Mein Gespräch mit Jan Peter Bremer

Nachdem ich mit meiner Romanbesprechung weitgehend fertig war, führte ich ein Telefonat mit Jan Peter Bremer. Allerdings war ich mir nicht sicher, wie er reagieren würde. Als er sich meldete, wusste ich zuerst nicht, was ich sagen sollte. Ich merkte jedoch schnell, dass wir etwas gemeinsam hatten.

Jan Peter Bremer zog im Alter von sechs Jahren von Berlin nach Lüchow-Dannenberg (Wendland / Niedersachsen), was für ihn eine große Umstellung war. In der Schule, gestand er, war er nicht gerade gut. Nur in Deutsch konnte er zeigen, was in ihm steckt. Als ich ihn fragte, weshalb er denn so schlecht gewesen sei, antwortete er, er wäre ein Nachzügler in Sachen Schule gewesen. Dennoch machte er sein Abitur am Fritz-Reuter-Gymnasium Dannenberg. Anschließend ging er zurück nach Berlin, um dort die besseren beruflichen Perspektiven zu nutzen.

Jan Peter Bremer schrieb sich in der Universität ein, besuchte sie jedoch nicht. Ihm gelang es dennoch, seine Erzählsammlung "In die Weite" 1988 zu veröffentlichten. Der erste Roman ("Einer der einzog das Leben zu ordnen") folgte 1991. Nur durch einen guten Freund war es Bremer möglich, seinen Roman beim Gatza -Verlag zu veröffentlichen, da die Verlage sich zu der Zeit nicht um ihn rissen.

Beim Gespräch über den Roman "Einer der einzog das Leben zu ordnen" lernte ich viele neue Aspekte kennen, welche mir in Bezug auf das Verständnis sehr weitergeholfen haben. Beispielsweise ist die im Roman beschriebene Wohnung nicht erfunden, sondern entspricht derjenigen des Autors, die er in dem Moment bewohnte.

Der Ausgangspunkt für Jan Peter Bremer, diesen Roman zu schreiben, war die Vorstellung, wie es wäre: man sitzt allein in einer kleinen Wohnung, hat nicht viel Geld und was passierte, wenn plötzlich ein Diener auftauchen würde.

Durch diese Erkenntnis wurde mir erst bewusst, dass moderne Romane grundsätzlich nicht ausgedacht und fiktiv sein müssen, sondern auch eine reale Basis haben können.

Ich fragte ihn auch noch, wie der Erfolg ( Ingeborg-Bachmann-Preis ) sich auf ihn und sein Leben ausgewirkt hätte. Er sagte, dass er nun von dem Schreiben einigermaßen leben könne, was vorher nicht der Fall war und er könne sich seine Angebote, die nun natürlich vorhanden sind, aussuchen.

Persönlich denke ich, dass Bremers momentaner Erfolg ihn nicht verändert hat. Obwohl ich erst einmal mit ihm gesprochen habe, fiel mir auf, dass er sehr natürlich und zuvorkommend wirkte. Es ist ja schließlich nicht selbstverständlich, dass ein Schriftsteller einem Schüler aus einem kleinen Gymnasium eine Dreiviertelstunde Frage und Antwort steht.

Das Gespräch zwischen Jan Peter Bremer und Robert Nixdorf fand am 21.3.2000 statt.
Startseite  Inhaltsverzeichnis