- Ein kurzer Überblick -


In der 1919 entstandenen Erzählung schildert Theodora Korte die Jugend des emsländischen Jungen Jan Bernd Hoeftmann, der 1897 auf einem der größten Höfe in der Nähe von Aschendorf geboren wird. Als "Anerbe" soll er später den Hof übernehmen. Der Vater stirbt als der Junge 7 Jahre alt ist und so ist die Erziehung in die Händer seiner Mutter gelegt. "Hoeftgrete", wie sie im Dorf genannt wird, ist eine stolze, resolute, aber auch, durch die Umstände bedingt, hartherzige Bauersfrau. Während ihre Tochter Thekla ihrer Vorstellung eines echten emsländischen Mädchens entspricht, ist Jan Bernd nach ihrer Ansicht ein "Drömklas", einer der nur "Geschichten und Fisematenten" im Kopf hat. Anstatt sich wie seine Altersgenossen im kindlichen Spiel zu messen, entwickelt sich Jan Bernd zu einem Einzelgänger, der sehr sensibel und weichherzig ist und eine tiefe Beziehung zu den Naturschönheiten seiner emsländischen Heimat empfindet.
Jan Bernd sehnt sich nach der Liebe seiner Mutter, die glaubt jedoch in ihrem Jungen das ihr verhasste Wesen ihrer Schwiegermutter wiederzuerkennen, die einer Lehrerfamilie entstammte. Ein Erlebnis während eines heftigen Gewitters prägt den Jungen für lange Zeit. Auf die angsterfüllte Frage Jan Bernds, ob seine Mutter ihn "leiden möge", verweigert diese ihm die Antwort und stößt ihn von sich. Glücklicherweise nimmt sich der Pfarrer des Dorfes, Pastor Kampen, des Jungen an. Auf sehr einfühlsame Weise gewinnt er die Zuneigung des Jungen und kann seine Mutter dazu überreden, Jan Bernd die Rektoratschule in Aschendorf besuchen zu lassen.
Obwohl ihr Sohn sich zu einem sehr guten Schüler entwickelt, verfolgt "Hoeftgrete" die Entwicklung ihres Sohnes mit größtem Misstrauen. Jan Bernds Interesse scheint nur noch seinen Büchern zu gelten...

Auschnitt
In der Zeit, in der Theodora Korte lebte,
wurden Bücher und Zeitungen in Fraktur
gedruckt.
Fraktur
Entwicklung der Fraktur
Wir haben das Buch gelesen:

Ruth Stubbe

Tanja Telgen

Anne Behrens

Ansgar Wilkens

Ruth Stubbe:

Ich finde das Buch eigentlich ganz gut, weil Theodora Korte beschreibt, wie Kinder früher im Emsland gelebt haben. An einigen Stellen ist die Geschichte sehr traurig, als Jan Bernd das Gefühl bekommt, nicht von seiner Mutter geliebt zu werden.
In der Erzählung wird auch deutlich, dass früher kaum über Gefühle gesprochen wurde. Ich glaube, dass die Mutter ihrem Sohn deshalb ihre Liebe verheimlicht hat, weil sie Angst hatte, dass er im späteren Leben zu weich wird.


Tanja Telgen:

Ich finde das Buch im Allgemeinen sehr gut, weil es mir ein besseres Bild vom Leben in unserer Heimat um die Zeit des 1.Weltkrieges verschafft.
Gestört hat mich die Schrift des Buches, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Theodora Korte benutzt manchmal eine etwas ungewöhnliche und unverständliche Sprache, um gewöhnliche Dinge zu beschreiben, z.B. S.120: An seiner (des Pfarrers) gottesdurchtränkten Ruhe wurde Hoeftgretes jammernde Verzweiflung weinende Ergebung. (Ausgabe des Aschendorfer Geschichtsverlages)


Anne Behrens:

Ich habe das Buch gerne gelesen, obwohl es mir am Anfang wegen der Schrift einige Schwierigkeiten bereitete. Theodora Korte ist es gur gelungen, die Sprache der Emsländer wiederzugeben, zum Teil sogar in Plattdeutsch.
In einigen Passagen wird sie nach meiner Meinung jedoch zu "poetisch", besonders wenn sie die Natur beschreibt. S.221: Drüben am Gesichtskreis brach plötzlich die Sonne durch die Wolken. Blitzende Strahlengarben schossen hervor, glänzende Lichtfluten flossen über die Landschaft, golden säumten sich die Wolkenränder.


Ansgar Wilkens:

Das Buch lässt mich an meine Oma denken. Sie erzählte mir, dass sie genauso aufgewachsen ist wie Thekla in der Erzählung. Ich glaube, dass es sich hier um eine Tragikomödie handelt, ähnlich wie die Stücke, die man im Ohnsorg-Theater in Hamburg sehen kann. Theodora Korte lässt die Menschen so sprechen, wie man es auch heute noch in den kleinen Dörfern unserer Umgebung hört. Ich mag diese Sprache, weil sie so direkt und unverblümt ist und man auf einfache Weise in ihr die Wahrheit sagen kann.