Charakterisierung der langen Marie

In dem Roman "Vermutungen über ein argloses Leben" ist Marie die Dienstmagd von Gerbermeister Degen und seiner Frau. Sie arbeitet und lebt dort drei Jahre mit der Hauptfigur des Werkes, Catharina Erdmann, die dort auch als Magd in Stellung ist, zusammen. Sie ist ca. 34 Jahre alt, sehr groß gewachsen (deshalb: die lange Marie) und - den vielen Andeutungen im Buch nach - nicht sehr hübsch.

Sie kommt aus einer armen Familie: Ihr Vater war Schneider, ihre Mutter starb bei der Geburt des achten Kindes, doch schon nach einem halben Jahr nahm sich der Vater eine Neue zur Frau. Drei von ihren Geschwistern starben noch vor dem dritten Lebensjahr, doch das änderte nichts an dem extremen Platzmangel in der viel zu kleinen Hütte der Familie, und so trat Marie mit 14 Jahren ihre erste Stelle an.

Ihre ersten Befürchtungen, die neue Magd Catharina könne ihr ihre Stellung streitig machen, verwirft sie bald und merkt schnell, dass sie nun dafür da ist, die junge und unerfahrene Catharina in deren Arbeiten einzuführen. Sie ist nun für die angenehmeren Aufgaben zuständig, was ihr nicht missfällt. Sie lässt Catharina hart arbeiten und hofft, dass diese etwas bei ihr lernt.

Marie ist so etwas wie eine "alte Jungfer". Sie hat keinen Mann gefunden. Denn sie hält Männer für ein Unglück und Catharinas Schwärmerei für Jakob, den Müllersohn in Benniehausen, für unreif und überflüssig. Als sie Catharina später hochschwanger in die Kirche kommen sieht, verhält sie sich ebenso unmenschlich und unsolidarisch wie alle anderen: Sie sieht an ihr vorbei, so als würde sie sie nicht kennen.

Sie ist der Meinung, dass man es als Magd nicht leicht hat, aber dass es woanders auch nicht viel besser ist. "Viel ist`s doch nicht, was man zurücklässt, und glaub mir: Mühsal ist`s hier wie da!"

Marie hängt sehr an ihrem Arbeitsplatzund damit am ihrem Zuhause, was man an der Verzweiflung sieht, als sie erfährt, dass eine zweite Magd bei Degens eingestellt wird. Wenn bei Degens kein Platz mehr für sie wäre, würde sie vielleicht keine Arbeit mehr finden. Wer nimmt schon eine ältere Magd, die nicht mehr so schwere Arbeit verrichten kann und dazu noch hässlich ist? Wenn sie also bei Degens gekündigt würde, wäre sie wahrscheinlich bald obdachlos und müsste hungern. Deswegen bemüht sich sehr bei Degens und verrichtet ihre Arbeit stets gut und richtig.

Marie ist es auch wichtig, dass sie ernst genommen wird und dass man ehrlich zu ihr ist. Zu dem Meister und seiner Frau hat sie wegen ihres guten Betragen ein sehr gutes Verhältnis. Sie erwartet nicht mehr viel vom Leben, keinen Mann, keine Kinder. Sie will nur weiter als Magd bei den Degens arbeiten, wie schon so lange und ehrlich ihr Geld verdienen.


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Das Haus des Meisters Degen

Henrich erzählt über sich selbst