Interpretation / Aussage zu
"Der Palast im Koffer"
 

Beim „Palast im Koffer” dürfte dem Leser die Interpretation wohl am schwersten fallen, da dieser Roman im Vergleich zu anderen Jan Peter Bremers noch verwirrender erscheint. Die Kritikerin Verena Auffermann hat sich dazu (in ihrem Artikel „Rastplatz vor der Hölle” vom 11.11.1992, erschienen in der Frankfurter Rundschau) folgende Fragen gestellt: „[...] Ist der Koffer der Behälter für die Welt, oder sind seine vier Wände das Grab? Ist der Park der Garten Eden, Oscar Wildes Spielgrund für den kleinen Prinzen, ein Zipfel vom Franz Kafka - Land, das der Autor sehr zu lieben scheint? Ist der Park rückerobertes Terrain von der vergangenen Bundesgartenschau oder der Rastplatz vor der Hölle? Ist der Hund Pluto oder ein gemeiner Straßenköter? Ist der Reisende Ruprecht, der alle Kinder in den Sack steckt, oder Gevatter Tod, der Schaffner der letzten Fahrt? Sind die Wanderer Zwerge, also die namenlose Masse Menschen, Menschen, die ihrer Routine nachgehen, nichts gesehen haben als Rucksäcke, also, die Mühsamen und Beladenen ?

Sind wir diese „Wanderer”, wir, die mit unverstelltem Blick einen Kameraden umlegen und in aller Herzensruhe sagen: „Du mußt den Koffer öffnen. Erkläre uns, wie wir ihn wieder schließen können. Zuerst legen wir unseren erschlagenen Kameraden hinein, dann dich. Auch du sollst nicht in der Wiese sitzen bleiben. Wir wollen dir helfen, Reisender.” [...]”

Jan Peter Bremer sagte selbst über den „Palast im Koffer” (in einem Interview mit S. Draber und A. Hildebrand vom 29.01.2000): „Beim „Palast im Koffer” ist die Grundidee, eine Sekunde des Sterbens darzustellen. Da war die Idee, diesen Zeitraffer, von dem man immer hört, diese Schrecksekunde, wenn das Leben noch einmal an einem vorbeirauscht, darzustellen. Das ist undramatisch und relativ in die Länge gezogen.”

Wie auch immer andere den Roman interpretieren mögen, letztendlich sollte jeder Leser selbst zu seiner Interpretation finden. Die oben erwähnten Fragen können dabei vielleicht weiterhelfen.

Sibylle Draber
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