Inhaltsangabe des Romans "Vermutungen über ein argloses Leben" von Herbert Günther

In dem Roman "Vermutungen über ein argloses Leben" von Herbert Günther geht es um die Kindsmörderin Catharina Elisabeth Erdmann und die Voraussetzungen für die Tat, der ein "argloses Leben" vorausging.

Sie wird am 16.1.1758 als älteste Tochter des armen Schusters Lorenz Erdmann in Gelliehausen geboren. Dort geht sie zur Schule, ist aber eine der schlechtesten in der Klasse, da ihr das Auswendiglernen der Bibelverse schwerfällt. Auch hat sie keine Freunde, im Gegenteil, die anderen Schüler hänseln sie, da ihr Vater im Dorf als Säufer bekannt ist und er auch häufig seine Frau und seine drei Kinder schlägt. Die Erdmanns sind die ärmste Familie im Dorf und wohnen in einer kleinen schiefen Hütte.

1771 zieht die ganze Familie in das benachbarte Dorf, Benniehausen, aber auch dort bessern sich die Lebensverhältnisse nicht. Bald verliebt Catharina sich in den Müllersburschen Jacob, obwohl sie sich überhaupt nur einmal mit ihm unterhält.

Im Juni 1774 bekommt der Vater für sie eine Stellung als Magd bei Gerbermeister Degen und seiner Frau in Göttingen. Catharina empfindet die große Stadt, das große Haus und die Leute, die darin wohnen, als fremd und beängstigend. Sie hatte sich zwar gefreut nach Göttingen zu gehen. Als sie nun aber dort ist, will sie eigentlich doch lieber wieder zurück. Auch nach einem Jahr hat sie sich noch nicht so richtig eingewöhnt. Eines Morgens beim Tischdecken umarmt der Gerbergeselle Henrich sie plötzlich von hinten und küsst sie. Ihr fällt einer der Teller mit Goldrand von der Herrschaft herunter. Die Meisterin beschimpft und schlägt sie dafür. Catharina lässt sich diese Behandlung nicht gefallen, kündigt sofort und geht nach Hause. Dort schlägt sie der Vater, weil sie die Stelle einfach verlassen hat und er kein Geld hat, sie mit durchzufüttern. Ab September 1779 arbeitet sie beim Schankwirt und Bäckermeister Quentin. In seiner Wirtschaft treffen sich abends alle Gesellen des Marienviertels. Und reden über Frauen, den Klatsch und Tratsch des Tages und ähnlich belanglose Dinge. Hierher kommen auch Klaas, Geselle des Gerbermeisters Degen, der sich häufig besäuft und immer für einen deftigen Spaß zu haben ist. Sein Kollege Henrich, der das absolute Gegenteil von ihm ist, ist zwar auch immer dabei, redet aber im Gegensatz zu Klaas fast gar nicht. Auch der Fleischhauermeister Riemschneider und sein Kumpel Voigt kommen in Quentins Kneipe, weil sie in ihrem Stand nicht anerkannt werden. Außerdem sind sie Junggesellen und haben andere Interessen als die meist verheirateten Meister. Deswegen müssen sie sich zu den Gehilfen hocken, obwohl sie Meister sind.

Dort wird sie kurz nach Sylvester 1779/1780 von Riemschneider vergewaltigt. Er kommt nachts zu ihrer Kammer und flüstert durch die Tür, er wolle lieb zu ihr sein und sie solle ihm öffnen. Nach einigem Zögern öffnet Catharina die Tür und er fällt über sie her. Das geschieht nun häufiger, aber mit Billigung Catharinas. Riemschneider verspricht ihr zwar allerlei Dinge auch dass es mit ihnen beiden etwas wird, doch macht er keine seiner Versprechungen wahr, aber Catharina hofft und deswegen lässt sie es geschehen. Sie wird schwanger, merkt selbst von alledem nichts, doch nach und nach fängt die ganze Stadt über sie und Riemschneider zu reden an. Wenn später Leute sie mehr und mehr direkt darauf ansprechen, versteht sie entweder nicht, was die Leute meinen, oder streitet alles ab. Ihre Schwindelanfälle erklärt sie sich anders.

Ihre Mutter wird bettlägerig und Catharina beschließt wieder nach Benniehausen zurückzugehen. Doch die Tatsache, daß ihr Vater sie für diesen Beschluß schlägt und auch, daß Jacob weg ist, lässt sie ihren Beschluß rückgängig machen. Doch in Göttingen hat sie Streit mit ihrer Meisterin Frau Quentin, die sich sicher ist, dass Catharina schwanger ist. Sie streitet alles ab, beschließt daraufhin aber doch nach Hause zu gehen. Zu Hause bekommt sie nachts plötzlich sehr starke Bauchschmerzen, als nichts hilft, geht sie vor die Tür und schickt Vater und Bruder wieder hinein. Gleich darauf bekommt sie draußen ein Kind. Erschrocken nimmt sie es auf, rennt zur nahe gelegenen Garte und wirft es hinein.


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