Johann Klaas Recke, Gerbergeselle im Hause Degen, erzählt über sich selbst
Früher war ich in der Degenschen Gerberei Geselle. Ich war damals noch der Ansicht, dass man wegen der harten Arbeit auch ab und zu mal einen kräftigen Schluck aus der Branntweinflasche nehmen muss. Aber heute sehe ich das anders - klar - ich habe ja eine eigene Gerberei und weiß, wie ich mich damals nach den durchzechten Nächten bei der Arbeit fühlte.
Ich machte gerne Scherze, das kann ich dir sagen, aber oft passten die den anderen nicht oder verletzten sie sogar, wie zum Beispiel der Catharina, als sie ihren ersten Arbeitstag bei uns in der Gerberei hatte. Ich stülpte mir eine Rinderhaut über, an der noch Fleischfetzen hingen, allerdings so, dass die Seite mit dem Fleisch außen war, und ging so auf sie zu. Sie dachte, glaube ich, dass ein Ungeheuer auf sie zukam, so sehr erschreckte sie sich. Aber ein Spaß war es schon, vor allem da ich dadurch meinem Mitgesellen Henrich, dem Langweiler, mal wieder gezeigt habe, was ´ne Harke ist.
Damals war es meine größte Vorliebe, bei der Arbeit ein "Päuschen" einzulegen, sobald der Meister fort war, das kann ich mir natürlich heute nicht mehr leisten. Dabei geriet ich immer mit Henrich aneinander, der wirklich ein Kriecher und Speichellecker war. Das hat ihm dann aber letztendlich nichts genützt, denn ihm geht es nicht so gut wie mir: Ich und nicht etwa er habe eine eigene Gerberei, eigene Gesellen und eine tüchtige Frau.
Meine Einstellung zu Studenten und höher gestellten Personen hat sich allerdings nicht groß gewandelt, ich bin immer noch der Meinung, dass die Studenten es leichter haben, da sie nicht richtig arbeiten müssen und keine Leute sind, die nach den Befehlen von Meistern handeln müssen. Immerhin leben sie auch in besseren Vierteln als Handwerker und nicht im Marienviertel. Trotzdem können sie am Wochenende saufen. Ich denke, dass die Studenten sich dort, wo es nach Schweiß und Arbeit stinkt, nicht blicken lassen, da sie sich zu fein dafür sind.