Leseprobe
"Palast im Koffer"
 

[...]

 

Der Reisende blickte in viele neue Gesichter.

In diesem Moment endete seine Reise.

Er saß in einer Wiese, vor ihm lag sein Koffer, vor dem Koffer standen Wanderer.

"Da sind wir!", riefen sie.

Der Reisende nickte und schaute zwischen den Wanderern, die seinem Blick Platz machten, hindurch über kurzes Gras. Am Horizont stand eine Reihe gerader, schöner Bäume.

Die Sonne wärmte seine Hände.

Alles schien für ihn hergerichtet.

"Mehr können wir dir nicht bieten", sagten die Wanderer atemlos, drängten sich dichter um den Koffer zusammen und streckten dem Reisenden ihre Arme entgegen, "wir sind zu schwach, um dir einen Palast zu errichten, wie er dir gebührte."

"Danke", antwortete der Reisende, und sein Blick verfing sich in den Hosenbeinen der Wanderer, "ihr seid ehrlich und habt euch Mühe gegeben. Mehr verlange ich nicht. Mein Palast ist der Koffer."

Hell leuchteten die Gesichter der Wanderer auf. Der Reisende verglich sie miteinander. Eines hätte ins andere gepaßt.

"Wir sind schneller als Spaziergänger", stießen die Wanderer hervor.

Der Reisende lächelte. "Das ist tüchtig", sagte er. Die Wanderer wagten nichts zu antworten. Verschämt blickten sie auf die Hände des Reisenden, die über den Koffer strichen.

"Das ist sehr tüchtig", wiederholte er.

Die Wanderer schüttelten ihre Köpfe.

"Warum ist das nicht tüchtig?", fragte der Reisende.

"Weil wir Wanderer sind", antworteten die Wanderer.

"Das habe ich gleich an euren Rucksäcken gesehen!", sagte der Reisende und fügte hinzu: "Sie stehen euch gut."

"Wir haben sie uns auf den Rücken geschnallt", antworteten die Wanderer leise.

"Sicherlich seid ihr immer schon einen Schritt zu weit, wenn die Spaziergänger nach euren Rucksäcken greifen", sagte der Reisende.

"Selbstverständlich!", riefen die Wanderer begeistert. "Es macht uns Spaß, sie zu ärgern. Aus der Ferne noch hören wir sie schimpfen."

[...]

(S. 7 - 9)

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