Jan Peter Bremer las am 22. Mai 2000 im Fritz-Reuter-Gymnasium Dannenberg
 
Schönes schlecht gelesen
 
Heimlich, ohne seiner Familie auch nur ein Wort über seine Pläne mitzuteilen, verlässt der Schriftsteller Stefan sein Zuhause. Er fährt in die Berge, in eine kleine verschlafene Stadt, in welcher er sich Ruhe zum Schreiben erhofft. Bis jetzt hat er keine Zeile aufs Papier bringen können, und irgendwie will ihm das hier, unter scheinbar idealen Voraussetzungen, in den nächsten Stunden nicht gelingen.

Dies ist der Anfang der Handlung von Jan Peter Bremers Roman "Der Feuersalamander", den er am 22. Mai 2000 im Fritz-Reuter-Gymnasium in Dannenberg vorstellte.

Seit Februar zieht der Dannenberger Abiturient "kreuz und quer durch die Republik", liest aus seinem Roman über die Leiden seines Hauptcharakters Stefan, der von seiner "Idee" mehr behindert als inspiriert wird.

Ein Schriftsteller schreibt über einen Schriftsteller. Ein merkwürdiges Unterfangen, auf das sich der junge Berliner da eingelassen hat. Und doch gelingt es ihm, uns diesen Menschen, der über "jemanden schreibt, den es nicht gibt, und Dinge, die nie stattgefunden haben", mit einer herrlich natürlichen Lockerheit näherzubringen. Über die Banalität des Kaffeeeinschenkens schwenkt Bremer unvermittelt in die Psyche des jungen Mannes, der lieber von ihn feiernden Menschenmassen träumt, als sich mit dem harten Brot des Schreibens auseinanderzusetzen. Denn zu seiner "Idee", die Stefan anfangs noch als "das Liebste auf der Welt" feierte, die sich aber mittlerweile zu einem "Monster, schlimmer noch als eine Totgeburt" entwickelt hat, kann der Möchtegern Literat keine Distanz mehr wahren. Sie verfolgt ihn so lange, bis er zu dem finalen Entschluss kommt: "Ich werde nie wieder ein Wort schreiben." Der Schriftsteller im Roman scheitert, entgegen seinen Behauptungen, an sich selbst und nicht an den Umständen.

Eine scheinbar traurige Geschichte, doch Bremer versteht es, uns diesen Charakter, der im Zugabteil lieber die Hosen auszieht als zu schwitzen, durch seine spontane und doch so menschliche Art und Weise sympathisch zu machen.

Der in Gümse aufgewachsene Bremer las ein paar Seiten und sollte dann mit seiner anfänglichen Warnung recht behalten: Es war wohl doch alles ein bißchen schnell gelesen. Bremer, dessen Erzählton nicht aufregender als der eines Nachrichtensprechers ist, artikulierte recht ungewohnt, so dass sich bei manchem Interessierten der eine oder andere Einfall des Schriftstellers spurlos in der Weite verlor.

Dennoch beteiligten sich viele Schüler an der anschließenden Diskussion. Dabei kam dann unter anderem auch heraus, dass der Titel "Der Feuersalamander", der mit dem Inhalt des Buches verschwindend wenig zu tun hat, nicht vom Autor selbst, sondern vom Verlag geliefert wurde, um den Verkauf anzukurbeln. Dieser läuft bei seinem aktuellem Buch gut, doch davon, gab der Autor gleich zu bedenken, kann man "nicht reich werden".

Bremer erzählte locker und witzig, außer ein paar Kritikern, die ihn ab und zu "in die Eier treten", schien ihn nichts zu beunruhigen. Auch seinem Stil, dieser ins Surreale gehende, von ihm selbst als "Hyperrealismus" betitelten Eigenart, will der 35-jährige auch in Zukunft treu bleiben. Denn, so wusste schon sein "Schreibgott" Kafka: "Wirkliche Realität ist immer unrealistisch."

 
Axel Hildebrand
Lesung
Begrüßung durch Frau Theiß
 
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Jan Peter Bremer liest
 
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Die Zuhörer
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