gastwirt.Er übt nur deshalb beide Berufe aus, weil er dem Drängen seiner Frau nachgegeben hat und es nun als seine Pflicht ansieht. Dies hat zur Folge, dass er meist die ganze Nacht und am frühen Morgen in dem vom Schwiegervater geerbtem Haus in der Groner Straße arbeitet.Georg C. Quentin hat nicht studiert und wird deshalb " wohl nie die Achtung des Schwiegervaters erringen" (S.98). Er erhofft sich durch das harte Arbeiten Wohlstand und Anerkennung bei seiner Frau Catharina Dorothea, mit der er drei Kinder hat.Er führt mit ihr eine kühle Ehe ohne viel Liebe.

Da seine Versuche zu Geld zu kommen meist fehlschlagen, ist er unzufrieden mit sich und mit seinem Leben, von dem er sich doch so viel erhofft hatte, als er die Tochter des wohlhabenden Kaufmanns Grabenstein heiratete.Quentin selbst gesteht sich diese Gedanken nicht ein, wagt es also auch nicht, sich jemandem anzuvertrauen oder mit seiner Frau über sie zu sprechen.Sogar im Beichtstuhl traut er sich nicht, sie preiszugeben "Er ließ die aufkommende Unzufriedenheit mit seinem Leben keinen merken, und auch selbst hielt er diese Gedanken für eine besondere Art der Sünde" (S.98). Schon hier sieht man, dass Meister Quentin eher zu den ängstlichen Menschen gehört, die lieber alles stillschweigend hinnehmen, um am Ende doch noch einen Vorteil aus der ganzen Sache ziehen zu können.Denn dies versucht er auch in seinem Leben. Obwohl er schon für damalige Verhältnisse alt war, wollte er seinen Traum vom Wohlstand immer noch verwirklichen, denn "er hatte sich den törichten Wunsch bewahrt, dass in den kommenden Jahren manches besser werden sollte."(S.99). Auch in der Gastwirtschaft versucht er dies.Obwohl er den Schwiegervater zu fürchten hat, was ihn natürlich auch erpressbar macht ("Ich werd es schon verstehen, der Meisterin und dem Herrn Schwiegervater einige Geschichten zu stecken, die eurer Reputation nicht gerade zuträglich sein werden." (Riemschneider zu Meister Quentin, S.121)), handelt Meister Quentin immer nur zum Besten seines Geldbeutels.Er will sich dies nicht eingestehen, da er der Meinung ist, die Mägde in seinem Haus hätten eine Wahl. Doch da sie alle noch so unerfahren sind und der wirtschaftlichen Lage nach zu urteilen auch von ihm abhängig sind, kann man dies nicht als die Wahrheit ansehen. "Einen öffentlichen Skandal riskieren? Nein, da gab er sich schon wohl oder übel mit dem Extra-Taler zufrieden."(S.104) Quentin widerspricht sich jedoch selber, als er sich, wie ein Kuppler darüber empört, wie wenig Riemschneider doch für Catharina "gezahlt" hat (S.106).

Catharina Dorothea Quentin, die Meisterin von Catharina, zeigt nicht, dass sie etwas von dem bösem Spiel Riemschneiders und ihres Mannes mit den Mägden ahnt.Sie wirkt streng und schmal (S.108) und überträgt oft die eigenen Eheprobleme auf andere Leute. Da sie das Geld mit in die Familie gebracht hat, hat sie auch meist die Kontrolle über ihren Mann. Dies wird in einen Gespräch zwischen den Eheleuten deutlich- "Die Frau richtete sich auf.(...) Mit stechendem Blick sah sie ihn an. ... "Schon gut, schon gut. Ereifere dich nicht."(S.119).Da sie es sich nicht eingestehen will, dass ihr eigener Mann so durchtrieben ist und mit Riemschneider gemeinsames Spiel macht, hält Dorothea C. Quentin ihn für einen Angsthasen, da er häufig allem Streit aus dem Weg gehen möchte. Doch für sie ist es sehr wichtig, dass die Familie nicht in einen schlechten bzw. noch schlechteren Ruf gerät. Dies führt dann auch zur Entlassung der schwangeren Catharina. Sie zeigt sich zwar erst freundlich, als sie Catharina zu dem Gespräch bittet, doch hat sie solche Angst vor dem Gerede der Leute, dass sie sehr verletzend gegenüber Catharina wird "Nie weißt du nichts!" Sie stieß den Zeigefinger aus und wies auf Catharinas Leib." (S.132). Sie ist froh, als Catharina selbst ihre Entlassung vorschlägt, da dies dem Ruf ihres Hauses nur von Nutzen sein kann.

Das Bild zeigt eine Kneipenszene aus dem 17. Jahrhundert. So ähnlich könnten sich die Abende bei Quentins abgespielt haben. (Jacobeit 1988)


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