Stolbergs Glaubenswechsel :

Beinahe mehr noch als durch sein literarisches Wirken erregte Stolberg im Jahr 1800 Aufsehen durch seine Konversion (Glaubenswechsel) zum katholischen Glauben.

Immerhin einem lutherisch-pietistisch geprägten Reichsadelsgeschlecht entstammend und in Diensten des protestantischen Fürstbischofs von Oldenburg-Lübeck stehend, war es schon ein bedeutender Schritt, in jener Zeit gewissermaßen die "Fronten" zu wechseln. Seinem Dienstherrn schreibt er:

"Schon seit verschiedenen Jahren gnädigster Herr! ward ich von Religionsscrupeln beunruhigt. Unerschüttert in meinem Glauben an das Evangelium, sah ich das System der Religionsparthey welche sich die evangelische nennt, und in welcher ich gebohren ward, einstürzen. Ich ward zur Prüfung des wahren Christenthums veranlaßt, und fand es in der katholischen Kirche. Ich habe lange geprüft, Gnädigster Herr, u: spät, mit vollkommenster Ueberzeugung, und mit einer Ueberzeugung welche meine Frau mit mir theilt, den großen Schritt gethan, der mich zum Mitgliede dieser Kirche macht."

Tatsächlich war Stolberg in das Umfeld der Münsteraner Fürstin Gallitzin geraten, deren Kreis "familia sacra" für eine restaurativ-romantische Erneuerung des Katholizismus eintrat.

In einer Zeit, in der die katholische Kirche nur noch geringes Ansehen genoss, dennoch ein für viele Zeitgenossen ungeheuerlicher Schritt...

Der Streit um Stolbergs Konversion...